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„Mögen sie mutig fortschreiten auf dem betretenen Wege“

Seit 150 Jahren im Einsatz: Freiwillige Feuerwehr Waging feiert Jubiläum

Gruppenfoto mit der Einheitstragkraftspritze von 1932
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Gruppenfoto mit der Einheitstragkraftspritze von 1932

Vor 150 Jahren trat die Freiwillige Feuerwehr Waging zum ersten mal in der Presse im „Neuen bayerischen Kurier“ in Erscheinung getreten. Seitdem hat sich doch so einiges verändert.

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Waging am See – „Am Ostersonntage den 31t. März kam durch die Gemeinde Verwaltung Waging eine Einladung an die Freiw. Feuerwehr Teisendorf‘s daß am Osterdienstag als am 2. April die von der Comune Waging für die zu gründende dortige Feuerwehr die nun angeschaffte von Hr. Strasser in Burghausen gefertigte Saug u. Druckspritze geprüft, wozu die Feuerwehren Laufen, Teisendorf Tittmoning freundlichst eingeladen wurden“,, so lautet der originale Wortlaut aus der Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Teisendorf, welche auch im Archiv der Waginger Feuerwehr vorliegt.

Zu Ostern 1872 fand in Waging die Vorführung einer zur damaliger Zeit hochmodernen Saug- und Druckspritze statt. Die bereits bestehenden Feuerwehren aus Laufen, Teisendorf und Tittmoning waren hierzu eingeladen worden, um ihr fachmännisches Urteil zur „technischen Prüfung“ darüber abgeben zu können.

Diese „Maschinenprobe“ fiel laut den Unterlagen im Archiv der Waginger Feuerwehr gut aus. Die Maschine lieferte in vier Minuten 25 Eimer Wasser. Bei einer Schlauchlänge von 50 Fuß (circa 15 Meter) wurden 36 Schritt Wurfweite erzielt bei einer Rohrmündung von elf Millimeter. Man könnte dieses damals auch „Hydrophor“ genannte Feuerspritze also durchaus als Vorgänger moderner Tanklöschfahrzeuge bezeichnen. Auch wenn diese nunmehr über einen Löschwasservorrat von mindestens 2500 Liter und über eine Pumpenleistung von 1600 bis 2000 Liter in der Minute verfügen.

Herr „Regierungrath“ Desch hielt jedenfalls im damaligen Gasthof zur Post eine „wohldurchdachte Rede“, und munterte die Waginger auf in „ihrem Eifer für die Sache des Löschwesens nicht zu ermatten, und auch in Waging eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen“.

Bereits 1851 in Traunstein im Einsatz

Allerdings gab es auch in Waging bereits seit einigen Jahren eine Einrichtung zur Brandbekämpfung. Diese wurde jedoch noch als „Gemeindliches Löschinstitut“ bezeichnet. Diese „Vorgängerfeuerwehr“ war bereits im Jahr 1851 beim Stadtbrand in Traunstein, sowie 1864 bei einem Stadlbrand in Laufen und kurz darauf beim Brand des Stellgebäudes und Wohnhauses des Lederermeisters Martin Hartinger und des Färbermeisters Georg Denk im Einsatz, als diese Gebäude in Waging „ein Raub der Flammen“ wurden.

Auch 1865 beim Brand des Stadles vom „Bäcker Mooslechner“ in Teisendorf waren die Waginger im Einsatz. Interessant ist, dass bereits im Jahr 1865 die Feuerlöschmaschinen und die Bemannung unter anderem der Marktgemeinde Waging im Einsatz war. Immerhin sieben Jahre vor der „offiziellen Gründung“ einer freiwilligen Feuerwehr in Waging.

Das heute noch bestehende ehemalige Feuerlösch-Requisitenhaus in der Pflegergasse und jetzigen Bahnhofstraße wurde bereits 1858 erbaut. In der „Zeitung für Feuerlöschwesen“ Nr. 3 vom 1. Februar 1869 erschien in der Rubrik „Berichte von und über Feuerwehren“ eine Kritik, dass in zahlreichen oberbayerischen Städten und Märkten noch keine organisierten freiwilligen Feuerwehren gegründet seien. Neben den Orten Marktl, Trostberg, Garmisch und Partenkirchen solle von der königlichen Kreisregierung in München „Druck gemacht“ werden auch in Waging eine offizielle Feuerwehr zu gründen.

Unterschiedliche Gründungsjahre bei Freiwilligen Feuerwehren kommen zustande, da oft Unterlagen aus der Gründerzeit fehlen. Das Gründungsdatum der FF Waging konnte erst nach dem 100-jährigen Gründungsfest im Jahre 1968 eruiert werden, als der damalige Schriftführer und jetziges Ehrenmitglied Hans Rentz im Archiv des Deutschen Museums in München auf einen Hinweis auf das „Verzeichnis der Feuerwehren des Bayerischen Landesfeuerwehr-Verbandes“ von 1909 gestoßen war.

Damals wurde als Gründungsjahr „1868“ festgelegt, da eine genaue Herkunft auch noch unbekannt war. Dies erklärt auch die weiteren Gründungsfeste in Waging zum 120-jährigen Bestehen im Jahr 1988 und das 150-jährige Jubiläumsfest vor vier Jahren. Ein Hauptgrund ist allerdings, dass man den Unterschied von „Freiwilliger Feuerwehr“ und „Löschanstalt“ nicht mehr wusste.

Vor der Gründung der Feuerwehren wurde natürlich auch Feuer bekämpft. Rechtsgrundlage war die Feuerlöschordnung für Märkte und Gemeinden. Danach musste die Gemeindeverwaltung sogenannte „Feuerlöschrequisiten“ beschaffen. Verantwortlich war der Gemeindevorsteher, also der Bürgermeister. Gegen dieses Löschinstitut, also diese Einrichtung der Obrigkeit, gründete man – heute würde man sagen – eine Einrichtung von unten, die sich „freiwillige Feuerwehr“ nannte. In der Monarchie, also im Obrigkeitsstaat, noch dazu nicht lange nach der Revolution von 1848 und unter teilweise stark (oft frei denkender) Turnverein-Beteiligung in einigen Städten, war dies vielen ein Dorn im Auge. Im Gegensatz zu Armee und Polizei, deren Führungskräfte von der Obrigkeit bestimmt wurden, war die freiwillige Feuerwehr eine „Bewegung von unten“.

Man wählte in der freiwilligen Feuerwehr („freiwillig“ nach der damaligen Rechtschreibung übrigens kleingeschrieben) die Führungskräfte selbst. Außerdem wurde erkannt, dass eine ausgebildete und eingeübte Feuerwehr viel schlagkräftiger und erfolgreicher war als die herkömmliche Löschanstalt mit der zur Hilfeleistung verpflichteten, aber nicht ausgebildeten Bevölkerung.

Bereits 1873 nach einem gefährlichen Brand beim „Bäckermeister Ellinger“ in Waging verwendete der Waginger Bürgermeister den Ausdruck „Feuerwehren“ auch für die zu Hilfe kommenden Löschkräfte aus den umliegenden Gemeinden, die eigentlich noch keine offiziell gegründete Feuerwehr hatten, wie die anwesenden Feuerwehren Otting, Taching, Wonneberg, Tettenhausen, Tengling, Petting, Törring, Teisendorf, Traunstein-Stadt, Traunstein-Saline sowie die alarmierten, aber wegen zu weiter Entfernung nicht mehr erschienenen Feuerwehren aus Laufen und Oberndorf.

Spritzenzug und Demolierer mit Schutzanzügen ausgerüstet

Nachdem dann am 20. Juni 1872 die freiwillige Feuerwehr Waging offiziell gegründet werden konnte, begann auch der „offizielle Aufbau“. Nach dem Prinzip „Gehorche deinem Vorgesetzten“, wurde die Feuerwehr hierarchisch aufgebaut. Es gab einen gewählten Kommandanten, einen Adjutant als Stellvertreter, Zugführer, Rottenführer (heute würde man diese als Gruppenführer bezeichnen), sowie die Mannschaft. Diese war aufgeteilt in einen Spritzenzug, einen Steigerzug (Leitermannschaft), einen Ordnungs- und Sanitätsdienst, sowie „Demolierer“ (Abräumdienst).

Die Feuerwehrleute wurden uniformiert und dadurch beim Einsatz erkennbar. Einige dieser historischen Schutzanzüge sind im Waginger Feuerwehrmuseum noch zu bewundern. Im Laufe der Jahre entwickelte sich diese besonders seit den 1960er Jahren zur modernen persönlichen Schutzbekleidung wie wir sie heute kennen. Besonders interessant ist, dass es heutzutage die Bezeichnungen Kommandant, Zugführer und Gruppenführer immer noch gibt, wenn auch mit teilweise anderem Aufgabenbereich als damals.

Auch könnte man den Sanitätsdienst als Vorgänger der Ersthelfergruppe „First-Responder“ bei medizinischen Einsätzen und der damaligen „Steiger“ nun als die Drehleitermaschinisten bezeichnen. Die erste „Balance-Leiter“ konnte dann auch schon im Jahre 1899 in Waging neben mehrerer Saug- und Druckspritzen in Dienst gestellt werden. Diese wurde bis in die 1960er Jahre vorgehalten und befindet sich immer noch im Besitz des Feuerwehrvereins.

Auf dem neuesten Stand der Technik folgten ihr allerdings im Jahre 1982 eine Anhängeleiter AL 18, sowie eine Drehleiter DLK 18-12 CC (1990) mit 24 Meter Rettungshöhe. Seit dem 150-jährigen Gründungsfest ist eine Drehleiter DLA-K 23-12 mit 32 Meter Rettungshöhe im Einsatzdienst.

Vier Generationen von Feuerwehrdrehleitern in Waging: Balance-Leiter (1899), Anhängeleiter AL 18 (1982), Drehleiter DLK 18-12 CC (1990) und die aktuelle Drehleiter DLA-K 23/12

„Zeus“ schleuderte seine Blitze über die Teisendorfer Kameraden

In der Chronik der Feuerwehr Teisendorf von 1872 wurde übrigens auch schon auf die „Kameradschaftspflege“ bei dem Treffen in Waging verwiesen: „Die Zeit verging schnell u. videll vorüber u. kaum daß man sich umsah war die Zeit gekommen aufzubrechen um nach Hause zu kommen, da auch der Himmel sich mit einem sehr düsteren Gesichte versah u. ein dumpfes Grollen u. Zucken von sich ausgehen ließ. Er ließ auch gar nicht lange auf sich warten u. gräßlich ließ Zeus seine Blitze auf die heim kehrenden Feuerwehrmänner fahren u. deutlich zeugte sich vom dunklen Himmel welcher gewitherte der Zorn den Zeus herunterschleuderte auf eine Wohnung in Österreichs Gauen. Gedämpft von den Fluthen des Himmels kamen die Feuerwehrmänner nach Hause um das erlebte noch einmal im Kreise ihrer Kameraden zu besprechen“.

Im damaligen Pressebericht wurden die ersten Waginger Feuerwehrmänner mit den Worten ermutigt: “Mögen sie mutig fortschreiten auf dem betretenen Wege, sie werden es nur zu ihrem und ihrer Mitbürger wohl thun, dann sind sie auch am sichersten vor großen Brandunglücken geschützt“. An dieser Einstellung hat sich in den letzten 150 Jahren bei der Waginger Feuerwehr nichts geändert, auch wenn sich die Aufgabengebiete bei Einsätzen neben Bränden zu Einsätzen in der technischen Hilfeleistung und im Umweltschutz vermehrt haben und natürlich auch die technische Ausrüstung seither immer wieder verbessert hat – und natürlich seitdem auch Frauen und Jugendliche „Einzug“ in die Feuerwehrarbeit genommen haben.

Pressemitteilung der Freiwilligen Feuerwehr Waging

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