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2,7 Millionen Euro Projekt in Tittmoning

Uferrückbau an der Salzach: Wasserwirtschaftsamt Traunstein schafft neue Lebensräume

Arbeiten zum Uferrückbau
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Zwei Bagger graben im Bereich der Salzach bei Tittmoning rund 11.500 Tonnen Uferbausteine aus.

Mit dem Uferrückbau an der Salzach sollen neue Lebensräume geschaffen werden. Außerdem entsteht ein neuer Weg durch den Auwald.

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Tittmoning – Die Natur an der Salzach bei Tittmoning verändert sich. Das Ufer weitet sich auf, der Fluss nimmt Sand und Kies mit. Im Wasser entstehen neue Lebensräume für Fische wie Barbe und Nase. In der Weichholzaue leben Zauneidechse und Gelbbauchunke in Ersatzhabitaten. Es sind die Arbeiten zur Renaturierung, die Erfolge zeigen. Angestoßen hatte sie das Wasserwirtschaftsamt Traunstein. Verbunden mit dem Ziel, die Gewässersohle der Salzach zu stabilisieren. Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen. Und damit auch ein Stück im Wegenetz wieder nutzbar – rechtzeitig für einen ersten Frühjahrsspaziergang. Der zweite Bauabschnitt startet im Oktober. Für das gesamte Projekt betragen die Kosten etwa 2,7 Millionen Euro, die hälftig zwischen Österreich und Bayern geteilt werden.

Nachdem die Uferbefestigung entfernt ist, wechseln sich flachere und steilere Uferzonen ab. In den Hängen des Ufers nistet gerne der Eisvogel.

Neuer Lebensraum für Barbe und Nase

Die Maßnahmen hatten im November vergangenen Jahres begonnen, südlich der Querung über den Siechenbach. Der erste Bauabschnitt umfasste rund 1,6 Kilometer in Richtung Tittmoninger Brücke. Zwei Bagger entfernten zunächst die Uferbefestigung. Bis zum Februar gruben sie gut 11.500 Tonnen Ufersteine aus, 2500 Tonnen mehr als ursprünglich geschätzt. Und erlebten eine Überraschung: In einer tieferen Schicht entdeckten sie alte Faschinen. Diese Rutenbündel dienten früher dazu, das Abrutschen der Uferböschung zu verhindern. Weil gerade dies aber gewünscht ist, entfernten die Bagger auch diese Überreste einstiger Befestigung.

Sofort begann das Wasser, die oberste Sandschicht des Ufers abzutragen. Parallel dazu haben die Arbeiter der Flussmeisterstelle Salzach den Bereich modelliert: Flache und steilere Uferzonen wechseln sich ab. Im Anschluss an die bestehende Kiesbank wurde eine Insel aus Kies, alten Ufersteinen und Totholz angelegt. Die Salzach umfließt sie in unterschiedlicher Geschwindigkeit. So finden Kleinstlebewesen und vor allem Fischarten wie Barbe und Nase geeigneten Lebensraum. Jungfische fühlen sich im strömungsärmeren Nebenarm des Flusses wohl, weil sie noch nicht so gut schwimmen können.

Auch eine Insel mit Totholz und großen Steinen ist im Zuge der Arbeiten entstanden. Im strömungsärmeren Nebenarm, der die Insel umfließt, fühlen sich Jungfische wohl.

Kiesweg durch den Auwald

Im Zuge der Arbeiten wurde der Weg entlang der Salzach ebenso aufgelöst wie der darunterliegende Treidelweg, auch als „Treppelweg“ bekannt. Der aus zerkleinerten Uferbausteinen angelegte, 2,5 Meter breite Kiesweg verläuft jetzt auf 1,8 Kilometern direkt im Auwald. Die Arbeiter hatten die Steine mit speziellem Gerät kleiner gebrochen. Den Weg weiterhin direkt entlang der Salzach zu führen, wäre angesichts der weichen Ufer zu aufwändig und gefährlich. Grundsätzlich rät das Wasserwirtschaftsamt zur Vorsicht in Nähe des Uferanbruchs. Ausgewaschen vom Wasser, könnten die Hänge plötzlich abbrechen, Bäume und Sträucher mit sich reißen.

Vorsicht ist insbesondere in den Monaten zwischen Frühjahr und Herbst geboten. Dann regnet es häufig stark und selbst in höheren Lagen schmilzt der Schnee. In der Folge führt die Salzach mehr Wasser. Der Druck auf das Ufer steigt. Die Gefahr von Erosionen nimmt zu.

Beste Bedingungen für Tiere und Pflanzen

Mit dem Rückbau des Weges und dem Ausbau der Ufersteine ist es gelungen, Fluss und Weichholzaue besser miteinander zu verbinden. Das Wasser kann nun leichter über die Flutmulden in die Aue fließen. Im Übergangsbereich von Fluss und Flutmulden, in der Weichholzaue, sind ebenso neue Lebensräume entstanden: Spinnen, Libellen, Käfer oder auch Kammmolche sind hier zuhause. Zauneidechsen und Gelbbauchunke finden Unterschlupf in neu gestalteten Ersatzhabitaten. Aus dem Astholz gefällter Bäume haben die Arbeiter Totholz-Pyramiden gebaut. In ihnen hausen Fledermäuse. Auch Pflanzen und Bäume finden in der Weichholzaue beste Bedingungen vor: Weiden, Erlen und Pappeln können dort nach Hochwasser wurzeln.

Aus dem Astholz gefällter Bäume haben die Arbeiter der Flussmeisterstelle Totholz-Pyramiden gebaut.

Vorbereitung für zweiten Bauabschnitt

Die Vorbereitungen für den zweiten Bauabschnitt haben mit dem Fällen der Bäume begonnen. Fortgesetzt werden sie in rund zehn Wochen mit dem Ausgraben der Wurzelstöcke: Gearbeitet wird auf einer Länge von 1,4 Kilometern in Richtung Tittmoninger Brücke. Örtlich schließt der zweite Bauabschnitt direkt an den ersten an. Im Herbst beginnt dann der Rückbau des Ufers, inklusive Rückbau des Uferweges. Auch hier sollen Fluss und Flutmulden miteinander vernetzt werden. Weil die Flutmulden bisher nur bei höheren Wasserständen durchflossen werden, senken die Arbeiter die Zuläufe an drei Stellen ab.

Wichtig ist, dass der Abfluss des Wassers trotzdem kontrollierbar bleibt. Daher lässt das Wasserwirtschaftsamt den bestehenden Deich verstärken. Auf rund 900 Metern Länge sorgt eine Spundwand dafür, dass der Deich nicht erodiert. Zur Wasserseite hin wird die Deich-Böschung mit Hilfe von Steinen verstärkt. Auch sie stammen aus dem Uferrückbau.

Neue Brücke über den Siechenbach

Ebenfalls im Herbst wird die Brücke über den Siechenbach neu gebaut. Eigentlich war dies bereits für den ersten Bauabschnitt vorgesehen. Doch die dafür notwendigen Rohre sind seit Monaten nicht lieferbar. Im Frühjahr 2023 schließlich soll der gesamte Bereich zwischen der Mündung des Siechenbachs und der Tittmoninger Brücke umgestaltet sein. Alle Arbeiten in diesem Natura-2000-Gebiet finden in enger Abstimmung mit dem Naturschutz statt.

Pressemitteilung des Wasserwirtschaftsamts Traunstein

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