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Abreise von Perchten sorgt für Shitstorm im Netz

Eklat um Krampuslauf in Tittmoning: hat die Polizei den Event „zerstört“?

Ein Kramperl des Vereins Cheimonas Diavolos beim Krampuslauf in Braunau im November
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Ein Kramperl des Vereins Cheimonas Diavolos beim Krampuslauf in Braunau im November

Dämonische Masken, zottelige Kostüme und lärmende Glocken: 400 Perchten und Kramperl sollten am Wochenende das Brauchtum in Tittmoning aufleben lassen - eigentlich. Die Mehrheit der Kramperl war mit den Auflagen unzufrieden – und packte erbost die Koffer. Was war da los? Chiemgau24 hat mit dem Veranstalter und den zuständigen Behörden gesprochen:

Tittmoning – Der schön schaurige Gruselfaktor ist beim traditionellen Krampuslauf garantiert. Aber auch die Sicherheit? Wie weit darf man eigentlich gehen als Krampus? Was ist noch lustig und wann hört der Spaß auf? Da war man sich wohl am Samstag (10. Dezember) im Vorfeld des Krampuslaufs in Tittmoning nicht einig. Und so zogen einige geladene Passen frustriert von dannen bevor es überhaupt losging. Und das, obwohl der Veranstalter über Monate ein fundiertes Sicherheitskonzept ausgearbeitet hatte.

Ein Gruppenbild des Mühldorfer und Tittmoninger Vereins Cheimonas Diavolos in voller Montur

Krampusverein Cheimonas Diavolos war gut vorbereitet

„Ich muss sagen, wir haben uns selber schon sehr starke Auflagen gemacht, weil wir wollten, dass es eine friedliche Veranstaltung wird“, versichert Thomas Günthner, Vorsitzender des Vereins Cheimonas Diavolos. Der Verein hatte sich 2019 gegründet, um das Brauchtum der Krampusläufe auch in Tittmoning neu zu beleben. Der Krampuslauf am Samstag war der erste Event, den der Verein um Thomas Günthner organisiert hatte. Von Anfang an sei ihm wichtig gewesen, auch mit der Kommune und der Polizei zusammenzuarbeiten.

Beleidigungen auf Facebook

Im Internet wurden aber dann genau diese für die verfrühte Abreise der Kramperl verantwortlich gemacht: „Super Polizei, die das Brauchtum mit Füßen tritt“, und „dieser eine Polizist, der die Veranstaltung zerstört hat“ heißt es da unter anderem in einem Post in der Facebook Gruppe “in Tittmoning dahoam“. Thomas Günthner stellt klar: „Wir distanzieren uns von sowas als Verein. Wir wollen keinen persönlich angreifen und solche Kommentare werden wir nicht unterstützen.“ Und so gab es dann auch noch einen zweiten Post auf Facebook seitens des Vereins, in dem man sich klar von der Hetzte im Netz abgrenzt.

Veranstalter verkündet Auflagen vor dem Event

Der Leiter der Polizeiinspektion Laufen, Erwin Wimmer, war ein Ziel der Anfeindungen. Er war als Einsatzleiter vor Ort: zusammen mit dem Veranstalter und den Obmännern der geladenen Perchtengruppen war er zur Vorbesprechung in die Turnhalle der Schule gekommen. Dort waren die Läufer untergebracht, um sich umzuziehen: „ hier sollten nochmal die Auflagen und das entsprechende Verhalten der Teilnehmer besprochen werden“ erklärt Wimmer. Der Veranstalter wäre dem auch vorbildlich nachgekommen: „Die Besprechung hat er sehr gut gemacht, weil er sich seine Auflagen ja selber gegeben und diese nochmal vorgetragen hat und explizit auf das Alkoholverbot hingewiesen hat.“

Detailliertes Sicherheitskonzept

Thomas Günthner hatte nicht nur ein striktes Alkoholverbot vor und während der Veranstaltung ausgesprochen. Eine externe Security Firma war beauftragt worden, am Startpunkt des Krampuslaufes stichprobenhaft Alkoholtests durchzuführen: „Das war unser Instrument, um zu verhindern, dass alkoholisierte Läufer auf die Strecke gehen. Es weiß ja jeder, mit Alkohol sinken die Hemmschwellen und dann kann es eskalieren und das wollten wir zu 100% verhindern.“

Alkoholkonsum trotz Verbot

Danach wollte man dann aber schon noch die Möglichkeit geben, gemeinsam auf den gelungenen Lauf anzustoßen. Und so hatte der Veranstalter eine After-Show-Party am Parkplatz der Schule organisiert. Auf dem Weg zur Obmann-Besprechung kam Erwin Wimmer an den dortigen Ständen vorbei: „Teilweise waren Ordner und Perchten dort schon bei Bier und Glühwein gestanden.“ Einige hätten also, so Wimmer weiter, die After-Show zur Vorher-Show gemacht.

„Klare Linie zwischen Brauchtum und Straftat“

Zum eigentlichen Eklat kam es dann in der Turnhalle während Günthner die Auflagen zu Alkohol- und Gewaltverbot durchsprach: „Dann wurde aus den Kreisen der Obmänner eine Stimme laut: wenn man auf eine solche Veranstaltung geht, muss man damit rechnen, dass man den Arsch versohlt bekommt und der Anorak kaputt geht“, erinnert sich Polizeieinsatzleiter Wimmer. Und an dem Punkt hatte er das Gefühl, er müsse sich einmischen und erwiderte: „ Das sind Straftaten, und die gibt es bei uns in Tittmoning nicht. Und wenn wir solche Dinge sehen, werden wir Anzeige erstatten.“

Genaue Gründe der Abreise unklar

Auf die Frage, wie Günthner die Situation wahrgenommen habe, muss er passen: er habe da schon nicht mehr viel verstanden, weil so durcheinandergeredet worden sei – aber: „Wenn die Aussage gefallen ist, dann ist das sehr wohl verständlich, dass die Polizei dann da einschreitet und eine Straftat vereitelt, genau dafür ist die Polizei ja da.“ Wie es dazu kam, dass die Mehrheit der Perchten und Kramperl dann abgereist sind, haben weder Günthner noch Wimmer mitbekommen. „ Ich kann das nicht nachvollziehen“, so Wimmer. „Man hätte sich ja nur an die Auflagen halten müssen, dann wäre das Ganze ganz ordnungsgemäß und gut abgelaufen.“

Positives Feedback von der Stadt und den Zuschauern

Der Veranstalter konnte bei der Eröffnung des Laufes nur noch zusehen, wie 10 der 17 Gruppen mit gepackten Koffern über den Stadtplatz davonzogen. Auch der Bürgermeister, Andreas Bratzdrum, der die Begrüßungsrede am Samstag gehalten hatte, versteht das Verhalten der Passen nicht: „ Ich hab es sehr bedauert, dass es sich dann so entwickelt hat.“ Auch er lobt die gute Vorbereitung des Veranstalters:  „Die Leute, die da waren, waren begeistert. Und für viele war es jetzt auch gar nicht so tragisch, dass das dann so reduziert abgelaufen ist.“ Denn: bei all dem Trubel gab es auch positive Stimmen: „Wir waren auch bei dem Krampuslauf mit zwei kleinen Mädls! Die waren hin und weg. Ihnen hat es so gefallen und uns als Eltern auch“, kann man zum Beispiel unter dem Facebook Post des Vereins lesen.

Strahlende Kindergesichter bei der Begegnung mit einem der Tittmoninger Kramperl in Braunau im November.

Redebedarf bei den Beteiligten

Die vorzeitige Abreise der Kramperl und den Verstoß gegen das selbst auferlegte Alkoholverbot wolle man jetzt im Nachgang aufarbeiten:  „Wir haben alle Kontaktdaten von Ordnern und Teilnehmern, die sind alle namentlich registriert und bekommen dann eine Nummer.“ Wer genau da bei Bier und Glühwein gestanden habe, wäre jetzt schwer nachvollziehbar, aber Günthner war auf alle zugegangen, um klarzustellen, dass das so nicht geht. Außerdem wolle man jetzt nochmal Kontakt zu den abgereisten Passen herstellen. Es würde sie schon interessieren „warum und weshalb und was sie dazu bewegt hat diese Veranstaltung zu verlassen.“ Auch ein Gespräch zwischen Veranstalter, Bürgermeister und Polizei wird im Januar für noch mehr Klarheit sorgen.

Krampuslauf 2023 auf der Kippe?

Inwieweit nochmal ein Krampuslauf in Tittmoning stattfinden wird, ist nicht sicher. Thomas Günthner möchte es eventuell etwas kleiner angehen. Polizei und Bürgermeister sehen einer Folgeveranstaltung positiv entgegen. Erwin Wimmer gibt einen Tipp für das nächste Mal: „Er soll sich von seinem Kurs nicht abbringen lassen. Der Kurs war nämlich der Richtige.“

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