Zur Situation der leeren Stühle und Betten in Waging am See

Stiller Protest gegen langen Lockdown in Gastronomie und Hotellerie

Markus Oswald an seinem leeren Kaffeehaus-Tisch.
+
Markus Oswald an seinem leeren Kaffeehaus-Tisch.

Mit der Protestaktion „Gedeckter Tisch“ machte der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA am gestrigen Montag in ganz Bayern auf die schwierige bis verzweifelte Lage von Wirten und Hoteliers aufmerksam.

Waging am See - Auch eine Vielzahl von Hotel- und Gastronomiebetrieben aus Waging am See und anderen Gemeinden rund um den Waginger See solidarisierten sich und beteiligten sich neben Privatvermietern und Reiseveranstaltern an diesem stillen Protest. So kamen fast 20 Unternehmen zusammen. Sie stellten auf dem gesamten Areal des Marktplatzes ansprechend gedeckte Tische mit leeren Stühlen und ein frisch gemachtes, aber verwaistes Bett auf. Denn die Betriebe sind seit November im Lockdown. Mit dieser aufsehenerregenden Aktion fanden die Protestierenden die gewünschte Beachtung durch die Öffentlichkeit.

Viele Passanten blieben neugierig geworden stehen und einige suchten das Gespräch. Auf Nachfrage von chiemgau24.de zeigten die Fußgänger große Sympathie für den Protest. Damit ist jedoch nur ein erster Schritt getan, denn mit der symbolischen Geste möchten die betroffenen Betriebe auch die politisch Verantwortlichen und Entscheidungsträger erreichen, damit sie nicht vergessen werden, schließlich soll ihre existenzbedrohende Lage im Corona-Lockdown die notwendige Beachtung finden.

Die Wirte und Hoteliers verlangten aber keine schnellen Öffnungen auf Kosten der Gesundheit oder Öffnungen um jeden Preis: Es ging ihnen vielmehr um verlässliche Perspektiven, klare Kriterien und verantwortbare Bedingungen, auf die sich die Unternehmer und ihre vielen Mitarbeiter vorbereiten können.

„Bei inzwischen wieder exponentiell steigenden Infektionszahlen und immer größer werdenden Existenzsorgen“ seien „praxistaugliche Öffnungsperspektiven nötig“, sagte der Vorsitzende des DEHOGA-Kreisverbandes Traunstein, Klaus Lebek. „Wenn nicht schnellstmöglich wirtschaftlich sinnvolle Strategien für die Zukunft der Gastronomie, Hotellerie und Veranstaltungswirtschaft entworfen werden, bleiben viele Betriebe für immer geschlossen.“ Ohne parlamentarische Diskussion sei ein Maßnahmenpaket beschlossen worden, das für die Gastronomie, Hotellerie und für die Tourismusbranche wirklich existenzbedrohend ist.

Jetzt langt‘s“, sagt Lebek, ehe er sich zu anderen Gemeinden mit ähnlichen Protesten im Landkreis aufmachte. Der Vorsitzende des Waginger Gewerbevereins „Waging bewegt“, Markus Oswald, selbst Gastronom, pflichtet ihm bei: „Ohne uns ist es still, ungesellig, unsozial und vielleicht sogar endgültig.“

Seit vier Monaten sind die Beherbergungs- und Gaststättenbetriebe wegen des Corona-Lockdowns geschlossen, trotz umfangreicher Hygienemaßnahmen, in die die Unternehmen viel Geld investiert haben. Doch die Schließung wollten die bayerischen Unternehmen nicht mehr klaglos hinnehmen. Ihr Verband DEHOGA Bayern forderte daher Perspektiven für die Branche und rief seine Mitglieder auf mit „Gedeckten Tischen“ und „gemachten Betten“ bayernweit an markanten Plätzen von Städten und Gemeinden zu demonstrieren.

Da sich auch Franz und Stefanie Tanner vom Landhaus Tanner in Waging an der Aktion beteiligen wollten, klopften sie bei ihren gastronomischen Kollegen und bei touristischen Betrieben und Einrichtungen an und bewegten sie zum Mitmachen

Die Waginger Protestaktion fand unter dem strengen Auge der Gesetzeshüter von 10 Uhr bis 14 Uhr statt. Die Polizei brauchte aber nie eingreifen, denn alle benahmen sich vorbildlich und hielten die Hygiene- und Abstandsregeln überall und zu jeder Zeit ein. Der Zeitpunkt der Aktion war geschickt gewählt. Sie fand im Vorfeld der Beratungen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länder-Regierungschefs statt, die sich am morgigen Mittwoch, dem 3. März, erneut treffen wollen, um über die Corona-Pandemie und das weitere Vorgehen zu beraten.

Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) hat sich am Montagvormittag bei der Präsidentin der DEHOGA Bayern, Angela Inselkammer, im Brauereigasthof Hotel Aying über die Forderungen der Branche informiert. Diese wünscht sich eine Gleichbehandlung der Gastronomie und Hotellerie mit dem Einzelhandel oder Baumärkten. Diese Regelungen sollten auch für das Gastgewerbe gelten, so Inselkammer. In einer DEHOGA-Pressemitteilung heißt es wörtlich: „Gastronomie und Hotellerie waren und sind keine Pandemie-Treiber!

Seit vier Monaten verharrt die Branche im Corona-Lockdown und wartet ab. Mit Ausnahme von Geschäftsreisenden dürfen seither keine Gäste in Hotels und Ferienwohnungen untergebracht oder in Lokalen und Wirtshäusern bedient werden. Die Dehoga ist der Ansicht, dass das Ansteckungsrisiko gerade bei Zusammenkünften im Freien und in Hotels niedrig sei.

caruso

Kommentare