Ehrenamt: Kirchanschöring setzt aufs Internet

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kirchanschöring - Beim Vermitteln von ehrenamtlichen Aufgaben und Mitarbeitern in Kirchanschöring setzt die Gemeinde in Zukunft auf das Internet.

Gegenseitige Hilfe der Menschen und bürgerschaftliches Engagement zählt hier noch viel: Beim Vermitteln von sozialen Aufgaben und ehrenamtlichen Mitarbeitern setzt der 3.200-Seelen-Ort Kirchanschöring als erste Gemeinde Deutschlands auf www.doogood.org. „Wir müssen beim Ehrenamt die Zeichen der Zeit erkennen“, sagte der 44-jährige Bürgermeister Hans-Jörg Birner (CSU) anlässlich des Beitritts zum neuen bundesweiten Internet-Netzwerk für soziale Verantwortung.

Im oberbayerischen Rupertiwinkel zwischen Waginger See und österreichischer Grenze ist die Welt noch in Ordnung: Etwas mehr als ein Drittel der Kirchanschöringer Bevölkerung ist laut Bürgermeister Birner ehrenamtlich tätig. Birner: „Allein 60 Vereine sind aktiv im Dorfleben. Die Vereinsstrukturen sind noch in Ordnung, aber der Nachwuchs bricht uns weg.“ Zudem steigen laut dem Gemeindeoberhaupt die beruflichen Herausforderungen für die Dorfbewohner. Die höhere Berufstätigkeit von Frauen ist auch ausschlaggebend für knappe Zeitbudgets: „Nur wenige haben noch Zeit für ehrenamtliche Aufgaben, deshalb setzen wir jetzt auf die Auswahlfunktion der Ehrenamts-Plattform“, sagt der Rathaus-Chef.

Internet statt Karteikarten

Um Helfer für diese Aufgaben zu koordinieren, hat die Gemeinde vor einiger Zeit ein „Sozialbüro“ als Knotenpunkt des sozialen Engagements – quasi auf analoger Ebene - eingerichtet. Die Vermittlung auf Basis von Karteikarten ist mühsam, die zunehmenden Daten mit Angebot und Nachfragen manuell kaum zu handeln. Mit Hilfe der neuen Internet-Plattform soll das treffsichere Finden von ehrenamtlichen Helfern leichter gehen.

Großes Angebot an ehrenamtlichen Aufgaben

Hilfe zur Selbsthilfe hat Tradition in Kirchanschöring. Seit 1991 gibt es einen Sozialfonds, aus dem unbürokratisch geholfen wird. „Wir wollen nicht nur auf den Staat vertrauen“, sagt Michaela Stockhammer, im Rathaus für Sozialwesen zuständig. Rund 15.000 Euro sind immer im Topf. 80 bis 100 Dorfbewohner kommen so jedes Jahr durch schlimme Krisen. Nachbarschaftshilfe wird groß geschrieben. Bei einem Ort mit 45 Weilern ist dies unbedingt notwendig. Die Palette an zu vergebenden ehrenamtlichen Tätigkeiten der Gemeinde, aus den Vereinen und kirchlichen Institutionen ist ebenfalls groß: Vorlesen, Begleiten, Spazieren gehen, Gartenhilfe, aber auch die Unterstützung von Familienangehörigen, die einen pflegebedürftigen Menschen betreuen. „Mit dem Internet-Portal wollen wir auch den Bedarf in der Bevölkerung abfragen“, sagt Michaela Stockhammer.

Ansprache einer neuer Generation von Helfern

Bürgermeister Hans-Jörg Birner war sofort von der neuen Internet-Plattform www.doogood.org begeistert, die ihm ein Mitarbeiter vorstellte. „Es schlummern noch viele freiwillige Helfer in unserer Gemeinde, von denen wir noch gar nichts wissen“, ist sich Birner sicher. Dieses Potential will er mit Hilfe des Internets wecken. Das Internet ist für ihn eine gute Lösung, „weil Generationen über das Internet angesprochen werden, die bisher nicht erreicht worden sind.“ 

Ehrenamtliche Leistung lohnt sich

In dem Netzwerk für soziale Verantwortung, das am 1. Dezember offiziell in Berlin vorgestellt wurde, melden sich sowohl hilfswillige Ehrenamtliche als auch hilfesuchende Sozialinstitutionen oder Vereine kostenlos an und werden dann zusammen gebracht. „Wer sich gegen eine geringe Gebühr als Premiumnutzer registriert, nimmt zusätzlich an einem attraktiven Geschenk- bzw. Förderungssystem teil“, erläutert Jeanine von Stehlik, Gründerin der bundesweiten Plattform im oberbayerischen Oberhaching. Für jede ehrenamtlich geleistete Stunde wird jeweils ein Punkt gut geschrieben, den man dann in unterschiedlichste Prämien eintauschen kann. „Damit wird ehrenamtliche Leistung auch belohnt“, freut sich Bürgermeister Hans-Jörg Birner.

„Kleines Dankeschön“ für ehrenamtliche Arbeit

Anerkennung gab es für verdiente Gemeindemitglieder bisher nur über einen Titel. Die Vereine im Ort stimmten darüber ab. Ehrenamtler des Jahres 2011 sind Georg Roitner jun., der ein großes Musikfest organisiert und eine Typisierungsaktion ins Leben gerufen hat, und Elfriede Allerberger, die als gemeindliche Seniorenbeauftragte rund 800 Stunden im Jahr geleistet hat. In Zukunft soll es nicht nur beim Titel bleiben. Die neue Ehrenamts-Internetseite ist laut Bürgermeister Birner ein sehr gutes Werkzeug, über das Prämiensystem „ein kleines Dankeschön“ zu sagen.

Vier Millionen Arbeitsstunden täglich fehlen

„Wir wollen im sozialen Bereich den Bedarf an ehrenamtlicher Mitarbeit decken“, hofft die Gründerin von Stehlik. In Deutschland besteht allein im sozialen Sektor ein Manko an Arbeitsstunden freiwilliger Helfer von vier Millionen Stunden pro Tag. Das willen man mit dem neuen Internetportal ändern.“ Zusätzlich soll die Mitarbeit der jetzt schon bundesweit rund 30 Millionen ehrenamtlich Tätigen besser anerkannt werden“, sagt die 35-jährige Juristin, die selbst über ein Ehrenamt zur Portalgründung kam.

Für Bürgermeister Birner steht fest: „Jeder einzelne Kirchanschöringer kann jetzt mit seinen individuellen Fähigkeiten in seiner unmittelbaren Umgebung helfen.“ Das gehört für ihn zur Lebensqualität in einer lebendigen Gemeinde. Die Jugend wachse in das Ehrenamt geradezu hinein. Jeder weiß in Zukunft, wo er helfen kann und wo Hilfe dringend gebraucht wird.“ Mit der Vorreiterrolle im sozialen Engagement wird auch das Credo des Bürgermeisters mit Leben erfüllt, das er sich für seine Gemeinde wünscht: „Do lost se guat leben.“

Pressemitteilung DOOGOOD Dienstleistungsgesellschaft mbH

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser