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Zu Besuch bei Schäfer Josef Harbeck in Waging am See

Leidenschaft fürs Schaf: Was macht die Woll-Tiere so besonders?

Schäfer Josef Harbeck aus Waging am See
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Schäfer Josef Harbeck aus Waging am See hält über 50 Schafe und Lämmer.

Merinoschaf, Texelschaf, Wald- und Landschaf - es gibt unzählige Rassen auf der ganzen Welt. Bergschafe und Jura sind die Leidenschaft von Josef Harbeck. Wir haben dem Schäfer in Waging am See einen Besuch abgestattet und Wissenswertes über die Tiere erfahren.

Waging am See - 45 Mutterschafe, zwei Böcke und unzählige Lämmer springen auf den Weideflächen und im Offenstall von Josef Harbeck herum. Es wird aufgeregt gemäht und getrampelt, als die Schafe Harbeck erkennen - ein heilloses Durcheinander, sodass man sein eigenes Wort kaum mehr versteht. Es folgen erste Streicheleinheiten bei denjenigen Schafen, die kuscheln möchten. Andere beäugen uns lieber aus sicherer Entfernung und blöken frech ums Eck.

Harbeck ist seit vielen Jahren schon Vorsitzender der Schafhaltervereinigung Traunstein und kennt sich aus mit den Woll-Tieren. Viele Jahre war er auch im Kreisjugendring tätig, hat unzählige Veranstaltungen organisiert. Doch nun, „im besten Rentenalter“, wie er selbst grinsend sagt, überließ er den Posten dann doch Jüngeren.

Einige Schafe wie dieses Bergschaf lassen sich kraulen und streicheln, andere wiederum sind eher schreckhaft.

Schafhaltung bringt viel Arbeit mit sich

Seit 1985 sind die Schafe seine große Leidenschaft. Begonnen hat alles mit einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb, den der Schäfer über die Jahre ausgeweitet hat. Zu Beginn waren die Tiere noch ein Hobby, ein Ausgleich zur Arbeit. Seit gut sieben Jahren kümmert er sich nun ausschließlich um seine Schafe. „Schafhaltung ist viel Arbeit“, räumt Harbeck ein, der unter anderem auf den Höfen in der Region unterwegs ist und Scherungen vornimmt.

„Es gibt aber durchaus junge Menschen, die die landwirtschaftliche Ausbildung auf sich nehmen - häufig bietet es sich freilich an, wenn ein elterlicher Hof vorhanden ist. Nachwuchsprobleme haben wir so gesehen nicht. Aber ein angehender Schäfer muss wissen, dass sein Beruf sehr zeitintensiv ist, denn die Schafe kennen weder Feierabend noch Urlaub.“

Die Tiere von Schäfer Josef Harbeck sind sowohl in einem großzügigen Offenstall als auch auf den Weideflächen in einem Stallanhänger untergebracht.

Für die Schafhaltung an sich brauche es nicht zwingend eine Ausbildung: „Wer genug Weidefläche, einen Stall sowie Heu und Silo besitzt, der kann sich eine Handvoll Schafe als Freizeithaltung zulegen. Sie müssen lediglich registriert und mit Ohrmarken versehen werden, sobald sie ihren ursprünglichen Stall verlassen oder verkauft werden.“

Ein Obergrenze bei der Schafhaltung gebe es Harbeck zufolge keine. „Wer aber 1000 Schafe sein Eigen nennt, der zählt eindeutig zu den Großbauern. Hier in der Region aber gibt es kaum noch Schäfer, die so viele Tiere halten.“

Am ehesten gehören dazu noch die Wanderschäfer, von denen es jedoch im Traunsteiner Raum gar keine mehr und nur vereinzelt noch welche im Landkreis Rosenheim gebe. In Niederbayern seien vermehrt noch Betriebe der Wanderschäfer zu finden, allerdings sei dies durchaus ein aussterbender Beruf. Oft fehlen Flächen.

Josef Harbeck hält Bergschafe und Jura.

Was ist dran am Mythos vom „schwarzen Schaf“?

Rund fünf Monate ist das Mutterschaf trächtig, ehe das kleine Lamm das Licht der Welt erblickt. Viele der Lämmer sind aufgrund der dunklen Farbe des Bocks pechschwarz, doch mit dem sprichwörtlich negativ behafteten Mythos vom schwarzen Schaf räumt der Schäfer gleich zu Beginn auf. „Das ist ein Schmarrn. Die schwarzen Schafe sind häufig sogar braver als die weißen - meine zumindest“, erzählt der 73-Jährige lachend. Den einzigen Vorteil, den ein weißes Schaf besitzt: Man erkennt es auch im Dunklen leichter.

Der Trend geht hin zu schwarzen und braunen Tieren.

Doch der Trend gehe durchaus auch zu braunen oder eben schwarzen Schafen - gerade, was Felle anbelange. Seit mehreren 1000 Jahren schon diene das Schaf den Menschen als Nahrung sowie Kleidungbasis. Die Verarbeitung der Wolle aber sei neben Fleisch- und Milch-Erzeugung jedoch nicht das einzige, das ein Schaf ausmacht.

Lanolin, auch Wollfett oder Wollwachs, bezeichnet das Sekret aus den Talgdrüsen, das die Schafe vor Kälte schützt. Es eigne sich Harbeck zufolge sehr gut für die Herstellung von Seifen oder auch Cremes. Gewonnen wird es bei der Wäsche der Schafwolle.

Ebenfalls ein Renner: Wolle als Langzeitdünger. Mit eingepflanzt dient die Wolle in der Erde als Wasserspeicher. „Der beste natürliche Dünger, den es gibt“, verspricht der Schäfer. Inzwischen gibt es auch Wollpellets zu kaufen. Das Schaf ist also vielseitig nützlich für den Mensch - und darüber hinaus keck und frech, wenn es mit spitzbübischem Blick und seinen Schlappohren ums Eck späht.

Großzügige Weideflächen haben die Schafe in Waging am See zum grasen.

mb

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