Kritik an Sanierung der Gaisbergstraße 

"Politik auf Tuchfühlung": Anwohner sind gefragt

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Tittmoning - Anwohner des Unteren Burgfeldes diskutierten ihre Vorstellungen zum Sanierungsergebnis in der Gaisbergstraße mit den SPD-Stadträten Josef Wittmann und Dirk Reichenau. 

Hubert Schweiger freute sich, daß sich überhaupt Stadträte im Unteren Burgfeld "blicken lassen", um über die Ergebnisse der Sanierung der Gaisbergstraße mit Anwohnern zu diskutieren. Waren die SPD-Stadträte Josef Wittmann und Dirk Reichenau davon ausgegangen, dass sich die Ergebnisse des Straßenausbaus sehen lassen können, wurden sie vor Ort eines Besseren belehrt. 

Die Stadt habe in der Umsetzung der Straßensanierung stark von den in mehreren Bürgerbeteiligungen diskutierten und vorgestellten Planungen abgewichen, an der Informationspolitik zum Bauablauf haperte es gewaltig, aus "mehr an Grün" wurde ein "mehr an Grau", der Lärmpegel durch fahrende Autos erhöht und mit der neuen teilweisen Einbahnstraßenregelung die versprochene bessere Anbindung zur Au und Waldkindergarten erschwert. 

Die Anwohner sind gefragt

Susanne Thomas und Alexander Spirkl, selbst Anwohner, hatten diese Kritik bei der letzten SPD-Ortsvereinsversammlung vorgetragen, wie bereits berichtet. Eine Einigung zur Bewertung der Sanierungsergebnisse konnte mit den SPD-Räten allerdings nicht gefunden werden.

Man einigte sich auf einen öffentlichen Ortstermin, der nun regen Anklang fand. Dirk Reichenau begrüßte die Anwesenden, trug vor, dass alle Ratsbeschlüsse zur Sanierung der Gaisbergstraße einstimmig gefallen waren, wobei im Ergebnis alle Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes immer ein Kompromiss aus den Meinungen der Anwohner, der Planer und der Stadträte sein können. 

Die Sanierung der Gaisbergstraße habe sich auch deshalb "über Jahre in die Länge gezogen", weil ein CSU-Bundesbauminister Dr. Ramsauer das Bund-Länder-Förderprogramm "Soziale Stadt" in der ehemaligen schwarz-gelben Bundesregierung größtenteils außer Kraft gesetzt hatte und erst die nachfolgende große Koalition, namentlich sei an dieser Stelle SPD-Baustaatssekretär Florian Pronold genannt, dieses Programm wieder hat aufleben lassen. 

Wesentliche Verbesserung des Wohnumfeldes

Ausdrücklich lobte der Dritte Bürgermeister Albert Zeltsperger vom städtische Bauamt, der sich viel Mühe mit der Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen gemacht hatte. Sicher habe auch er Kritik vorzubringen, wie die unnötige Beseitigung des großen Walnussbaumes an der Pferdekoppel, der im Oberflächengestaltungsplan als "Bestehend" eingetragen ist. 

Alles in allem sei mit öffentlichen Mitteln eine "wesentliche Verbesserung" des Wohnumfeldes im Unteren Burgfeld geschaffen worden. Inwieweit und wann die Sanierung in die Seitenstraßen einschließlich einer Kanalsanierung von der Stadt vorangetrieben werden könne, hänge sehr von der Rechtsaufsicht im Landratsamt geforderten Einführung einer Straßenausbaubeitragssatzung ab, bei der alle Anlieger einer Verbesserungsmaßnahme im öffentlichen Raum zukünftig zur finanziellen Beteiligung gebeten werden könnten. 

"Platz der Begegnung ähnelt einem Busbahnhof" 

Auch wenn der neu geschaffene Gehweg entlang der Reihenhäuser zwischen Georg- und Rupertistraße als sehr positiv zu bewerten sei, so wurde sehr viel der vorhandenen, wenn auch ursprünglich nicht für die Allgemeinheit nutzbaren Grünflächen zugepflastert, Flächen, die jetzt ohne Rücksicht mit Autos zugeparkt würden. Der so entstandene "Platz der Begegnung ist nun ein Parkplatz und ähnelt einem Busbahnhof", so die einhellige Kritik der Anwohner. 

Auch der Vorschlag aus der Bürgerbeteiligung zur Einführung einer verkehrsberuhigten Zone wurde nicht umgesetzt, was den Anwesenden nicht klar war. Um das Areal überhaupt "autofrei" zu bekommen, müßten Begrenzungspoller, Pflanztröge oder Bänke in der Trennung zwischen Fahrbahn und "Begegnungsfläche" aufgestellt werden. 

"Kein Verkehrskonzept" 

Im Übrigen, so die Kritik, steige durch das Straßenpflaster auch der Lärmpegel, sofern die Fahrzeuge nicht in Schrittgeschwindigkeit bewegt würden. Ein weiterer Kritikpunkt war die Schaffung der Einbahnstraße auf der Höhe des Wertstoffinsel und Watzmannstraße. Ein "Verkehrskonzept" sei nicht erkennbar. 

Die Au und damit auch der Waldkindergarten seien nur noch mit weiten Wegen zu erreichen. Dabei war die Verbindung Au-Siedlung ein Schwerpunkt der Bürgerwerkstätten zur Neugestaltung. Es wurde daher von den Anwohnern vorgeschlagen, die Einbahnregelung umzukehren, um die "verkehrstechnisch schwierige" Kreuzung Watzmann-/Gaisbergstraße zu entlasten und die durch parkende Autos sowieso nur erschwerte einspurige Nutzung der Watzmannstraße abzumildern. 

Schlechte Informationspolitik

Zum Bauablauf merkten die Anwohner kritisch die zum Teil schlechte Informationspolitik an. Es kam mehr als einmal vor, daß Zugänge und Einfahrten untertags unangemeldet aufgerissen wurden. Hier hätte man sich eine rechtzeitige Information durch die Bauleitung erwartet. Auch wünsche man sich bei zukünftigen Bürgerbeteiligungsprozessen, dass außer den Hauseigentümern auch die eigentlichen Anwohner, insbesondere die Mieter in den Wohnblöcken, zu Terminen angeschrieben werden sollen. 

"Wir sollten nachbessern"

Dirk Reichenau versprach, die Punkte "Verkehrsberuhigt Zone", die Möblierung der Begegnungsfläche sowie die kritisierte Einbahnstraßenregelung bei Bürgermeister und Verwaltung schriftlich vorzutragen. 

"Wir sollten nachbessern", fand auch Reichenau, dankte allen Anwesenden für ihr Engagement und verstaute seinen Oberflächengestaltungsplan schnell im VW-Bus, rechtzeitig, bevor ein Gewitterregen die Versammlung auflöste.

Dirk Reichenau

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