Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Anwohner fürchten Hochwasser - Stadt Tittmoning um Lösung bemüht

Risiko Stillbach bei Regen: Verwandelt sich Kirchheim in ein zweites Simbach?

stillbach-in-kirchheim-tittmoning
+
Pia und Georg Huber vor dem Stillbach, der bei niedrigem Pegel idyllisch an den Werkstätten und dem Grund der Familie im Tittmoninger Ortsteil Kirchheim vorbeifließt.
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
    schließen

Beschaulich fließt der Stillbach durch Kirchheim. Doch der friedvolle Name des Gewässers trügt: Denn bei Regen verwandelt er sich innerhalb kürzester Zeit in einen reißenden Fluss. Was passiert, wenn das Wasser über die Ufer tritt, haben Anwohner schon oft erlebt - allen voran die Familie Huber, deren Grundstück sich wenige Meter neben dem Bach befindet. Die Anwohner appellieren an die Stadt, endlich präventiv zu handeln.

Tittmoning - „Nicht zum ersten Mal stand bei uns knöcheltief das Wasser in den Werkstatthallen“, beschreibt Georg Huber, dem der gleichnamige Landmaschinenhandel gehört, gegenüber chiemgau24.de und deutet auf jene Stellen, die sich der Stillbach in der Vergangenheit und auch zuletzt wieder eroberte hatte.

Mit zuletzt meint der Landmaschinenhändler den 30. August 2021 nach dem verregneten letzten August-Wochenende. Da habe sich die Situation einmal mehr als brenzlig dargestellt. Auch Ende Juli diesen Jahres sei Kirchheim nur „knapp einer Katastrophe“ entkommen. „Weil es hier aufgehört hat zu regnen, während das Berchtesgadener Land überflutet wurde“, schildert seine Frau Pia Huber, die zu dem Zeitpunkt bereits die Stadt alarmiert habe, dass Sandsäcke vonnöten seien.

Am 30. August drang das Wasser des Stillbachs nach dem Starkregen in die Werkstatt der Familie Huber in Kirchheim ein.

Nach dem Regen hätten sie selbst umgestürzte und entwurzelte Bäume aus dem Stillbach entfernt, nachdem die Stadt nicht gehandelt habe. Der Bach brauche zudem Tage, um wieder auf normalem Niveau fließen zu können, im Flusslauf finden sich Sand und Schlamm, die ihm eine dreckige braune Farbe verleihen. Früher habe der Bach einen stabilen Fischbestand gehabt, seit der Versandung suche man selbst vergeblich nach Bachforellen. Koppen gebe es schon lange nicht mehr.

Einleitungen lassen Pegel des Stillbachs bei Regen radikal steigen

Die Gebäude der ehemaligen Schmiede der Familie Huber steht seit 1864 am selben Ort, der Stillbach fließt seit jeher beschaulich um das Grundstück. In den letzten Jahren habe die Gefahr, dass er über die Ufer tritt wenn es tagelang regnet immer mehr zugenommen. „Sobald es auch nur ein wenig regnet ist sofort enorm viel Wasser da. Pro Minute steigt der Stillbach um bis zu zwei Zentimeter an“, weiß Pia Huber.

Sie ist überzeugt, dass der Pegel mitunter wegen Einleitungen von Oberflächenwasser sanierter umliegenden Straßen wie der Staatstraße 2106 oder der TS 16 regelmäßig ansteigt. Die Folge: schwere Überschwemmungen, da entsprechende Auffangbecken fehlen.

Der Stillbach in Kirchheim (Tittmoning) im direkten Vorher-Nachher-Vergleich einmal bei Hochwasser und bei normalem Wasserstand. Im Bild zu sehen sind rechts die Gebäude der Werkstatt der Familie Huber, die bereits vorsorglich mit Sandsäcken gesichert sind.

Seit mehr als zehn Jahren versucht sie die Behörden, allen voran die Stadt Tittmoning, das Landratsamt und das Wasserwirtschaftsamt Traunstein, auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die vom Stillbach ausgehen. Seit dem Hochwasser 2013 wurde sie hartnäckiger. Passiert ist bis heute aber nichts.

Pia Huber kommt es so vor, als würde die Sache „abgewiegelt“, sie fühlt sich für nicht ernst genommen. Sogar einen Anwalt hat sie schon eingeschaltet, damit die Familie als direkter Anlieger zumindest Einblick ins Wasserbuch bekommt.

Dann fand sie plötzlich eines Tages einen Handzettel im Briefkasten - von der Stadt Tittmoning verteilt über die Feuerwehr an alle Haushalte im Ortsteil Kirchheim. Darin wird auf die Gefahren hingewiesen, die vom Stillbach ausgehen können und dass die Bewohner Ruhe bewahren sollen. Kurzerhand entschieden sich die Anwohner, ein Treffen einzuberufen. „Auf einmal haben alle Angst - weil es eben so schnell gehen kann“, schildert Pia Huber und zeigt uns Aufnahmen vom jüngsten Hochwasser.

Der Flugzettel der Stadt Tittmoning warnt die Kirchheimer Bürger vor der Hochwassergefahr des Stillbachs. (Zum Vergrößern bitte anklicken).

„Ein Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts hat schon einmal den Satz ausgesprochen, dass Kirchheim prädestiniert sei für ein zweites Simbach“, unterstreicht Georg Huber den Ernst der Lage. Er würde das schließlich nicht ohne Grund sagen.

„Hier ist dringendes Handeln gefordert“, ergänzt seine Frau. „Der Fokus darf nicht nur auf der Salzach liegen - für uns stellt der Stillbach die weitaus größere Gefahr dar und es kommt der Tag, an dem der Fluss massiv über die Ufer tritt und sich seinen Weg in die Dorfmitte bahnt. Muss denn erst etwas passieren, dass gehandelt wird?

Bürgermeister von Tittmoning positioniert sich

Diese Frage geben wir 1:1 an die Stadt Tittmoning weiter, die für den Stillbach als Gewässer dritter Ordnung zuständig ist. Bürgermeister Andreas Bratzdrum ist sich der Thematik nicht erst seit der durchaus kritischen Lage am 30. August bewusst - weswegen in Abstimmung mit Feuerwehr, Kreisbrandinspektion und Polizei, die Bevölkerung mittels Flugblättern frühzeitig gewarnt worden sei.

Der Stillbach in Kirchheim ist bei Hochwasser kaum wiederzuerkennen.

Langfristig aber sei man durchaus um eine Lösung bemüht, bekräftigt das Stadtoberhaupt. Man wolle das Problem in den Griff bekommen, da eine übermäßige Überflutung jederzeit wieder auftreten könne. Der Wille zum Handeln sei da, verspricht der Bürgermeister: „Das Thema ist ganz aktuell und steht prioritär im Raum.“

Kurzfristige bauliche Maßnahmen vor langfristigem Hochwasserschutz

So habe der Stadtrat bereits beschlossen, beim Freistaat ein sogenanntes „Integrales Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept“ zu beantragen. Darin sollen geeignete Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes am Stillbach aufgezeigt werden, erklärt Bratzdrum die langfristigen Pläne, die nach Ausarbeitung Zug um Zug umgesetzt werden sollen. Zudem wolle man am Stillbach Rückhalteräume für Wasser im Oberlauf schaffen, damit Kirchheim künftig nicht mehr übermäßig von übergetretenen Wassermengen belastet werde.

Bäume und Wurzeln sind von den Wassermassen im Stillbach bereits unterspült.

Kurzfristig werde man nun im Oktober in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts und dem Wasserwirtschaftsamt einen Begehungstermin wahrnehmen. Das Ausschneiden von Bewuchs, um den Durchfluss des Wassers zu verbessern, sei dabei eine der Möglichkeiten.

Darüber hinaus gebe es als nächsten Schritt einen Ortstermin mit der Abteilung Gewässerbau des Wasserwirtschaftsamts, bei dem sich die Stadt in punkto kurzfristigem Hochwasserschutz am Stillbach mittels baulicher Maßnahmen beraten lasse.

mb

Kommentare