Verkehrskollaps auf B20 wegen Lkw-Sperrung in Österreich?

Hilfeschrei der Tittmoninger Bürger: "Gegenwehr-Maßnahmen einleiten"

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Rosa-Maria Multerer von der Tittmoninger "Interessengemeinschaft Stadtumfahrung". Mit einer Petition wehrt sich die IG nun gegen die geplante Sperrung der österreichischen B156 für Lkw. 

Tittmoning - Entlang der Salzach geht auf bayerischer Seite die Angst um: Ab März sperrt Salzburg eine grenznahe Bundesstraße für Lastwagen - Tittmoninger Bürgerinitiativen fordern jetzt notfalls auch "radikale Sperren" hierzulande.

Mit einer als "Hilfeschrei" überschriebenen Petition wenden sie sich an Behörden und Regierungen: Zwei Bürgerinitiativen aus Tittmoning fordern in ihrem Appell jetzt "alle diplomatischen, juristischen und notfalls sonstige Gegenwehr-Maßnahmen einzuleiten, um uns Menschen an der B20 vor dem zu befürchtenden Verkehrskollaps zu schützen", so Rosa-Maria Multerer von der Tittmoninger IG Stadtumfahrung.


"Desaster für Anwohner, Städte und Dörfer entlang der B20"

Ursprünglich sollte ab Sonntag, den 1. März die Sperrung für Lastwagen auf der österreichischen B156 greifen. Inzwischen ist auch von der Monatsmitte die Rede. Die B156 verläuft von Salzburg nach Braunau, nahe der Salzach - und neben der Lokalpolitik befürchten nun auch die Bürger, dass der Schwerlastverkehr durch die Sperrung dann auf die deutsche B20 ausweicht: Freilassing, Laufen, Tittmoning oder Burghausen wären in erster Linie dadurch betroffen. 


"Dies kann nur zu einem Desaster für die Anwohner und die Städte und Dörfer entlang der B20 führen - bis hin zum Verkehrskollaps", heißt es in der Petition, die chiemgau24.de vorliegt. Man habe selbst schon genug mit Mautflüchtlingen, Staus und unerträglichen Zuständen in den Ortsbereichen zu kämpfen. "Es kann nicht angehen, dass ein Land der Europäischen Union zwar unser Straßennetz weitgehend kostenfrei nutzt, aber nach Mittelaltermanier Schlagbäume errichtet, um Lärm, Schmutz und Abgase des LKW-Verkehrs zum Nachbarn hinüberzuschieben."

Bayerische Politik überlegt schon Gegenmaßnahmen

Die Petition erhielt nicht nur Tittmonings Bürgermeister Konrad Schupfner, sondern auch seine Amtskollegen in Burghausen, Laufen und Freilassing, sowie das Bundesverkehrsministerium, die bayerische Staatsregierung, die Regierung von Oberbayern und die Landratsämter in Traunstein, Altötting und dem Berchtesgadener Land. 

Vertreter der Tittmoninger Interessengemeinschaften "Stadtumfahrung" und "Anwohner Stadtumfahrung" mit Bürgermeister Konrad Schupfner Ende Januar. Dort ging es um eine weitere Petition gegen den B20-Durchgangsverkehr in Tittmoning.

Einen Appell an die Salzburger Landesregierung gab es jüngst auch aus dem Laufener Stadtrat, auch hier wurden "Gegenmaßnahmen" gefordert. Wie bekannt wurde könnte das Bayerische Innenministerium als eine solche Gegenmaßnahme das Transitabkommen für das Kleine Deutsche Eck über Bad Reichenhall zur Debatte stellen. Auch der Burghauser Stadtrat erließ Mitte Februar eine Resolution: "Eigentlich sollten solche Verkehrsmaßnahmen auf der EuRegio besprochen werden“, so Burghausens Bürgermeister Hans Steindl.

Widerstand gegen B156-Sperrung teils auch in Österreich

Widerstand gegen die Lkw-Sperrung auf der B156 gibt es allerdings auch in Österreich. Denn auch die oberösterreichischen Gemeinden entlang der B147, die östlich der B156 unter anderem durch Mattighofen führt, fürchten, Opfer des ausweichenden Verkehrs zu werden. Salzburgs Landesrat für Verkehr, Stefan Schnöll, verweist dagegen auf Gutachten: In Bayern sei nicht mit mehr Verkehr zu rechnen, so Schnöll gegenüber den Salzburger Nachrichten. Die Lkw würden eher auf die B147 in Oberösterreich ausweichen. 

xe

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