Ab 2022 in Waging am See

Erhöhung der Kurtaxe: Einigung über Notwendigkeit, aber Diskussion um Höhe

Herbststimmung am Waginger See: Der Gemeinderat beschloss in seiner jüngsten Sitzung eine Erhöhung der Kurtaxe.
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Herbststimmung am Waginger See: Der Gemeinderat beschloss in seiner jüngsten Sitzung eine Erhöhung der Kurtaxe.

Waging am See - Ab 2022 wird der Kurbeitrag erhöht. Darüber, dass das nötig ist herrschte Einigkeit im Gemeinderat. Nur die genaue Erhöhung sorgte für Diskussionen.

Nach einer Erhöhung der Jahrespauschale für Dauercamper und Zweitwohnungsbesitzer ab dem kommenden Jahr, wird ab 2022 in Waging auch der reguläre Kurbeitrag angepasst. Dies hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

Im November hatte man sich noch darauf geeinigt, den Beschluss zur Erhöhung erst zu einem späteren Zeitpunkt zu fassen. Rückmeldungen von den Tourismusbetrieben, die eine längere Vorlaufzeit benötigen, um den erhöhten Kurbeitrag in den Werbeprospekten und sonstigen Veröffentlichungen rechtzeitig ankündigen zu können, haben aber dazu geführt, dass der Gemeinderat sich bereits jetzt mit dem Thema befasst und entsprechende Beschlüsse gefasst hat.

Waging am See erhöht Kurbeitrag ab 2022

Der Kurbeitrag für Touristen muss erst für Personen ab zehn Jahren bezahlt werden. Er liegt derzeit bei einem Euro pro Nacht in der Hauptsaison (derzeit Juli und August) und fünfzig Cent pro Nacht in der Nebensaison (alle übrigen Monate). Die letzte Anpassung liegt elf Jahre zurück. Inzwischen hat sich das touristische Angebot der Gemeinde deutlich verändert und erhöht. Auch die Werbemaßnahmen wurden deutlich verstärkt, mit entsprechenden höheren Kosten. Zudem liegen die Kurbeiträge in anderen Gemeinden mit touristischer Bedeutung in der Region wie zum Beispiel Inzell, Ruhpolding, Reit im Winkl oder Berchtesgaden deutlich höher als die Beiträge, die in Waging anfallen.

Andererseits freue sich Waging bei Touristen großer Beliebtheit. Dies zeige sich unter anderem aus den vom Landesamt für Statistik veröffentlichten Übernachtungszahlen für 2019, so Gemeinderat Karl-Heinz Neumann (CSU), wo Waging in den Monaten Juni bis September immer unter den ersten zehn Standorten liege. Auch deshalb sah Neumann den im Raum stehenden Vorschlag, auch die Monate Juni und September der Hauptsaison zuzurechnen, positiv. Während die Zurechnung des Monates Juni unumstritten war, gab es bei dem Monat September ein für und wieder. Gemeinderat Georg Huber (ÖDP/PFW) plädierte zum Beispiel dafür, die Hauptsaison nur bis zum 15. September und damit bis zum Ende der Ferien in Bayern auszudehnen. Dies sei aus technischen Gründen ungünstig, so Tourismusreferent und Rat Moritz Seehuber (CSU), weil es die Abrechnung bei den Tourismusbetrieben erschwere. Letztendlich beschloss der Rat mit siebzehn zu vier Stimmen, die Monate Juni, Juli, August und September ab 2022 der Hauptsaison zuzurechnen.

Künftige Höhe kontrovers diskutiert

Kontroverser geführt wurde die Diskussion zur zukünftigen Höhe des Beitrages und dessen Staffelung. Bereits in der Novembersitzung hatte Gemeinderat und Tourismusreferenten Moritz Seehuber (CSU) als Vorschlag eine Erhöhung auf ein Euro pro Nacht in der Nebensaison und auf 1,60 Euro pro Nacht in der Hauptsaison vorgeschlagen. Bürgermeister Matthias Baderhuber plädierte jetzt für eine Staffelung des Beitrages nach Alter. Kinder bis zehn Jahre sollten wie bisher beitragsfrei bleiben, zwischen 10 und 18 Jahren sollte ein um die Hälfte geminderter Beitrag anfallen, ab 18 Jahre würde der komplette Beitrag fällig. Tourismusreferent Moritz Seehuber verlangte auch hier aus technischen Gründen (Voreinstellungen in der EDV-Software) eine Anpassung der Alterspanne von zehn bis achtzehn auf zehn bis sechzehn Jahre, um händische Nachtragungen im EDV-System zu vermeiden. Dem schloss sich der Gemeinderat an. Bei der Höhe der Beiträge plädierte Rat Georg Seehuber (FW) für eine Erhöhung auf zwei Euro in der Hauptsaison und auf ein Euro in der Nebensaison. Man benötige das Geld dringend für Investitionen in den Tourismus, so Seehuber.

Zudem müsse man berücksichtigen, dass diese Entscheidung erst für 2022 gelte. Bis dahin könne man sich auch zusätzliche Angebote für Touristen, zum Beispiel kostenlose Busfahrten nach Salzburg, überlegen. Auch Gemeinderat Karl-Heinz Neumann (CSU) schloss sich dieser Meinung an. „Selbst bei zwei Euro sind wir mit Abstand die günstigsten in der Region“, so Neumann. Zudem habe es seit zehn Jahren keine Erhöhung gegeben. Auch für Rat Walter Wimmer (Grüne) war eine Erhöhung auf zwei Euro vertretbar. „Was wir einnehmen fließt wieder direkt in den Tourismus. Damit entlasten wir unsere Bürger, wenn wir weniger Steuergelder aufwenden müssen, um in den Toruismus zu investieren“, so Wimmer. Gegen die Erhöhung auf zwei Euro sprach sich Gemeinderat Georg Huber (ÖDP/PFW) aus. 1,60 Euro könne er mittragen, alles andere wäre nicht familienfreundlich.

Nach ihm wäre sogar eine Beitragsfreistellung bis zu 14 Jahren eine Überlegung wert. Zudem müsse man den Gästen zusätzlich etwas bieten, wenn man den Beitrag so stark erhöht. Familienfreundlichkeit zu leben war auch für Rat Heinrich Maierhofer (Grüne) wichtig, deshalb teilte er die Meinung von Huber. Abschließend hat der Gemeinderat der Erhöhung des regulären Kurbeitrages auf zwei Euro in der Hauptsaison ab 16 Jahren zugestimmt. In der Nebensaison beträgt der Beitrag ein Euro pro Nacht. Kinder bis zehn Jahren sind beitragsfrei. Kinder und Jugendliche zwischen zehn und sechzehn Jahren bezahlen jeweils den halben Beitrag.

kon

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