So heiß wurde diskutiert

Ampeln, Seebad, Biomasse: Bürgerversammlung in Tettenhausen

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Fritz Schittenhelm bei der Bürgerversammlung Tettenhausen.

Tettenhausen/Waging am See - Gut 70 Bürgerinnen und Bürger waren in die Seebadgaststätte „zum Boadwirt“ in Tettenhausen gekommen, um den Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters zu hören und dem Rathauschef ihre Anliegen, Wünsche und Anregungen vorzutragen.

Unter den Anwesenden konnte Baderhuber auch Pfarrer Konrad Roidner, Kreisrätin Magdalena Obermayer, Vereinsvorstände, Leiter von Feuerwehr und Wasserwacht, zahlreiche Gemeinderäte sowie Mitarbeiter der Verwaltung begrüßen.


In seinem ausführlichen Rechenschaftsbericht zu den Geschehnissen in der Gemeinde Waging am See im vergangenen Jahr (wir berichteten) ging Baderhuber auch auf spezielle Tettenhausener Themen ein. So wird der Brandschutz am Alten Schulhaus in Tettenhausen, wo jetzt die Mutter-Kind-Gruppe untergebracht ist, ertüchtigt. Der Kindergarten Tettenhausen wird um einen Anbau erweitert, so dass dort zwei weitere Krippengruppen untergebracht werden können. In diesem Zusammenhang fragte Annemarie Vordermayer, wo der Kinderspielplatz für Tettenhausen, der dem Erweiterungsbau weichen muss, dann eingerichtet wird. „Wir werden einen anderen Standort suchen“, so der Rathauschef und versprach, dass sich die Gemeinde darum kümmern werde. 

Anton Huber monierte die mit 1,8 Millionen Euro extrem hohen Kosten, die für die Baumaßnahme eingeplant sind. Er könne sich nicht vorstellen, warum das so teuer sein sollte. Das sei leider so, antwortete Baderhuber. Alois Vordermayer schlug angesichts dieser Kosten vor, einen privaten Investor zu suchen, der mit Sicherheit billiger bauen würde. Von diesem könnte die Gemeinde das Gebäude dann mieten. Das sei durchaus ein überlegenswerter Ansatz, so Baderhuber, die Weichen seien aber anders gestellt worden und die Zeit eile, weil man die Betreuungsplätze benötige. 


Fritz Schittenhelm wollte wissen, warum die Gebühren für die Kinderbetreuung heraufgesetzt wurden. Dies sie notwendig geworden, weil durch die in Waging extrem niedrigen Kindergartenbeiträge in der Vergangenheit sehr hohe Defizite aufgelaufen sind, die den Haushalt der Gemeinde belasten. Da seit April 2019 aber für jedes Kindergartenkind vom Freistaat ein Zuschuss von 100 Euro gewährt werde, wird sich die Belastung der Eltern in allen Fällen trotz der höheren Gebühren verringern, erklärte Gemeinderätin Magdalena Obermayer.

In seinen Ausführungen ging der Bürgermeister auch auf das neue Biomasseheizwerk in Tettenhausen ein. Es laufe mittlerweile störungsfrei und zuverlässig. Vor ein paar Tagen sei es mit Schallschutzdämpfern nachgerüstet worden, im Mai werde der Einbau einer automatischen Ascheaustragung erfolgen. Zudem werde die neue Hackschnitzelausschreibung erarbeitet und öffentlich ausgeschrieben. Im letzten Jahr seien zwei weitere Gebäude in Tettemhausen an das Fernwärmenetz angeschlossen worden, zwei weitere Anschlüsse seien in Planung. Auch das neue Baugebiet „Tettenhausen Ost“ soll angeschlossen werden. Um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern und die Netzausnutzung zu optimieren, sei eine Netzberechnung beauftragt worden. 

Biomasseheizwerk sorgt für rege Diskussion

Josef Frisch zeigte sich in der anschließenden Diskussion verärgert: „Seit es das neue Biomasseheizwerk gibt, funktioniert die Hackschnitzellieferung nicht mehr“, so Frisch. Die Qualitätsanforderungen an die Lieferanten seien zu hoch, die Preise viel zu niedrig. Man würde es vorziehen, die Hackschnitzel von weit her anzukarren, als vor Ort zu kaufen. Er verstehe den Unmut, so der Bürgermeister, aber man müsse nun mal nach den allgemeinen Vergabebedingungen öffentlich ausschreiben. Zudem seien die Holzpreise in der letzten Zeit stark gefallen. Hubert Tieber beklagte die hohen Preise, die die Abnehmer für die Fernwärme zahlen müssten. Diese seien deutlich höher als bei vergleichbaren Einrichtungen in anderen Ortschaften in der Umgebung. In einem Gespräch mit Bürgermeister Matthias Baderhuber und der Leiterin der Gemeindewerke Patricia Hunde hätten er und Michael Schittenhelm das Thema Preise erörtert. 

Man habe zugesagt, dass diese angepasst würden. Die Wärmeabnehmer müssten aber Einsicht in die Wirtschaftlichkeitsberechnung und den Jahresabschluss bekommen. „Wäre super, wenn die Leiterin der Gemeindewerke uns Abnehmer auf den neuesten Stand bringen würde“ so Tieber. „Wir sind dabei den Jahresabschluss für 2018 zu machen“ erwiderte Hund. Sobald er fertig sei, würde man ihn veröffentlichen. Er sei die ständige Kritik an „einer der genialsten Einrichtungen der Gemeinde“ leid, so Peter Beisser in seiner Wortmeldung. Hier wurde etwas für die Umwelt, den Klimaschutz und Allgemeinheit getan, wie es Aufgabe der Kommunalpolitik sei. Daran solle man nicht ständig nörgeln.

So steht es um das Seebad Tettenhausen

Der Rathauschef informierte auch kurz zum Seebad Tettenhausen: „Wenn der Pächter eine Badeaufsicht auftreibt, kommt der Sprungturm wieder“, so Baderhuber. Die Badeplattform habe man abbauen müssen, weil zwei Pfosten kaputt gewesen wären. Zu dem geplanten Wanderweg „Dahoam is dahoam“ sei noch keine endgültige Entscheidung im Gemeinderat gefallen. Es werde dazu noch im Februar eine Veranstaltung in Tettenhausen geben, um das Projekt vorzustellen und die Meinung der Bürgerinnen und Bürger zu erfahren. „Wir brauchen diesen neuen Wanderweg nicht“ so die klare Meinung von Hans-Peter Knesovic. Damit würden viele Naherholungssuchende angelockt, die für Tettenhausen nur eine Belastung seien, aber keinen wirtschaftlichen Gewinn bringen würden. 

Auch Josef Frisch sieht das Projekt kritisch und mahnte, dass der Weg, sollte er denn kommen, nur auf bereits bestehenden Pfaden geführt werden dürfe und nicht durch unberührte Gebiete. Lob hatte Josef Frisch für die Verabschiedung der neuen Hundesatzung durch den Gemeinderat. Allerdings erwarte er, dass diese nun auch umgesetzt würde und Hunde nur mehr angeleint ausgeführt werden dürften. Das sei leider nicht ganz so, musste ihn Bürgermeister Baderhuber enttäuschen. Hunde bis zu einer Schulterhöhe von 50 Zentimeter dürften immer frei laufen. Zudem gelte die Satzung nur für öffentliche und nicht für private Flächen.

Viele Themen kritisch angesprochen

Stefan Kühnhauser sprach als Bauer die Grundwasser-Nitratbelastung an. Man würde vor allem die Bauern für die hohe Belastung verantwortlich machen. Wie stehe es aber mit dem Nitrateintrag durch andere Einrichtungen in der Gemeinde? Hier habe die Gemeinde bestimmt auch noch Hausaufgaben zu machen, so der Bürgermeister, man könne die Schuld nicht nur bei den Bauern suchen.

Klaus Obermayer kritisierte die Ampellösung bei der Kreuzung von der Staatstrasse 2105 nach Tettenhausen. Er befürchtet, dass eine Ampel zu langen Staus Richtung Tettenhausen führen wird. Dies sah auch Ludwig Patz so. Eine Ampel bedeute Energieverbracuh und lange Wartezeiten. Die bessere Lösung wäre ein Kreisverkehr, in dem der Verkehr fließen würde. „Eine Ampellösung ist vergleichsweise schnell zu haben, ein Kreisverkehr steht in den Sternen“, so die Antwort der Gemeinde- und Kreisrätin Magdalena Obermayer.

Mit dem Hinweis des Bürgermeisters auf das 100-jährige Gründungsfest der Krieger- und Soldatenkameradschaft Tettenhausen vom 10. bis zum 13. September schloss die Versammlung.

kon

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