Umstrittene Ansiedlung in Waging

Stoppt Bürgerbegehren die Märkte? "Erste Hürde nehmen wir"

+
Links der Ottinger Straße wollen sich die beiden Discounter ansiedeln. Sammelt das Bürgerbegehren 600 gültige Unterschriften wird in einem Bürgerentscheid endgültig über die Ansiedlung entschieden.
  • schließen

Waging - Die geplante Ansiedlung von Rossmann und Rewe an der Ottinger Straße spaltet die Gemeinde: Jetzt könnte ein Bürgerbegehren die Discounter doch noch stoppen. *Mit Voting*

"Ab Donnerstag liegen in 18 Waginger Geschäften Unterschriftenlisten aus", so Bernhard Böhr gegenüber chiemgau24.de. Neben Walter Wimmer, Doris Waritschlager und Tilo Schröder-Waritschlager ist er einer der Initiatoren. Außerdem werden sie in dieser Woche die Waginger über eine Postwurfsendung über ihr Anliegen informieren. Im November sprach sich der Gemeinderat für die Ansiedlung der Discounter auf der "grünen Wiese" aus - doch das Bürgerbegehren könnte die Pläne noch stoppen.

So geht es jetzt weiter

Wenn sich mindestens zehn Prozent der Waginger Wahlberechtigten in die Unterschriftenlisten eintragen kommt es zum Bürgerentscheid. "Etwa 600 Unterschriften wollen wir dazu sammeln. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese erste Hürde schaffen", so Böhr. 

Das rote X markiert den Standort an der Ottinger Straße, wo sich die Discounter wohl 2018 ansiedeln wollen.

Sobald die Initiatoren die Unterschriften abgegeben haben und diese von der Gemeinde geprüft wurden, muss der Gemeinderat innerhalb eines Monats über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens entscheiden - eine Formalität. Theoretisch hat dann nochmal der Gemeinderat die Möglichkeit, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und die Bebauung an der Ottinger Straße selbst zu stoppen. Doch damit wird kaum zu rechnen sein, denn im November sprach sich das Gremium bereits mit 12:7 Stimmen dafür aus. 

Bürgerentscheid im Frühjahr?

Nach der Zulassung des Bürgerentscheids muss dieser innerhalb von drei Monaten an einem Sonntag stattfinden. Mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten müssen das Bürgerbegehren gegen Rossmann und Rewe dann unterstützen (Quorum) und damit gleichzeitig in der Mehrheit sein. "Ob auch das dann klappen wird, da bin ich mir noch nicht so sicher", so Bernhard Böhr. 

In der Gemeindeverwaltung wird aber erstmal weitergemacht wie geplant: Derzeit läuft das Flächennutzungsplanverfahren für die Ansiedlung von Rossmann und Rewe. Im März soll der Bebauungsplan aufgestellt werden. Sollte der Bürgerentscheid am Ende Erfolg haben kommen auf die Gemeinde keine zusätzlichen Kosten zu, das Risiko für bereits angefallene Planungskosten liegt beim Investor. 

Angst um die Geschäfte im Ortszentrum

Es sind vor allem die Größe und der geplante Standort, die von den Initiatoren abgelehnt werden - und die möglichen Existenz-Gefahren für die Geschäfte im Waginger Ortskern. Bernhard Böhr befürchtet, dass sich im Zuge der beiden Discounter weitere Geschäfte an der Ottinger Straße ansiedeln werden: "Bäcker, Post, Metzger... in diese sogenannte Vorkassenzone von Rewe könnte ja alles mögliche hinein." 

Nach dem Aus von Schlecker steht Waging ohne Drogeriemarkt da. In einer Marktanalyse sprachen sich 45 Prozent der Waginger für einen Drogeriemarkt aus, 54 Prozent sahen keinen Bedarf an neuen Märkten. Auch Bernhard Böhr ist nicht aus Prinzip gegen einen neuen Drogeriemarkt - aber an geeigneter Stelle im Zentrum und "in einer Größe, die zu Waging passt." Für die Drogeriekette Rossmann war immer klar: Entweder kommt man mit Rewe im Schlepptau nach Waging - oder gar nicht.

So sehen die Pläne von Rossmann und Rewe genau aus

Gut 10.000 Quadratmeter stehen den beiden Märkten an der Ottinger Straße zur Verfügung. Rewe erhält eine Verkaufsfläche von bis zu 1450 Quadratmeter, Rossmann von bis zu 800 Quadratmeter. Außerdem ist ein Parkplatz mit 100 bis 110 Stellplätzen geplant. Rewe rechnet mit 30 bis 35 Arbeitsplätzen in seiner Filiale, Rossmann mit zehn bis 15 - davon wohl viele Mini- und Teilzeitjobs.

Bürgermeister Häusl betonte bisher, dass viele mögliche Standorte für die beiden Discounter geprüft worden seien: "Aber die Vorgaben der Konzerne sind so hoch, dass sich das innerorts nicht umsetzen lässt", so Häusl bei der entscheidenden Abstimmung im Gemeinderat im November. Nach einer Marktanalyse gibt es in Waging selbst knapp zwei Millionen Euro an "freiem Marktpotenzial" für einen neuen Lebensmittelmarkt - Rewe aber braucht wohl vier bis fünf Millionen Euro Umsatz jährlich, um profitabel zu sein. Wenn das Bürgerbegehren am Ende Erfolg hat, wird das Kapitel aber ohnehin beendet sein. 

Was meinen Sie?

xe

Zurück zur Übersicht: Waging am See

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser