Öko-Modellregion erfolgreich gestartet

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Waging - Mit einer ganztägigen Informations- und Diskussionstagung hat die „staatlich anerkannte Öko-Modellregion Waginger See-Rupertiwinkel“ ihre Arbeit aufgenommen:

Der Waginger Bürgermeister Herbert Häusl konnte dazu im Kurhaussaal über 140 Teilnehmer begrüßen, darunter alle Bürgermeister und zahlreiche Gemeinderäte der Öko-Modell-Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching, Stadt Tittmoning, Waging und Wonneberg sowie die beiden Landtagsabgeordneten Michaela Kaniber und Gisela Sengl, die Kreisbäuerin und stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber, den Kreisobmann des Bauernverbandes Sebastian Siglreithmayer, die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Traunstein, Beate Rutkowski sowie weitere Verbandsvertreter und zahlreiche Bäuerinnen und Bauern. Häusl, der selbst gelernter Landwirtschaftsmeister ist, betonte die wachsende Bedeutung des Ökolandbaus und unterstrich den festen Willen der beteiligten Gemeinden, die Öko-Modellregion zum Erfolg führen zu wollen.

In Deutschland bestehe europaweit das größte Marktvolumen für Biolebensmittel mit zweistelligen Zuwachsraten, erläuterte Alfons Leitenbacher, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein. Mit 5,9 % Ökofläche liege die heimische Produktion im europäischen Vergleich aber nur im Mittelfeld, sodass die Schere zwischen Nachfrage nach Biolebensmitteln und Angebot aus heimischer Produktion weiter aufgehe. Hier gelte es, die Chancen für eine erhöhte Wertschöpfung durch die heimische Landwirtschaft zu nutzen. Der Anteil von Biomilch mache in Bayern knapp 5 % aus; bei Schweinefleisch werden derzeit nur 0,8% nach den Kriterien des Ökolandbaus erzeugt. Bei Milch und Fleisch, aber auch bei Getreide, Eiern, Obst und Gemüse werde noch ein großes Entwicklungspotential für Biolebensmittel gesehen. Generelles Ziel müsse unabhängig von „konventionell“ oder „öko“ eine standortangepasste, umweltverträgliche und ökonomisch sinnvolle Landwirtschaft sein, in der Optimierung vor Maximierung gehe.

Mit Martin Posch aus Waging stellte ein aktiver Biolandwirt seinen Milchviehbetrieb und die Erfahrungen mit der Umstellung auf Ökolandbau vor. Es komme nicht darauf an, immer größer zu werden, sondern unter den Gegebenheiten des jeweiligen Hofs optimal zu wirtschaften. So sei die höhere Wertschöpfung aus den biologisch erzeugten Milch- und Fleischerzeugnissen attraktiv, aber ebenso wichtig sei eine über die Jahre gewachsene veränderte Lebenseinstellung. Sehr positiv habe sich der wieder aufgenommene Weidebetrieb auf Gesundheit, Vitalität und Brunstverhalten seiner Kühe ausgewirkt, und insgesamt sei ein ruhigeres, natürlicheres Arbeitsklima entstanden.

In zehn Arbeitsgruppen entwickelten die Teilnehmer dann unter der Moderation von Stefanie Utz in Zusammenarbeit mit der Schule für Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten und Guido Romor vom Amt für ländliche Entwicklung München Projektideen, die in der Öko-Modellregion umgesetzt werden könnten. Josef Helminger, Landwirt aus Wonneberg, verwies auf die Tatsache, dass die Mehrzahl der im Gebiet abholenden Molkereien – Berchtesgadener Land in Piding, Scheitz in Andechs, Hochwald in Weiding und seit Jahresanfang auch die Molkerei Bergader in Waging – Biomilch mit entsprechendem Preisaufschlag abnehmen würden und damit gute Absatzmöglichkeiten für Biomilch bestünden. Landwirt Sepp Hubert aus Kirchanschöring schlug vor, sich an den Kriterien für die Erzeugung fairer Milch zu orientieren und damit auch für intensiver wirtschaftende Betriebe einen Trittstein für die Teilnahme an der Ökomodellregion zu schaffen.

Weitere Themenbereiche waren die Verbesserung der Regionalvermarktung, wo Elisabeth Widauer von Region aktiv wertvolle Erfahrungen einbringen konnte, der Absatz von Biofleisch, die Möglichkeiten, den Öko-Ackerbau auszudehnen, mehr Eiweißfutter regional zu erzeugen, und die Biodiversität zum Beispiel durch eine optimierte Düngeregelung oder die Anlage von Streuobstwiesen gezielt zu verbessern. Zudem soll die Ernährungsbildung vor allem in Schulen und bei jungen Eltern mit Kindern intensiviert werden. Neben der Umstellung auf Biolandwirtschaft war es auch ein großes Anliegen der Beteiligten, die konventionell wirtschaftenden Landwirte in Öko-Modellprojekte einzubeziehen. Hier könne jeder Landwirt durch bodenschonende Wirtschaftsweisen und Verbesserungen in der Tierhaltung wie zum Beispiel Laufstallhaltung oder Weidebetrieb einen wertvollen Beitrag leisten.

Unter der Leitung des Kirchanschöringer Bürgermeisters Hans-Jörg Birner entwickelte eine überwiegend mit Gemeinderäten besetzte Arbeitsgruppe ein umfangreichen Katalog an Maßnahmen, die von den Gemeinden selbst umgesetzt werden sollen. Am Ende der Tagung zeigten sich nicht nur die Bürgermeister der Ökomodellregion, sondern auch BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer und der Vertreter der Ökoverbände, Franz Obermeyer, beeindruckt, wie intensiv und kreativ gearbeitet wurde. Dies zeige, dass ein Zusammenrücken und intensive gemeinsame Gespräche von Landwirten unterschiedlicher betrieblicher Ausrichtung, von Stadt- und Gemeinderäten, BürgerInnen und Vermarktern aus der Region am runden Tisch vieles in Bewegung setzen könne. Jetzt gelte es, die Aufbruchstimmung für die Umsetzung erster konkreter Projekte zu nutzen.

Wer nicht an der Auftaktklausur teilnehmen konnte, aber künftig mitwirken möchte, kann sich im Büro der Ökomodellregion in der Gemeinde Waging unter 08681/ 4005-15 (montags bis mittwochs) oder unter oekomodellregion@waging.de melden. Ansprechpartnerinnen sind die Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl und Christa Zeitlmann.

Pressemitteilung Agentur Wimmer

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