Tittmoning und andere Anlieger wollen jetzt Druck auf DB ausüben

„Wir sind schwer belastet“: Bahnausbau ABS38 könnte Gemeinden plötzlich Millionen kosten

Die Bahn wird die Strecke zwischen Mühldorf und Freilassing zweigleisig ausbauen - ein Segen für die Kommunen? Nicht ganz. Plötzlich steht im Raum, dass Kosten in Millionenhöhe auf sie zukommen könnten.

Tittmoning - Bürgermeister Andreas Bratzdrum musste in der Stadtratssitzung am Dienstag, 2. Februar, schlucken: „Das würde uns schwer belasten. Und andere Gemeinden entlang der Strecke trifft‘s noch härter.“ Möglichst bis 2030 will die DB Netz AG die Zugstrecke zwischen Mühldorf und Freilassing zweigleisig ausbauen und elektrifizieren. Brücken und Unterführungen müssen dann natürlich umgebaut werden. Nun wurde bekannt, dass bei vier Kreuzungspunkten auf Tittmoninger Gebiet bis zu 5,6 Millionen Euro an Kosten auf die Stadt zukommen könnten.

ABS38 könnte Tittmoning bis zu 5,6 Millionen Euro kosten

Bei Gesprächen mit der Bahn im Juli vorigen Jahres war davon noch nicht die Rede. Erst im Dezember wurde dann gesagt, dass wir Vorteile, die wir durch die Kreuzungsausbauten hätten, der Bahn finanziell ausgleichen müssen“, so Bratzdrum. Im Falle Tittmonings geht es konkret um Brücken in Wallmoning und Mühlham und um Unterführungen in Lanzing und Mittereich. Wird nach den Plänen der Bahn umgebaut, müsste Tittmoning 3,25 Millionen Euro mitzahlen. Wenn dabei auch noch Tittmoninger „Sonderwünsche“ umgesetzt werden, lägen die Kosten bei den besagten 5,6 Millionen Euro.

Beispiel Unterführung Mittereich: Die Durchfahrtshöhe beträgt momentan keine 2,90 Meter. Wird dem Tittmoninger Wunsch entsprochen und die Durchfahrtshöhe auf 4,10 Meter erweitert, müsste die Stadt die Hälfte der Gesamtkosten von 1,8 Millionen Euro mittragen. Oder die Brücke bei Mühlham: Wenn sie nur nach den gesetzlichen Anforderungen mit einer Breite von 4,50 Metern neu gebaut wird, ganz ohne weitere Sonderwünsche, müsste die Stadt 1,8 der 1,9 Millionen Euro zahlen - „wegen des Vorteilsausgleichs nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz“.

Bürgermeister machen Druck auf Bahn

Doch die Bürgermeister und Landräte entlang der Strecke wollen das nicht hinnehmen: „Es gab am Dienstag einen digitalen ‚runden Tisch‘ mit der Bahn. Wir haben Druck ausgeübt und haben jetzt Hoffnung, dass die Eigenbeteiligung der Kommunen gesenkt werden kann“, so Andreas Bratzdrum. Erst wenn die DB Netz AG Zugeständnisse mache, wolle man sich überlegen, wie die Kreuzungspunkte entlang der Bahnstrecke genau ausgebaut werden sollen.

Das ambitionierte Ziel ist es, den Ausbau bis 2030 verwirklicht zu haben. Die Strecke von Mühldorf nach Freilassing ist für die Zukunft der Bahn in Deutschland zentral: Hier wird der Hauptverkehr von München nach Salzburg fließen, einschließlich österreichischer Railjets, und nicht mehr über Rosenheim. Das Teilstück von Mühldorf bis Freilassing wird zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert„Ausbaustrecke 38“ (ABS38) heißt das Projekt im Jargon der Bahn, ein Teil der „Magistrale für Europa“ von Paris bis Budapest. Das Schienennetz soll für Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h ausgelegt sein.

xe

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