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Treffen der Schafhalter Traunstein und Umgebung

Ein Thema dominiert: „Schaf und Wolf nebeneinander gehen nicht!“

Die für 40 Jahre Mitgliedschaft in der Schafhaltervereinigung Geehrten zusammen mit den Vorständen: (v.l.n.r.) Josef Harbeck (1. Vorstand), Sebastian Heinzer (2. Vorstand), Ludwig Waritschlager, Christa Foidl, Johann Foidl.
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Die für 40 Jahre Mitgliedschaft in der Schafhaltervereinigung Geehrten zusammen mit den Vorständen: (v.l.n.r.) Josef Harbeck (1. Vorstand), Sebastian Heinzer (2. Vorstand), Ludwig Waritschlager, Christa Foidl, Johann Foidl.

„Schaf und Wolf nebeneinander gehen nicht!“ mit dieser klaren Aussage hat Josef Harbeck, 1. Vorstand der Schafhaltervereinigung Traunstein und Umgebung in seinem Bericht bei der Herbstversammlung keinen Zweifel an der Position der Schafhalter zum Thema Wolf gelassen.

Waging am See - In Josef Harbecks Tätigkeit als Vorsitzender der Vereinigung würde dieses Thema immer mehr Zeit einnehmen. So habe er zusammen mit weiteren Schafhaltern aus der Vereinigung Anfang Oktober an der Demo in München gegen den Wolf teilgenommen. Unter dem Motto “Ausgebimmelt“ hätten dort gut 1.500 Landwirte für einen besseren Schutz ihrer Weidetiere demonstriert und gefordert den Schutzstatus des Wolfs zu mindern. Dabei waren Bauern und Schafhalter aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Zudem habe es Gespräche mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Ramsauer, dem Landtagsabgeordneten Klaus Steiner und mit Landrat Sigi Walch gegeben.

Die Politik hätte zwar Verständnis gezeigt und Interesse an der Entschärfung der Lage geäussert, passiert sei aber nichts. „Man hat fast den Eindruck, die Schafhalter werden hinters Licht geführt“ , so Harbeck. Den Zaunbau zum Herdenschutz bezeichnete Harbeck als „Irrsinn“, denn dadurch sei effektiver Schutz nicht möglich, der Eingriff in die Natur aber beträchtlich. So würden unter anderem Wildwechsel stark erschwert. Die immensen Summen, die jetzt für die Förderung der Zäune ausgegeben werden, sollte man lieber als Zuschuss an die Halter geben, damit die Schafhaltung in Bayern eine Zukunft hat. Als dringend notwendig erachtet Harbeck ein Gespräch der Schafhalter mit dem Bund Naturschutz, um die gegensätzlichen Positionen auszutauschen. Die Schafhaltervereinigung Traunstein werde diese Gespräch suchen, auch wenn es nicht einfach sein könnte.

Auch Positives: Neue Wollsammelstelle in Traunstein

Harbeck hatte aber auch Erfreulicheres zu berichten. So habe man in diesem Jahr erstmals eine Wollsammelstelle in der Chiemgau-Halle in Traunstein eingerichtet, wo über 1,5 Tonnen Wolle zusammengekommen sind. Da aus der Wolle Pellets gemacht werden, hat man jede Wolle genommen, unabhängig von Rasse und Qualität. Erfreulich sei auch, dass sich die Preise für Lebend-Lämmer stabilisiert hätten. Trotz der schwierigen Situation wegen Corona sei es gelungen, für die Vereinigung einen Vier-Tagesausflug in den Lungau zu organisieren und damit das gesellschaftliche Miteinander nicht ganz einschlafen zu lassen. 

Die Traunsteiner Schafhaltervereinigung hat zur Zeit 140 Mitglieder mit rund 5000 Schafen. Etwa vierzig Mitglieder hatten sich nach einem Wortgottesdienst in der Pfarrkirche St. Stephanus in Otting beim Oberwirt zur Herbstversammlung eingefunden. Der Einladung gefolgt war auch Ludwig Huber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein, Ansprechpartner für Betriebsentwicklug und Innovation, Martin Winklmair, Herdbuchverwalter bei der Bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht und Matthäus Michlbauer, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes Traunstein und selbst Schafhalter.

Ehrung für langjährige Mitgliedschaft

Nach einem kurzen Gedenken an die verstorbenen Mitglieder nahm 1. Vorstand Josef Harbeck gemeinsam mit 2. Vorstand Sebastian Heizer die Ehrung langjähriger Mitglieder vor. Seit 30 Jahren dabei sind Albert Hunklinger und Christian Fischbacher. Leider konnten beide nicht anwesend sein. Die Ehrenurkunde und den Krug entgegennehmen konnten hingegen drei der vier für 40 Jahre Mitgliedschaft Geehrte, nämlich Ludwig Waritschlager, Johann Foidl und Christa Foidl. Ebenfalls seit 40 Jahren dabei ist Sepp Auer, der auch nicht anwesend sein konnte.

Martin Winklmair von der Bayerischen Herdbuchgesellschaft (BHG) für Schafzucht, der anerkannten Züchtervereinigung für Schafe im Sinne der tierzuchtrechtlichen Bestimmungen, ging in seinem Bericht zuerst auf die Schafbestände in Bayern und die Förderung der Schafhaltung ein, bevor auch er zu dem Thema „Wolf“ kam. . 

Rückgang der Mutterschafbetriebe, Zunahme an Züchtern

In Bayern, so Winklmaier, sei die Zahl der Mutterschafbetriebe in den letzten zehn Jahren rückgängig. Waren es 2010 noch rund 7000, so sind es aktuell noch 6200 Betriebe. Davon haben nur 1400 Betriebe mehr als zwanzig Tiere. Die Anzahl der Mutterschafe liegt bei rund 206.000. Dafür aber registriere man eine stetige Zunahme an Züchtern. Derzeit sind dies in Bayern knapp 500 Betriebe, von denen die meisten alte Rassen, darunter das Merinolandschaf, das Rhönschaf oder das Braune Bergschaf züchten. Bayern fördert Bestände ab zwanzig Tieren mit dreißig Euro pro Tier.

Das Förder-Regelwerk ist komplex, zumal es neben der landesweiten fallweise auch regionale Förderungen durch die Landkreise gibt. Ab 2022 wird sich die Förderung leicht ändern, daher sei jeder Halter gut beraten sich rechtzeitig zu informieren und Anträge zu stellen.

Das Thema Wolf: Prävention ist ein Muss

Komplex sei auch die Förderkulisse für den Zaunbau als Präventionsmaßnahme gegen den Wolf, so Winkelmair. Grundsätzlich habe die Prävention Vorrang vor dem Ausgleich von Schäden. Wer also innerhalb einer bestimmten Frist keine Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen hat, kann auch nicht auf einen Ausgleich in einem möglichen Schadensfall hoffen. Bei einem Verdacht auf Wolfriss müsse man den Schaden fotografisch festhalten, den Kadaver aber an Ort und Stelle lassen und unverzüglich das in Bayern zuständige Landesamt für Umwelt informieren.

Die Förderanträge für mobile Elektrozäune oder elektrifizierte Festzäune, Investitionen für mobile Ställe für Schafe und Ziegen, sowie für Herdenschutzhunde müssten über das AELF Traunstein gestellt werden. Aus Sicht des AELF informierte Ludwig Huber die Versammlung zu wichtigen aktuellen Themen rund um die Schafhaltung.

kon 

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