Vernissage:

"Papierkram" - ganz unbüroktatisch und kreativ

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Die Künstlerin Barbara Volgger und ihr Lehrer Jörg Drühl bei der Vernissage.

Tittmoning - Die Burghausenerin Barbara Volgger hat ihre erste Einzelausstellung unter dem Titel "Papierkram" realisiert. Die Kunstwerke können noch bis Ende Juni bestaunt werden.

Mit der Eröffnung ihrer ersten Einzelausstellung am vergangenen Freitag in den Räumen der schau.rein!-Redaktion am Tittmoninger Gerberberg hat die junge Burghausener Künstlerin Barbara Volgger einen wichtigen Schritt ins Licht der Öffentlichkeit getan. Ihre unter dem Titel „Papierkram“ ansprechend zusammengestellten Tuschezeichnungen und Aquarelle sind dort noch bis Ende Juni zu sehen.

Von Anfang an, so der Veranstalter Christian Günther, habe Barbara Volgger als aufmerksame Beobachterin jede seiner Ausstellungen am Gerberberg besucht. Er freue sich sehr, jetzt auch eine Schau mit ihren Werken präsentieren zu können. Hauptberuflich als Heilpraktikerin tätig, malt und zeichnet Barbara Volgger schon seit Jahren. Jörg Drühl, Mitglied der Burghausener Künstlergruppe „Die Burg“ und Mitbegründer der dortigen Malschule für Kinder, wurde bei einem seiner Kurse auf die junge Frau aufmerksam, die ursprünglich vor allem mit Tusche arbeitete. Auf eine Anregung von ihm geht ihre geduldige gestalterische Auseinandersetzung mit Strukturen von zerknülltem Papier zurück, welche Volgger inzwischen zu ihrem Markenzeichen gemacht hat. Zart und unglaublich detailliert nutzt die Künstlerin hierfür die Mittel der Aquarellmalerei in so untypischer Weise, dass man bei ihren Variationen über zerknittertes Papier zunächst glaubt, Blei- oder Farbstiftzeichnungen vor sich zu haben. Das wiederkehrende und vielfältig variierte Papiermotiv wird dabei mal mehr, mal weniger mit Be- oder auch Andeutungen aufgeladen: Wer genau hinsieht, kann fein geschriebene Texte darauf ausmachen, einmal sieht einen ein Auge aus einem zu erahnenden Briefkopf unheimlich an, oder eine rote Spur zieht sich durch das graue Blatt. Allein durch grüne Farbgebung wirkt das Motiv auf einem anderen Bild wie die Reliefkarte einer Gebirgslandschaft. In Kombination mit realen Kugeln aus geknülltem, teils umschnürtem Papier eröffnet sich in drei nebeneinander gehängten Werken ein regelrechter Abgrund gegenseitiger Verweise.

Innenschau kontrastiert mit Oberflächenbetrachtung

Diesem ausgesprochen orginellen Zweig ihres Schaffens stellt die überzeugend gehängte Ausstellung eine Gruppe von Volggers Bildern gegenüber, die eine völlig andere Handschrift trägt. Eine Reihe düsterer und beklemmender Tuschezeichnungen der Künstlerin, die zum Teil wie Hilfeschreie einer gequälten Seele wirken, sind ebenfalls am Gerberberg zu sehen. Hier finden ausgemergelte, teils kahlköpfige, unbekleidete und kaum individualisierte menschliche Gestalten, einzeln oder in Gruppen, auf dem oft weiß gelassenen, gelegentlich auch kolorierten Grund kaum Halt. Der Intimität dieser nicht immer formsicheren, stets aber offenbar einem echten inneren Impuls folgenden Selbstaussprache steht die zumindest scheinbar oberflächlichere Herangehensweise an die „Papier-Bilder“ kontrastierend gegenüber. Wo beide einander berühren, wo formale Virtusität und inneres Anliegen in Einklang kommen, hat die Ausstellung ihre stärksten Momente.

Der Künstler und Kunsttherapeut Alexander Brandmeyer, Vorsitzender des Kunstvereins Altötting, würdigte in seiner Laudatio Volggers Originalität, mit dem Papier den Träger des Bildes selbst zu seinem Gegenstand zu machen, und die Akribie, mit welcher die Künstlerin, ohne Mühe zu scheuen, im Alltag kaum beachteten Dingen zu neuer Bedeutung verhelfe. Wenn sie etwa zerknüllte Terminzettel einer Arztpraxis ins Zentrum eines ihrer Werke stelle und damit aufwerte, stelle sich der Betrachter unwillkürlich Fragen nach der Geschichte hinter diesen zerknüllten Papieren, nach der Diagnose und damit unter Umständen nach Leben und Tod. Volggers Werke, meist kleinformatig und – wie die Künstlerin selbst – nicht laut tönend, sondern still und zurückhaltend, „erstatten Bericht von Grundfragen des Lebens“, so Brandmeyer. Dabei bleibe Barbara Volgger authentisch, erzähle mit ihren Mitteln von sich selbst, und schaffe so in ihren Bildern eine ganz eigene, fragile Welt.

Wunderbar passend zu dieser mal verstörenden, mal anrührenden Zerbrechlichkeit umrahmte Juli Mudra auf der Querflöte die kleine Feier zur Ausstellungseröffnung mit Improvisationen und eigenen Kompositionen. Unter den zahlreich erschienenen Gästen war auch der sichtlich stolze Lehrer und Anreger Drühl, welcher seiner Schülerin anerkennend attestierte, sie habe ihren Weg gefunden. Man darf gespannt sein, wohin dieser sie noch führen wird. gpr

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