Pressemitteilung Freiwillige Feuerwehr Waging

Stiftungstag der Waginger Feuerwehr

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Vier Generationen Drehleiter in Waging.

Waging am See - Der 20. Juni 1872 ist für die Freiwillige Feuerwehr Waging am See als "Stiftungstag" von besonderer Bedeutung.

Mit einer Urkunde vom "Landes-Feuerwehr-Verband" wurde der damaligen "freiwilligen Feuerwehr Waging" bestätigt, dass sie auf dieses Datum gegründet und in die "Grundliste" desselben eingetragen wurde. Ausgestellt wurde diese Urkunde allerdings erst am 1. Januar 1899. Mit der Bestätigung der offiziellen Gründung der Waginger Feuerwehr hat es damals von behördlicher Seite also auch etwas gedauert. Hinzu kommt, dass die Feuerwehr Waging vor zwei Jahren ihr 150-jähriges Gründungsfest feierte. Also eigentlich eigentlich vier Jahre zu früh vor dem eigentlichen Gründungsjubiläum. Das erste richtige "Feuerlöschrequisitenhaus" in der Bahnhofstraße wurde allerdings schon im Jahre 1858 errichtet. Somit ist also die Feuerwehr älter, obwohl sie offiziell zu früh ihr Gründungsfest feiert. Obwohl damals vielerorts schon vor der Eintragung "unfachlich" als Feuerwehr gesprochen wurde, gab es Gemeindespritzen in allen Ausführungen schon vor der Eintragung. Viele Feuerwehren feiern eben das Eintragungsjahr beim Verband als Gründungsjahr. Es gibt aber auch durchaus einige, die auch heute noch vom Stiftungsfest sprechen.


Als Hintergrund dieser verschiedenen Gründungsjahre gibt es mehrere Gründe. Es fehlen oft Unterlagen aus der Gründerzeit, die im Laufe der Jahre verloren gingen. Das "richtige Gründungsdatum" der Waginger Feuerwehr konnte erst nach dem 100-jährigen Gründungsfest im Jahre 1968 eruiert werden. Das damalige aktive Mitglied und heutige Ehrenmitglied Hans Rentz ist im Archiv des Deutschen Museums in München auf einen Hinweis der Gründung im "Verzeichnis der Feuerwehren des Bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes" von 1909 gestoßen.

Seit den Stadtgründungen des frühen Mittelalters bis ins 19. Jahrhundert hinein folgte die Organisation des Feuerlöschwesens in Stadt und Land einem schlichten Leitsatz: Alle müssen helfen! Hinzu kommt, dass es natürlich schon vor dem offiziellen Gründungsdatum eine Feuerwehr in Waging gegeben hat. Diese hatte allerdings die Bezeichnung "Gemeindliche Löschanstalt" und verfügten auch bereits schon über handbetriebene Gemeindespritzen. Bei "Feuerlärm" mussten nicht ausgebildete und nicht trainierte Einwohner und somit Mitglieder dieser Löschinstitute zur Brandstelle kommen und helfen. Beim großen Brand in Traunstein im Jahre 1851 waren unter anderem bereits die Feuerspritzen aus Gessenberg, Tettelham und Waging eingesetzt.


Im Einsatz waren zur damaligen Zeit auch sogenannte "Feuerreiter"“. Die ursprüngliche Aufgabe dieser Feuerreiter war das "Anbeten" und "Beschwichtigen" eines Feuers. In späteren Zeiten wurden diese jedoch zur Alarmierung in umliegenden Gemeinden eingesetzt, um weitere Löschmannschaften. Die Gründung von organisierten freiwilligen Feuerwehren war jedoch unter anderem von der Bevölkerung und teilweise auch von der Kirche scharf beäugt worden. Wurden doch Brände, welche unter anderem durch Blitzschlag ausgelöst wurden, als "Strafe Gottes" besehen.

Mehrere damals bereits "offiziell" bestehende Feuerwehren haben einen besonderen Einfluss auf die Gründung der Waginger Wehr.In einem Pressebericht vom 3. April 1872 wurde in der Generalversammlung der "freiwilligen Feuerwehr Laufen" darauf hingewiesen, dass der benachbarte Ort Waging eine neue Maschine ("Löschmaschine") habe. Regierungsrat Desch aus Laufen ermuntigte die Gemeindeverwaltung und interessierte Männer in ihren Bemühungen nicht nachzulassen, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Gemeinsam mit den Feuerwehren aus Teisendorf und Tittmoning erfolgte eine eindrucksvolle Präsentation der neuen Waginger Löschmaschine, welche in 4 Minuten 25 Eimer Wasser liefere und bei einer Schlauchlänge von 50 Fuß wurden 36 Schritt Wurfweite bei einer Rohrmündung von 11 Millimeter erzielt. Im Vergleich zur heutigen Fahrzeugtechnik kann man darauf hinweisen, dass das derzeitige Hilfeleistungslöschlöschfahrzeug 2000 Liter Löschwasser und das Tanklöschfahrzeug 2500 Liter Löschwasser mitführt und über eine Pumpenleistung von mindestens 20 beziehungsweise 16 bar Ausgangsdruck in der Minute verfügt.Im Jahre 1899 folgte zu den damaligen Feuerspritzen auch noch eine sogenannte "Balance-Leiter", welche von der damaligen Ausrüstungsfirma Braun aus Nürnberg als "bekannt hochsolide und reelle Bedienung" angepriesen wurde. Diese Anhängeleiter befindet sich heute noch im Besitz der FF Waging.

Wesentlichen Einfluss auf die Gründung einer Feuerwehr in Waging hatte die Nachbarfeuerwehr aus Teisendorf. Diese erhielten am "Ostersonntage den 31. März 1872 durch die Gemeinde Verwaltung Waging eine Einladung an die Freiw. Feuerwehr Teisendorf's, dass am Osterdienstag als am 2. April die von der Comune Waging für die zu gründende dortige Feuerwehr die nun angeschaffte von Hr. Strasser aus Burghausen gefertigte Saug u. Druckspritze geprüft, wozu die Feuerwehren Laufen, Teisendorf, Tittmoning freundlichst eingeladen wurden."

Laut Chronik der Teisendorfer Wehr gingen auch 12 Mann nach Waging und zeigten sich begeistert von der damaligen Löschtechnik, die in Waging zum Einsatz kommen sollte. Die Präsentation war wohl beeindruckend, da in der Teisendorfer Chronik ebenfalls vermerkt wurde: "Die Zeit verging schnell und videll vorüber und kaum dass man sich umsah war die Zeit gekommen aufzubrechen um nach Hause zu kommen, da auch der Himmel sich mit einem sehr düsteren Gesichte versah und ein dumpfes Grollen und Zucken von sich ausgehen ließ. Er ließ auch gar nicht lange auf sich warten und Gräßlich ließ Zeus seine Blitze auf die heim kehrenden Feuerwehrmänner fahren und deutlich zeugte sich vom dunklen Himmel welcher gewitherte der Zorn den Zeus herunterschleuderte auf eine Wohnung in Österreichs Gauen“.

Ein besonders Einsatzmittel aus diesen Gründungszeiten und des Stiftungsdatums ist die noch erhaltene "Feuerfahne". Bei Abbrucharbeiten im Waginger Ortskern wurde im Jahre 2011 von Michael Huber aus dem Bauschutt eine "rote Standarte" mit der Aufschrift "Waging" entdeckt. Nach ersten Nachforschungen bei der Waginger Feuerwehr stellte sich heraus, dass es sich um die seit vielen Jahrzehnten verschollenen Feuerwehrstandarte handelte. Eine Abordnung mit dem damaligen 1. Kommandanten Helmut Huber, Ehrenkommandant Alois Pfeffer, 1. Vorsitzenden Thomas Pfeffer und Schmiedemeister Alfons Schmuck machte sich auf zu Nachforschungen bei den Feuerwehren Traunstein, Trostberg und vor allem Schnaitsee welche eine Standarte in ähnlicher Ausführung besitzt. Von der nicht mehr erhaltenen Laterne der Standarte wurde eine originalgetreue Kopie erstellt. Nach Schätzungen ist das Herstellungsjahr dieser Standarte zwischen 1860 und 1870 einzuordnen und zählt zu den ersten Generation von Feuerwehrstandarten in Deutschland. Somit also wieder ein Hinweis, dass eine Feuerwehr in Waging doch schon vor dem Stiftungstag nachzuweisen ist - wenn auch nicht offiziell eingetragen. Aber grundsätzlich ist es ja doch besser, dass eine Feuerwehr früher in Erscheinung tritt als zu spät.

Pressemitteilung Freiwillige Feuerwehr Waging am See

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