Freiwillige Feuerwehr Waging

Umweltschutz- und Gefahrguteinheit stellt sich vor

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Auffangen von Gefahrstoff, Übung in Waging, Trupp geht unter Chemikalienschutzanzügen vor

Waging am See - Gefahrstoffe und -güter kennt jeder aus dem Alltag. Bestimmt hat jeder schon auf der Straße Lkw mit Gefahrgutkennzeichnung gesehen.

Diese orange Gefahrentafel besteht aus zwei Nummern. Die obere Nummer, die sogenannte Kemmlerzahl gibt die Gefahr an, zum Beispiel 30 für einen entzündbaren, flüssigen Stoff. Die untere Nummer heißt UN-Nummer und gibt die Gefahrstoffbezeichnung an.Zusätzlich gibt es Gefahrenzettel die uns symbolisch die Gefahrengruppe zeigen, wie explosive Stoffe, Gase, entzündbare Flüssigkeiten, ätzende und giftige Stoffe. Als ABC-Schutz bezeichnet man deshalb den Schutz vor diesen atomaren, biologischen und chemischen Gefahren.


Das Vorgehen bei Gefahrgutunfällen und der damit verbundene Umweltschutz hat bei der Feuerwehr schon immer einen hohen Stellenwert. Aber nicht nur die Gefahrenbehebung, sondern auch die sogenannte Dekontamination nimmt einen großen Stellenwert ein. Um den Einsätzen gerecht zu werden, wurden in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem bei der Feuerwehr Waging verschiedene Ausrüstungsgegenstände beschafft und die Mannschaft entsprechend ausgebildet.

Bereits 1974 stellte der Freistaat Bayern ein Katastrophenschutzboot der Waginger Feuerwehr zur Verfügung.Einsatzgebiet für dieses "K-Boot" war vor allen die sogenannte "Ölwehr" auf dem Waginger und Tachinger See, dem Chiemsee (Transalpine Ölleitung) und der Salzach. Derartige Einsätze sind bis heute sehr umfangreich, treten aber Gott sei Dank selten ein. Sie reichen von Heizölaustritt mehrerer tausend Liter über beschädigte Erdgasleitungen, Öl auf Gewässern, Gasgeruch in Wohnungen, Ammoniakaustritt, Granatenfunde bis hin zu Gefahrgutunfällen mit Lkw.


Eine etwas 12-köpfiges Team in der FF Waging ist derzeit mit diesem Aufgabengebiet besonders betraut. Gefahrgutberater und verantwortlicher "Kopf" davon ist Zugführer Martin Pöllner. Er ist ausgebildet als Führer im ABC-Einsatz, in Messtechnik und Strahlenschutz. Von Berufs wegen bringt er Wissen in Chemie und Mikrobiologie mit. Seine Aufgaben sind die Durchführung von Aus- und Fortbildungen, Gefahrenbeurteilung im Feuerwehrgerätehaus, sowie die Beratung des Einsatzleiters im Schadensfall. Weitere Mitglieder dieser Gruppe verfügen über Sonderausbildungen, welche sie sich an den Staatlichen Feuerwehrschulen in Regensburg und Geretsried in verschiedenen Lehrgängen angeeignet haben. Auch Übungstage bei den Werkfeuerwehren Wacker Burghausen und Chemiepark Gendorf in Burgkirchen, sowie intern in Waging durchgeführte Spezialausbildungen wurden bereits abgehalten.

Der Einsatzleitwagen ELW 1 - das erstausrückende Fahrzeug mit dem Kommandanten bzw. Einsatzleiter mit dem Führungstrupp - verfügt über diverse Nachschlagewerke und Mehrgasmessgeräte für Kohlenmonoxid, Erdgas, Ammoniak, Sauerstoff und Explosionswarnung. Außerdem über Öltest- und pH-Indikatorpapier zum Bestimmen von Säuren und Laugen.

Die benötigten Schutzausrüstungen werden in Hilfelleistungslöschfahrzeug HLF 20/16 und Tanklöschfahrzeug TLF 16/25, sowie in einem Gefahrgutanhänger mitgeführt. Darin befindet sich Spezialwerkzeug für Mineralölunfälle, Abdichtmaterial, diverse Gefahrgutpumpen und Schläuche, Ölsperren für Seen und Bäche, sowie Gerätschaften zum Erden des Materials und Auffangbehältnisse für etwa 12.000 Liter Gefahrstoffe.

Wie läuft ein Gefahrguteinsatz jedoch in der Praxis ab?

Erste Maßnahmen sind schon bei der Anfahrt der Einsatzfahrzeuge zu beachten, da diese in einem gewissen Sicherheitsabstand zum Unfallort abgestellt werden müssen. Wichtig ist hier die sogenannte GAMS-Regel (Gefahr erkennen, Abstand einhalten, Menschenrettung durchführen und Spezialkräfte anfordern).

Zum Schutz der vorgehenden Einsatzkräfte stehen verschiedene Schutzanzüge in Waging zur Verfügung. Neben dem regulären Feuerwehrschutzanzug mit Kontaminationsschutzhaube und umluftunabhängigem Atemschutzgerät sind diverse Flüssigkeitsschutzanzüge und Chemikalienschutzanzüge vorhanden. Laufende Messungen in der Umgebung sind natürlich unabdingbar. Im größeren Schadenfall können diverse Werkfeuerwehren mit weiterer Spezialausrüstung sowie der Fachgruppe Messzug des Landkreises Traunstein hinzugezogen werden. Zum Einsatzerfolg trägt natürlich neben einer Menschen- und Tierrettung die Säuberung von Personen und Geräten mittels der mitgeführten Dekontaminationsdusche bei, bevor die Einsatzstelle wieder an die zuständigen Stellen übergeben werden kann.

Pressemitteilung Freiwillige Feuerwehr Waging

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