Großprojekt steht in den Startlöchern 

Salzach soll bei Tittmoning doppelt so breit werden wie jetzt

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Blick auf die Salzachbrücke bei Tittmoning in Richtung Süden. Der Fluss verläuft gerade und geordnet. Durch das geplante Projekt des Wasserwirtschaftsamtes nördlich der Brücke soll das Flussbett annähernd doppelt so breit werden, damit die Salzach wieder mehr Raum für einen eigenständigen Flusslauf bekommt. In dem Zug müssen aber auch Bäume nah am Flusslauf abgeholzt werden, da bei einem Hochwasser sonst die Gefahr droht, dass sie mitgerissen werden.

Tittmoning - Mit ihren festen Ufern gleicht die Salzach teils einem Kanal - doch bald soll sie viel mehr Platz bekommen, um sich selbst wieder eigene Wege suchen zu können. Wir haben alle Details zu dem Großprojekt. 

Auf einem vier Kilometer langen Abschnitt nördlich der Tittmoninger Brücke soll die Salzach künftig viel mehr Platz bekommen. Während der Grenzfluss dort momentan rund 100 Meter Breite aufweist, sollen es künftig 190 bis 200 Meter sein. Das Wasserwirtschaftsamt stellte das Projekt am Dienstag, 7. Juli, dem Stadtrat vor. "Ziel ist eine ökologische Verbesserung und die Stabilisierung des Gewässerbettes, der Sohle", so das Wasserwirtschaftsamt. 


"Salzach soll ihr Bett natürlich verbreitern"

Mit der Sanierung soll im Oktober 2021 begonnen werden, läuft alles glatt ist die Salzach bis zum Februar 2023 umgestaltet. In erster Linie werden die jetzigen Ufersicherungen beseitigt. "Bei einem Hochwasser soll die Salzach ihr Bett dann natürlich verbreitern können", so Tilmann Zinser vom Traunsteiner Wasserwirtschaftsamt. Die Flutmulden im Auwald sollen öfters unter Wasser gesetzt werden. Der Treppelweg am Salzachufer wird dadurch verschwinden, im Auwald soll im Gegenzug ein neuer Weg nach Burghausen angelegt werden. Wird das Flussbett breiter kommen bei einem niedrigen Wasserstand Kiesbänke zum Vorschein. 

"Das Projekt ist gut für den Fluss und für die Sohlstützung in dem Bereich", so Bürgermeister Andreas Bratzdrum. Der Stadtrat steht geschlossen hinter dem Vorhaben. Auf die Stadt Tittmoning kommen keine Kosten zu, sie werden in gleichen Teilen vom Freistaat Bayern und Österreich getragen. Denn das Ufer wird natürlich nicht nur auf bayerischer, sondern auch auf oberösterreichischer Seite zurückgebaut. Auf den Hochwasserschutz hat das Projekt keine Auswirkungen


30.000 Kubikmeter Steine werden bei Sanierung bewegt

Schon im 19. Jahrhundert wurde die Salzach begradigt und verengt - seitdem gräbt sie sich immer tiefer ein. "Ich hoffe, dass das nur der Beginn für weitere Schritte ist. Die Salzach wurde vor 200 Jahren in dieses Bett gepresst. Jetzt soll sie wieder Gelegenheit bekommen, annähernd ihren ursprünglichen Zustand zu erhalten", so Stadtrat Hans Glück. Wie die Salzach saniert werden könnte wird bereits seit 30 Jahren diskutiert, gerade im Tittmoninger Becken ist aber wenig passiert. 

Rund 30.000 Kubikmeter Wasserbausteine werden bei der Sanierung aus der Salzach herausgeholt. Etwa die Hälfte werden für den neuen Deich verwendet, den Rest verbaut das Wasserwirtschaftsamt in anderen Baustellen. Jedoch wird dafür eine Zwischenlagerfläche gebraucht. Sie soll östlich von Kirchheim bei Roibach errichtet werden. Zwei bis drei Jahre wird die Fläche vom Wasserwirtschaftsamt vermutlich gebraucht. Im Zuge der Bauarbeiten gilt es auch hohe Naturschutzanforderungen einzuhalten: Für Amphibien wie die Gelbbauchunke werden Ersatzgewässer geschaffen, Haselmaus und Fledermaus bekommen Nisthilfen.

Kein Zusammenhang mit möglichem Wasserkraftwerk

Eine Frage konnte das Wasserwirtschaftsamt in Tittmoning jedoch nicht beantworten: Wie steht es um die Pläne eines Wasserkraftwerkes an der Salzach? Unterhalb von Laufen bei Flusskilometer 40 sei ein Querbauwerk geplant, so Tilmann Zinser, das dann entweder mit oder ohne energetische Nutzung errichtet werden soll. 2016 sprach sich der Freistaat Bayern zumindest für die Prüfung eines Wasserkraftwerkes aus. "Der aktuelle Stand ist, dass man nicht weiter gekommen ist", so der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes. "Ich hoffe, dass die Entscheidung noch heuer fällt."

Für das geplante Flussverbreiterung bei Tittmoning wird das keine Rolle spielen. Sie funktioniert unabhängig davon, ob im Oberlauf der Salzach Strom gewonnen werden soll oder nicht. 

xe

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