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Vor Beginn der Bauarbeiten an der Unteren Salzach

Wasserwirtschaftsamt Traunstein lässt geschützte Fischart umsetzen

Eine Mühlkoppe liegt in den Händen von Leonhard Egg von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern. Mühlkoppen gehören zu den geschützten Fischarten.
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Eine Mühlkoppe liegt in den Händen von Leonhard Egg von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern. Mühlkoppen gehören zu den geschützten Fischarten.

Langsam fährt das kleine, silberfarbene Boot am Ufer der Unteren Salzach entlang. An Deck steht Dr. Leonhard Egg und schaut konzentriert auf den Wasserstreifen zwischen Boot und Ufer. In kurzen Abständen stößt er mit einem Kescher ins Wasser, zieht ihn wieder heraus. Fische, die sich verfangen haben, kippt er mit einer kurzen Bewegung aus dem Netz. Sie fallen in ein Plastikbecken voll Wasser.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Tittmoning - Egg ist von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern nach Tittmoning gekommen. In Amtshilfe für das Wasserwirtschaftsamt Traunstein fischt der stellvertretende Leiter der Fischerei-Fachberatung nördlich der Brücke Mühlkoppen ab und setzt die geschützte Art später flussabwärts wieder in den Fluss ein. Das Abfischen geht dem Uferrückbau an der Unteren Salzach voraus. Dieser erfolgt in zwei Bauabschnitten. Der erste soll bereits vor Weihnachten abgeschlossen sein.

Mühlkoppen sind schlechte Schwimmer

Stück für Stück gleitet das Boot voran. Nach 1,6 Kilometern – auf dieser Länge findet der erste Bauabschnitt statt – haben Egg und ein Team aus Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes 109 Fische eingefangen und katalogisiert. 87 Mühlkoppen in unterschiedlicher Größe sind darunter. Egg ist zufrieden: Die Mühlkoppen sind in Sicherheit. Weil sie keine Schwimmblase haben und als schlechte Schwimmer gelten, halten sie sich vor allem am Grund eines Gewässers auf oder verstecken sich in den Ritzen der Uferverbauung. Sie würden nicht, wie andere Fischarten, wegschwimmen, wenn in den kommenden Wochen zwei Bagger rund 9000 Tonnen Ufersteine ausgraben und damit den ersten Schritt zur Uferaufweitung vollziehen.

Dank der Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes soll die Untere Salzach in Zukunft wieder freier fließen. Zudem trägt die Aufweitung dazu bei, dass der Fluss entlang des weichen Ufers Kies mitnehmen kann. Auf diese Weise soll das weitere Eintiefen des Flusses verhindert werden. Parallel dazu entstehen außerdem neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere: so in der Übergangszone zum Land für typische Arten der Weichholzaue, wie Gelbbauchunken, Kiesbankbrüter oder auch für Pionier-Pflanzen wie die Lavendelweide. Im Wasser können Fische und wirbellose Kleinstlebewesen neuen Lebensraum finden.

Fischereiverein Burghausen begleitet Aktion

Um die Mühlkoppen zu bergen, setzt Egg auf eine Elektro-Befischung. Dabei nutzt er ein Elektrofanggerät, das Strom leitet. Fische, die sich im Stromkreis befinden, zieht es zur Anode, die gleichzeitig der Kescher ist, mit dem die Fische abgefischt werden. 200 bis 300 Meter flussabwärts vom geplanten Bauabschnitt entfernt, lässt er die Mühlkoppen unbeschadet wieder frei. Die übrigen Fische setzt er gleich an Ort und Stelle wieder ins Wasser zurück. Die Elektro-Befischung ist als „Minimierungsmaßnahme“ im Planfeststellungsbescheid zur Gesamtmaßnahme vorgeschrieben. Das Vorgehen geschieht in Absprache mit dem zuständigen Fischereiverein Burghausen. Der Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Schneidermeier, beobachtet das Abfischen vom Ufer aus.

Grundsätzlich lassen sich mithilfe der Elektro-Befischung Fischbestände erheben. Sie wird im Sinne der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) regelmäßig durchgeführt. Die WRRL fordert die europäischen Länder auf, einen ökologisch „guten Zustand“ für alle Gewässer zu erreichen. Dabei gilt die Situation der Fische als eines der Beurteilungskriterien. An der Salzach wird der ökologische Zustand aktuell als „mäßig“ eingestuft. Der bevorstehende Rückbau der massiven Steinsicherung soll, neben der Stabilisierung der Gewässersohle, dazu beitragen die Situation für Lebewesen im und am Wasser zu verbessern, um so den „guten Zustand“ zu erreichen.

Durch die weichen Ufer und die Eigendynamik der Salzach können künftig flache Uferabschnitte, Kiesbänke und strömungsberuhigte Bereiche entstehen, die Kieslaicher und wirbellose Kleintiere bevorzugen. Wurzelstöcke und weiteres Totholz bieten Nahrung für Kleinstlebewesen und eine Rückzugsmöglichkeit bei Hochwasser nicht nur für Jungfische. So wird zwar während der Baumaßnahme in den Lebensraum der Mühlkoppe eingegriffen, doch langfristig profitiert sie davon.

Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

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