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Neuerscheinung ehrt die Totengräberin von Waging

„Der Gottesacker war ihre zweite Heimat“: Wie Rosa Wegscheider zur „Legende“ wurde

Autorin Christiane Tramitz (links) mit Rosa Häusl, der Tochter von Rosa Wegscheider, der „Totengräberin von Waging“.
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Autorin Christiane Tramitz (links) mit Rosa Häusl, der Tochter von Rosa Wegscheider, der „Totengräberin von Waging“, die von 1953 bis 2019 dort Bestatterin war. Über sie hat Tramitz jetzt das Buch „Der Geruch von Erde“ geschrieben.

Rosa Wegscheider wurde 1953 zur Totengräberin von Waging berufen - und blieb es 66 Jahre lang. Kurz nach ihrem Ableben erscheint jetzt ein Buch über sie und ihre Tochter, die ihr schon als Kind bei der „oft grausigen“ Arbeit half. Wir haben die Tochter und die Autorin besucht.

Waging - Das erste Mal alleine ins Kino oder einen Instagram-Kanal starten - so sieht das Leben von 13-jährigen Mädchen heutzutage oft aus. Bei Rosa Häusl war es damals anders. Ganz anders. Ihre Mutter war Totengräberin und die Tochter musste mithelfen. „Wenn dann im Waginger Krankenhaus jemand gestorben ist, haben wir den Sarg mit dem Milliwagerl zum Friedhof hinausgefahren...“, erzählt Rosa Häusl beim Besuch von chiemgau24.de. Vor allem um ihre Mutter Rosa Wegscheider, jene „Totengräberin von Waging“, dreht sich ein Buch, das am Mittwoch (7. September) veröffentlicht wird - „Der Geruch von Erde“.

„Der Geruch von Erde“ - die Geschichte der Totengräberin von Waging

Ungefähr zehn Mal hat sich Autorin Christiane Tramitz mit Rosa Wegscheider noch treffen können, ehe sie im Juni 2021 verstarb. Von intensiven Begegnungen berichtet sie, „da ging es ans Eingemachte“. Ein Wink des Schicksals: Wegscheiders letzte Bestattung 2019 galt ausgerechnet dem Bruder der Autorin. Da hatten Tramitz‘ Recherchen schon begonnen. „Meine Mama hat das fast bis zu ihrem Tod gemacht. Nach einem Oberschenkelbruch am Friedhof war Schluss“, erzählt Tochter Rosa Häusl. „Ihre letzte Bestattung war mit 91. Das war ihr Leben. Der Gottesacker war ihre zweite Heimat.

Das Buch „Der Geruch von Erde“ von Christiane Tramitz.

Eigentlich war die Familie in der Landwirtschaft daheim, an der Geppinger Straße in Waging. Aber von dem Dutzend Kühen und Kälbern konnten die Wegscheiders nur schwer leben. So wurde 1953 Rosa Wegscheiders Ehemann Anderl zum Totengräber bestimmt, doch weil der schwer unter den Kriegsfolgen litt, übernahm Rosa mit ihren 25 Jahren damals diese Aufgabe - widerwillig. Die Familie sei notgedrungen ins Bestattungswesen „hineingewachsen“, wie sich Tochter Rosa Häusl heute zurückerinnert: „Meine Mutter war eigentlich ein guter Mensch. Aber die Totengräberei wurde ihr auch oft zu viel. Nach außen hin ist sie hart und sehr dominant geworden.“

„Als Kind geschämt“ - doch Rosa Wegscheider war hoch angesehen

Auch kein Wunder, wenn man Rosa Häusl zuhört, wie sie über den familienprägenden Job spricht: die ständige Anwesenheit weinender Angehöriger zu jeder Tages- und Nachtzeit, das Anziehen und Einsargen von Toten, die Begräbnisse. „Ich habe mich als Kind dafür geschämt und konnte oft nicht schlafen“, sagt Rosa Häusl mit ihren 73 Jahren leise. Für Autorin Christiane Tramitz war auch das der Spagat: das harte Leben der Familie mit der Gutmütigkeit der Mutter zu verbinden. „Es brauchte viel Taktgefühl beim Schreiben“, so Tramitz. Aber jeder aus der Familie brachte ihr bei den Recherchen viel Vertrauen entgegen.

Autorin Christiane Tramitz (links) und Rosa Häusl.

Auf der anderen Seite sei die Mutter im Ort sehr angesehen gewesen - und weit darüber hinaus, denn auch für Petting, Törring, Tettenhausen oder Tengling war Rosa Wegscheider als Totengräberin zuständig. „In ihrer Heimat gilt sie als Legende“, heißt es deshalb auch auf dem Buchrücken. Ein Erbe, das Tochter Rosa Häusl zwar angeboten bekam, aber antreten wollte sie es nicht. Welches Verhältnis hat sie heute zum Tod? Rückblickend wundert sie sich: „Ich verstehe oft nicht, warum die Leute so böse aufeinander sind. So viel Neid und Missgunst. Es kann doch keiner was mitnehmen, wenn er stirbt. Jeder landet in der Grube.“

Auch Autorin Christian Tramitz, die am Samerberg daheim ist, hat sich bis zur Recherche „noch nie so viel mit dem Tod beschäftigt“, wie sie sagt. Mit dem „Geruch von Erde“ will sie dem Tod „eine andere Farbe und Heiterkeit“ geben, denn es sein kein finsteres oder trauriges Buch. Auf die Geschichte stieß sie übrigens in der Facebook-Gruppe „Historischer Chiemgau“. Das 250 Seiten starke Buch ist ab 7. September im Handel erhältlich und erscheint im Ludwig-Verlag.

xe

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