Angespannte Finanzlage bei Gemeindewerken

Abwasser, Strom, Wärme: Es wird teurer für die Bürger in Waging

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Waging am See - „Die finanzielle Lage bei den Gemeindewerken (GWW) ist angespannt“, so die Betriebsleiterin Patricia Hund bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans im Gemeinderat.

In allen vier Betriebssparten – Strom, Wasser, Abwasser, Wärme – stehen notwendige Investitionen an. „Wir haben einen Rückstau an Investitionen, den wir angehen müssen“, zeigte sich Hund überzeugt. Da die Gemeindewerke zur Zeit über keine Rücklagen verfügen, können Investitionen nur durch weitere Kreditaufnahmen finanziert werden. Der Wirtschaftsplan sieht Kreditaufnahmen von rund 3,3 Millionen Euro vor. Zudem sind die Gebühren für Strom, Wasser und Abwasser nicht kostendeckend, was zu einem Jahresfehlbetrag von rund 290.000 Euro über alle Sparten führt. 


Eine Anhebung der Gebühren steht deshalb zeitnah an. Die Gebühren für die Wasserversorgung werden von jetzt 50 Cent je Kubikmeter Frischwasser auf vorraussichtlich 95 Cent steigen. Bei der Wasserversorgung stehen viele Investitionen an, für die in 2020 insgesamt rund 1,1 Millionen Euro veranschlagt wurden. So soll noch in diesem Jahr mit der Sanierung des Hochbehälters in Gepping begonnen werden. Die Gesamtkosten für die Sanierung werden sich auf rund 1,56 Millionen Euro belaufen. Die Regenerierung der Brunnen und ein Austausch der Brunnenpumpen am Hägfeld wird mit weiteren 200.000 Euro zu Buche schlagen. Jährlich ist ein Fremdwasserbezug von der Otting-Pallinger Gruppe in Höhe von 100.000 Kubikmeter über die Notleitung erforderlich, der auch höhere Kosten verursacht. Bei planmäßiger Abwicklung und unter Berücksichtigung der angepassten Gebühr ab dem 01.01.2020 wird die Wasserversorgung mit einem Jahresüberschuss von 35.500 Euro abschließen. 

Im Abwasserbereich stehen umfangreiche Erweiterungsmaßnahmen an der Kläranlage in Spöck an. Diese ist aktuell auf 32.500 Einwohnergleichwerte (EW) ausgelegt, wird aber seit Jahren mit über 40.000 EW überbelastet. Erforderlich ist ein Ausbau auf 53.000 EW, der 2020 begonnen werden soll. Die Gesamtausbaukosten sind mit rund 3,8 Millionen Euro veranschlagt. Erschlossen werden muss auch der Abwasserproduktionskanal nach Fisching sowie die Neubaugebiete „Gepping II“ und „Am Anger“. Die Gesamtinvestitionssumme für das Abwasser liegt bei rund 2,7 Millionen Euro. Deutlich gestiegen sind die Entsorgungskosten für Klärschlamm und die Materialkosten zum Beispiel für Fällungsmittel. Durch die notwendige Einstellung von zwei Fachkräften für Abwasserentsorgung ab Mitte 2020 werden auch die Personalkosten steigen. Dies alles wird zum einem Jahresfehlbetrag beim Abwasser von rund 240.000 Euro führen. 


Bei den Strompreisen ist für April/Mai 2020 eine Preiserhöhung um circa 3 bis 4 Cent vorgesehen, weil die Stromeinkaufskosten um 8,5 Prozent gestiegen sind. Diese Erhöhung muss an die Verbraucher weitergegeben werden. Dazu kommen auch in dieser Sparte höhere Personalkosten und höhere sonstigen betriebliche Aufwendungen. Der Betriebszweig „Strom“ (Vertrieb und Netz) wird bei planmäßiger Abwicklung mit einem Defizit von rund 136.000 Euro abschließen. 

Das Sorgenkind der Gemeindewerke Waging, so Patricia Hund, sei die Wärmeversorgung. Das Wärmenetz Tettenhausen müsse unbedingt optimiert werden, denn ein wirtschaftlicher Betrieb sei derzeit nicht darstellbar. Die auflaufenden Defizite würden das Betriebsergebnis des Eigenbetriebs GWW belasten. Hund hofft, dass sich die Situation durch den Anschluss des geplanten Baugebietes „TettenhausenOst“ an das Fernwärmenetz verbessern wird. Die Werkleitung prüft derzeit, ob die überschüssige Wärme für die Klärschlammtrocknung verwendet werden kann. Auch die Heizungsanlagen im Seniorenheim und in der Schule müssen technisch und wirtschaftlich neu berechnet werden. Die Wärmesparte schließt 2020 bei planmäßiger Abwicklung mit einem Defizit von rund 113.000 Euro ab. Dazu kommen noch Tilgungsleistungen von rund 100.000 Euro. Nach kurzer Diskussion beschloss der Gemeinderat einstimmig den Erlaß des Wirtschaftsplanes 2020 für die Gemeindewerke.

Monika Konnert

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