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„Es kann losgeradelt werden“

Mit dem Handbike durch den Chiemgau: sieben neue Routen für Menschen mit Handicap

Sieben neue Handbike-Touren für Menschen mit Handicap sind im Chiemgau entstanden.
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Sieben neue Handbike-Touren für Menschen mit Handicap sind im Chiemgau entstanden.

Der Chiemgau ist seit 2015 eine vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zertifizierte RadReiseRegion. Diese Auszeichnung war für Chiemgau-Tourismus ein Ansporn, Radangebote für alle Bevölkerungsgruppen zu entwickeln.

Waging am See – In jahrelangen Bemühungen sind nun auch sieben Handbike-Touren entstanden, die ganz auf die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap zugeschnitten sind. Entwickelt und mehrfach getestet wurden sie von Handbikern aus der Region. Bei einer kleinen Feier, zu der Chiemgau-Tourismus nach Waging ins Landhaus Tanner eingeladen hatte, wurden die Touren jetzt offiziell eröffnet.

Begrüßt wurden die Gäste von Evi Bernauer, Leiterin der Touristinfo Waging zuständig für den Tourismus rund um den Waginger See. Sie sei froh, dass ihre Region mit einer Tour bei dem Projekt dabei ist und verspricht sich daraus einen Mehrwert für die Gäste, die nach Waging kommen.

„Es kann losgeradelt werden“, das sei die gute Botschaft, so Bernauer. „Wir haben hier etwas neues geschaffen für Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen und Fortbewegungsmitteln“, so Stephan Semmelmayr, Geschäftsführer von Chiemgau-Tourismus. „Inklusion ist eine gesellschaftliche Veramtwortung, der wir uns als Tourismusverband auch stellen“. Semmelmayr erinnerte kurz an die Entstehungsgeschichte des Projektes, das von Sepp Maier aus Hart vor gut vier Jahren angestoßen wurde. Auch Julia Lang, Mitarbeiterin von Chiemgau-Tourismus habe damals angeregt, die Angebote für Menschen mit Handicap zu verbessern.

Lang hat dann gemeinsam mit Michael Dyckerhoff, selbständiger Tourismusberater mit viel Erfahrung mit Menschen mit Einschränkungen, das Projekt betreut. „Ich habs mit Herzblut gemacht“ so Dyckerhof, der auch anwesend war. Es sei faszinierend, mit Rollstuhlfahrern zu arbeiten. „Gemeinsam haben wir schöne Touren zusammengebracht“, so sein Fazit. Dyckerhoff hofft, dass das Projekt Nachahmer findet und berichtete von ersten Interessensanfragen aus dem Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land.

Bei der Ausarbeitung der Touren hat Dyckerhoff eng zusammengearbeitet mit den aktiven Rohlstuhlfahrerinnen Gerda Pamler aus München und Christiane Wessler aus Laufen sowie Martin Braxenthaler aus Surberg, erfolgreicher Monoskifahrer und Goldmedaillengewinner bei paralympischen Spielen. Sie haben die neuen Routen mehrfach gestestet. Braxenthaler fand es schön, das aus der 2017-2018 erstmals angesprochenen Idee etwas entstanden ist, das man stolz nach außen tragen kann. „Das ist ein Projekt für die ganze Gesellschaft, nicht nur für Menschen mit Handicap“, so der Ausnahmesportler und Motivationstrainer.

Haben zum Gelingen des Projekts „Handbike-Touren“ beigetragen: v.l.n.r.(vordere Reihe): Gerda Pamler, Christian Wessler, Martin Braxenthaler, (hintere Reihe: Werner Fertl, Julia Lang, Stephan Semmelmayr, Michael Dyckerhoff.

Menschen seien individuell, vor allem die mit Behinderungen. Deshalb müsse für jeden bis auf den schwächsten etwas geboten sein. Auch er wünschte sich Projektnachahmer über die Region und Bayern hinaus. Das sah auch Julia Hümler vom Tourismusverband München-Oberbayern so, die extra aus München angereist war, um sich das Ergebnis anzusehen. „Absolut profitabel“ so ihr Fazit, wobei sie damit sowohl die profihafte Ausführung als auch den Mehrgewinn durch das Projekt für die Menschen und die Region meinte.

Begrüßt wurde das Projekt auch von Seiten der Kommunapolitik. Der Tittmoninger Bürgermeister Andreas Bratzdrum war auch nach Waging gekommen, weil ihm das Projekt wichtig ist. „Unsere Heimat soll erlebbar für alle sein“,so seine Überzeugung. Auch Werner Fertl, Beauftragter für Senioren und Menschen mit Behinderung des Landkreises Traunstein fand es gut, dass sich der Tourismus so für Menschen mit Einschränkungen engagiert. „Das bringt allen etwas. Wir werden alle älter und haben Barrieren vor uns“. Die Planung der Touren wurde durch das Leader Förderprogramm unterstützt. Dafür bedankte sich Geschäftsführer Semmelmayr bei Kolja Zimmermann, Leadermanager für Chiemgauer Alpen. 

Das Spektrum der sieben Touren mit einer Gesamtlänge von 134 Kilometern reicht von gemütlichen Seeumrundungen mit Badepausen am Waginger, Obinger und Abtsdorfer See bis hin zu anspruchsvollen Halbtagestouren, auf denen E-Unterstützung und Profilreifen von Vorteil sind. So kann die Bilderbuchgegend zwischen Waginger See, Tittmoning, Fridolfing  und der Salzach an der deutsch-österreichischen Grenze erkundet werden.

Oder die Gegend südlich des „Bayerischen Meeres“, um Siegsdorf, Bergen und Staudach_Egerndach, die von den Eiszeitgletschern geformt ist. Entlang der Wege gibt es viele barrierefreie Angebote und Einrichtungen am Wegrand, Traditionswirtshäuser, Strandbäder, Toiletten. Alle Wege sind geeignet für das Befahren mit Rollstuhl, Handbikes, Rollatoren, Kinderwagen und dürfen natürlich auch von Fahrradfahrern genutzt werden. 

Alle Anwesenden waren sich einig, dass dies nur ein Anfang, wenn auch ein sehr guter, sein kann und sich das Tourennetz dynamisch weiterentwickeln soll. „Wir wollen ein rundum stimmiges Gesamterlebnis und wollen noch besser werden“, so Claudia Kreier Leiterin Unternehmenskommunikation bei Chiemgau-Tourismus. „Für jeden zukünftige Hinweis sind wir dankbar.“

kon