Fahrgäste tanzen und singen während Zugfahrt

Waginger Faschingsmusi „rockt“ die Bahn

+
Mit unzähligen Handys der Fahrgäste wurde der Auftritt festgehalten.

München / Waging - Nein, es war keine geplante Werbeaktion der Bahn. Es war einfach die Waginger Faschingsmusi, die von einem Auftritt in München mit dem Zug Richtung Heimat unterwegs gewesen ist. Auf der gesamten Fahrtstrecke ab dem Münchner Hauptbahnhof erklang die Musik der heimischen Musikanten.

Begonnen hatte alles, als die Faschingsmusi beim großen Frühschoppen des Faschingsclubs München-Laim e. V. im Wirtshaus am Bavariapark in München auftrat. Zwischen verschiedenen Aufführungen von Prinzengarden und Showtanzgruppen durften die Musiker aus dem Rupertiwinkel für die passende Stimmung sorgen. Als zum Ende der Veranstaltung der amtierende Münchner Faschingsprinz Castro Dokyi Affum nachfragte ob er mal „mittrommeln“ dürfte, entwickelte sich sogar zur Freude des Publikums eine gemeinsame – man würde sagen – „Jam-Session“.

Die gute Stimmung des Frühschoppens hielt noch auf dem Weg zum Münchner Hauptbahnhof an, so dauerte es auch nicht lange bis im Zug die Instrumente hervorgeholt wurden. Mit unzähligen Handys der weiteren Fahrgäste wurde der Auftritt festgehalten. Das musikalische Spektakel im Zug wird von diesen auf deren Mobiltelefonen wohl noch in dem kommenden Tagen oft begutachtet werden. Man sieht es auch nicht alle Tage, dass Fahrgäste im Zug Twist tanzen und bei Hits wie „Cordula Grün“, „Let's dance“ und „When the Saints go marchin' in“ im Rhythmus mitklatschen. Sogar das dalmatinische Volkslied „Ciri biri bela mare moja“, welches in Waging ein Faschingsklassiker ist und der Einfachheit halber „Seedeife“ genannt wird, wurde aufgeführt. Begonnen hatte der Auftritt in den Waggons noch relativ überschaubar mit Oberkrainertiteln wie die „Großglocknerblick-Polka“ und „In den Bergen“. Nach und nach gesellten sich aber immer mehr Faschingsmusikanten zu der musizierenden Truppe und letztendlich war der gesamte Zug in Partystimmung. Übrigens auch samt Personal des Zuges. Die Zugbegleiter bedankten sich per Lautsprecherdurchsage bei den Waginger Musikanten, was der anhaltende Applaus der Mitreisenden bestätigte.

Auch die Rosenheimer Goasslschnalzer sorgten auf ihrer Heimfahrt vom Oktoberfest 2019 für eine Riesengaudi im Zug.

Ursprünglich sind ja alle Musiker der „Faschingsmusi“ bei anderen Musikgruppen oder Blaskapellen mit dabei. Sobald sich der Fasching ankündigt, wird jedoch unter der Führung von Musikleiter Stefan „Berli“ Weiß und dem organisatorischen Leiter Franz Murr jun. im Musikheim der Waginger Musikkapelle fleißig für die anstehende Saison geübt. Bereits seit 1925 gibt es die Faschingsmusi aus Waging, die unter den Klängen des „Waginger Faschingsmarsches“ bei Faschingskranzln und Bällen meist unerwartet einmarschiert, etwa eine halbe Stunde Stimmungsmusik verbreitet und dann ebenso schnell wieder verschwindet. „Erfahrene Faschingsgänger“ wissen deshalb auch, dass die wahren „Schmankerl-Auftritte“ der etwa 30 Musikanten nach den offiziellen Auftritten in gemütlichen Gaststuben stattfinden, wo noch zünftig aufgespielt wird – oder wie kürzlich im Zug auf der Bahnfahrt zwischen München und Traunstein.

Thomas Pfeffer, Waginger Faschingsmusi

Zurück zur Übersicht: Waging am See

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT