Stadtplatz-Anwohnerin Beate Krettek sieht Ausnahmesituation

Taubenplage in Tittmoning: „Bei dem Schaden, den die Viecher anrichten, muss was passieren“

Beate Krettek führt ein Geschäft für Küchenbedarf, Haushaltswaren und Dekorationen am Stadtplatz 40 in Tittmoning
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Beate Krettek führt ein Geschäft für Küchenbedarf, Haushaltswaren und Dekorationen am Stadtplatz 40 in Tittmoning. Bereits im vorigen Jahr machte sie ihrem Ärger wegen der Taubenplage im Rathaus Luft.

Ungefähr 200 Tiere dürften es sein, die seit vorigem Jahr den Stadtplatz bevölkern - und bei Anwohnern und Geschäftsleuten für Ärger sorgen: Tittmoning hat es mit einer Taubenplage zu tun. Wir haben mit einer Betroffenen gesprochen.

Tittmoning - „Lustig ist das nicht mehr“, sagt Beate Krettek und schaut bei ihrer Ladentür hinaus. Jetzt sitzen sie am Hausdach gegenüber: ein riesiger Schwarm Tauben. Wie viele es sind, lässt sich nicht zählen. Immer wieder landen welche oder heben ab. Beim Besuch von chiemgau24.de schätzt Krettek, dass es ungefähr 200 sind, die sich am Tittmoninger Stadtplatz ausbreiten. Tendenz steigend? „Ich habe den Laden seit 2003 und Tauben gehören natürlich zum Stadtbild. Aber eine Situation wie seit letztem Jahr, das war noch nie der Fall.

Wenn an der Mariensäule in Tittmoning gefüttert wird, sei dort der „Tauben-Hotspot“.

Taubenplage durchs Füttern in Tittmoning

Die alteingesessene Tittmoningerin erzählt vom August 2020. Zehn Tage war sie mit ihrem Mann im Urlaub. Als sie zurückkamen, war das Glasdach vor dem Geschäft völlig verschissen - und als „Krönung“ mittendrin eine tote Taube. Auch vom Dach ihres historischen Khuenburg-Hauses zeigt Beate Krettek Bilder, auf denen die Tiere deutlich ihre Spuren hinterließen. „Wir haben oben dann Metallzinken anbringen lassen, damit sie sich nicht mehr hinhocken können. Hat uns 920 Euro gekostet.“ Aber lieber so, als Taubenkot überall am Dach, an den historischen Fassaden und am Gehsteig.

Das verkotete Dach des Khuenburg-Hauses in Tittmoning.

Die Tauben sind zur Plage geworden“, gab jüngst auch Bürgermeister Andreas Bratzdrum zu. Nur: Was dagegen tun? Das Problem liegt bei einigen Wenigen, die die Tiere am Stadtplatz füttern. „Deswegen haben sie sich so vermehrt. Jetzt brüten die Tauben fünfmal im Jahr, statt zweimal“, so Krettek. Der Stadtrat will es bei einem bloßen Appell belassen, aufs Taubenfüttern zu verzichten. Ein Verbot bringe nichts. Die Geschäftsfrau vom Stadtplatz sieht das anders. „Das wäre für manche vielleicht eine Hemmschwelle, eine Abschreckung.“

Tauben am Stadtplatz: „Es geht inzwischen zu wie nochmal was“

Beate Krettek hat sich längst schlau gemacht. Man könnte den Tauben die Eier wegnehmen und sie gegen künstliche austauschen. Oder einen Falkner einsetzen, wie das bei der Burghauser OMV schon der Fall sei. Auch von einer ins Futter gemischten „Verhütungspille“ für die Vögel hat die Tittmoningerin schon gehört. Das wilde Füttern am Stadtplatz, vor allem an der Mariensäule, hat für Krettek ohnehin nichts mit Tierliebe zu tun: „Die Population ist nicht mehr in der Waage und die Tiere verfetten.“

Anwohner schätzen, dass sich rund 200 Tauben am Tittmoninger Stadtplatz tummeln.

Und die Menschen einfach ansprechen, die die Tauben füttern? „Die erwischt man ja kaum. Das geht so schnell. Einmal habe ich einen Mann angeredet und ihn gebeten, das zu lassen. Aber da läuft man gegen Windmühlen“, so Beate Krettek. Inzwischen kennt sie die Flugrouten der Stadtplatz-Tauben wie auswendig: „In der Früh sitzen sie beim Zellbeck-Haus, dann zur Pfarrkirche und wenn gefüttert wird, ist die Mariensäule der Hotspot.“ Am Abend steuere der Schwarm dann das „Tauben-Eldorado“ an, wie Krettek sagt: Den Dachstuhl des „Münchner Hofs“, wo die Tiere auch brüten.

Und noch eins weiß Beate Krettek sicher: „Es geht inzwischen zu wie nochmal was. Bei dem Schaden, den die Viecher anrichten, muss was passieren.“

xe

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