Interessante Pläne im Gemeinderat Waging am See

Machbarkeitstudie zum Rossstall Otting vorgestellt – Großes Interesse der Öffentlichkeit

Waging am See - „Ich habe noch nie so viele Zuhörer in einer Gemeinderatssitzung gesehen, wie heute“, so Bürgermeister Matthias Baderhuber bei der Eröffnung der jüngsten Sitzung, die wegen der Abstandsregelungen im Bajuwarenmuseum stattfand.

Das große Interesse der Zuhörer, die vornehmlich aus Otting gekommen waren, galt dem Thema Rossstall. Dazu sollte eine Machbarkeitsstudie vorgestellt werden, die den weiteren Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebäude und dem umliegenden Gelände aufzeigen sollte.


Hintergrund, dass nun Bewegung in die jahrelangen Diskussionen und Überlegungen zu der weiteren Verwendung des maroden und teilweise einsturzgefährdeten ehemaligen Rossstalls gekommen ist, ist ein Angebot der Finanzkammer des Erzbischöflichen Ordinariats an die Gemeinde, zur Übernahme sowohl des Grundstücks, auf dem der Rossstall steht als auch der angrenzendes Fläche, auf der früher der Kuhstall der Pfarrökonomie stand.

Das Angebot auf Erbpachtbasis sei günstig, so Bürgermeister Baderhuber, ein Preis wurde in der nichtöffentlichen Sitzung aber nicht genannt. „Wir wollen aber nicht die Katze im Sack kaufen“, fuhr Baderhuber fort. Man habe deshalb bei dem Architekturbüro Blüml in Tittmoning eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um die Folgekosten einer eventuellen Akquisition schätzen zu lassen, Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen und denkmalpflegerische Einflüsse auszuloten. Das Ergebnis der Studie wurde von Franz Blüml vorgestellt, der zusammen mit seinem Kollegen Kristian Stampf zu der Sitzung gekommen war. Es basiere, so der Architekt, auf einer eingehenden Bestandsaufnahme der Grunddaten des Gebäudes, vorhandener Bestandespläne und diverser Fotos.


Der ehemalige Rossstall erbaut 1861 liegt im südwestlichen Teil von Otting, westlich der Kirche St. Stephan und des aus dem 17. Jahrhundert stammenden und 1780 erweiterten Pfarrhofs. Im gleichen Jahr wie der Rossstall wurde auch der nördlich des Pfarrhofs gelegene zweitennige Getreidestadl, heute als Eventstadl genutzt, erbaut. Sowohl Rossstall als auch Getreidestadl haben ein Krüppelwalmdach. Der südlich an den Rossstall angrenzende Kuhstall, 1924 erbaut, ist bereits 1985 abgerissen worden. Diese Daten sind vor allem aus der Sicht des Denkmalschutzes relevant.

Als erstes hat die Machbarkeitsstudie Möglichkeiten zur Sicherung des einsturzgefährdeten Gebäudes aufgezeigt. Als Sofortsicherungsmaßnahmen nannte Blüml die provisorische Wiederherstellung der Treppenstufen vom Erdgeschoss zum Obergeschoss, die Behebung undichter Stellen im Dach, die Belegung durchtrittsgefährlicher Deckenstellen sowie das Ersetzen fehlender Glasscheiben. Auch müsse das Dach nach oben gedrückt und mit Schalungstützen unterstellt werden. Die Risse in der Aussenwand könnten durch eine Fassadenausbesserung, die nur kosmetischen Charakter hätte, überdeckt werden.

Als Ergebnis dieser Maßnahmen wäre das Gebäude wieder stand- und verkehrssicher und gegen Witterungseinflüsse geschützt. Der Bauzaun könnte dann entfernt werden. Das Erdgeschoss könnte für Vereine freigegeben, das Obergeschoss könnte nach ein fundierten statischen Untersuchung, als Lagerraum benutzt werden. Als Kostenrahmen für diese Maßnahmen nannte Franz Blüml die Summe von 25.000 Euro netto.

Vorgestellt wurde auch eine Möglichkeit zur erweiterten Nutzung des Rossstalls für allgemeine Gemeindezwecke, zum Beispiel als Probenraum für die Musikkapelle, als Museum oder als Vereinshaus. Dazu könnte man in der Tenne eine „Haus-in-Haus-Lösung“ als Trägerwerkergänzung einrichten, ohne die Aussenform des Gebäudes zu verändern. Die „Haus-in Haus-Box“ könnte circa 14 Meter lang, 7,5 Meter breit und 3,5 Meter hoch sein und eine Nutzfläche von circa Hundert Quadratmetern haben. Sie ist als Holzrahmenkonstruktion konzipiert und soll über zwei Treppen erschlossen werden, auch ein Aufzug könnte integriert werden. Zwischen der derzeitigen Aussenwand und der Box soll ein Umgang von zwei Metern sein. Zudem sind auch bei dieser Lösung noch umfangreiche statische Maßnahmen notwendig, um das Gebäude zu stabilisieren.

Insgesamt werden die Kosten bei dieser Sanierungsart auf rund 760.000 Euro netto geschätzt.

In unmittelbarer Nähe des Rossstalls würde die Gemeinde gerne ein öffentliches Gebäude errichten, zum Beispiel einen Kindergartenneubau. Dazu bietet sich laut Planer vor allem der südöstliche Teil des Geländes an, wo bis 1985 der Kuhstall stand. Dort könnte zum Beispiel ein circa zehn Meter langes Gebäude entstehen, das über einen Verbindungsbau an den Rossstall anschließt oder von diesem etwas abgerückt frei steht. Die für den Denkmalschutz zuständigen Stellen am Landratsamt Traunstein würde lieber die zweite Variante, ohne Verbindungsbau sehen. Die Planer sehen Vorteile durch Synergieeffekte in der Variante 1, denn im Verbindungsbau könnte man zum Beispiel Treppen und Aufzug für beide Gebäude unterbringen. Da es sich aber um eine Machbarkeitstudie handelt, wurden erstmals nur Optionen aufgezeigt, die als Grundlage für spätere Planungen dienen könnten.

Die Gemeinderäte zeigten sich von den Möglichkeiten, die die Studie aufgezeigt hat, sehr angetan. Es sei eine große Chance, dass man so ein altes Gebäude funktionell wieder herrichten kann, meinte Bürgermeister Matthias Baderhuber. Auch wenn man es nicht gleich umsetzen könne, so Gemeinderat Georg Huber, solle man die Chance nutzen und einsteigen. Auf Nachfrage von Rat Marcus Kleißl, ob man das Gebäude erstmal sichern und die „Haus-in-Haus“ Box in einem zweiten Schritt einbauen könnte, bestätigte Blüml, dass dies möglich sei.

Die finanziellen Aspekte des Angebots wurden im nicht öffentlichen Teil diskutiert, ebenso wie die Entscheidung über einen Kauf oder eine Ablehnung des Angebots.

kon

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt

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