Waginger Sänger versteht Proteste nicht

"Nicht mehr fair": Für Alex Diehl ist die EU-Urheberrechtsreform längst überfällig

Zehntausende protestieren gegen die EU-Urheberrechtsreform und Artikel 13, doch Sänger wie der Waginger Alex Diehl unterstützen die Reform. 
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Alex Diehl spielt heuer noch zwölf Akustik-Konzerte im Rahmen seiner "Bretter-meiner-Welt"-Tour. Unter anderem ist er am 25. Mai im Münchner Backstage und am 4. August beim Soundhorn-Festival in Niederhofen/Oberpfalz. Im Frühjahr 2020 will Diehl ein neues Album veröffentlichen. 

Waging/Straßburg - Zehntausende auf den Straßen gegen die EU-Urheberrechtsreform, doch Alex Diehl meint: "Den Leuten wird nur Angst gemacht". Warum der Songwriter die Reform unterstützt.

Am Wochenende fanden die Proteste gegen die EU-Urheberrechtsreform einen vorläufigen Höhepunkt: Allein in München demonstrierten bis zu 40.000 Menschen gegen die Reform und speziell gegen Artikel 13, in dem der Einsatz von Uploadfiltern bei Plattformen wie Youtube oder Facebook geregelt ist. Beim Waginger Songwriter Alex Diehl stößt das alles auf wenig Verständnis.


Artikel 13: "Den Leuten soll Angst gemacht werden"

Protest gegen das geplante Urheberrecht in München. Nach dem EU-Parlament müssen auch die Regierungen noch zustimmen. 

"Den Leuten soll nur Angst gemacht werden", so Diehl gegenüber chiemgau24.de. Die Angst vor Zensur und dem Ende des Internets gehe um, wenn bei Youtube oder Facebook automatisch überprüft werde, ob beim Hochladen von Videos das Urheberrecht tangiert wird. "Diese Uploadfilter gibt es schon immer. Auch wenn ich ein Musikvideo hochlade, wird das noch manchmal temporär gesperrt, weil sich Facebook noch nicht sicher wegen der Urheberrechte ist."

Aus Alex Diehls Sicht ist die EU-Urheberrechtsreform längst überfällig. Der einfache Grund: Youtube lebt von Musik und den Künstlern, gibt aber nur Peanuts an diejenigen ab, die die Musik machen. Diehl nennt ein Beispiel: "Mein Musikvideo 'In meiner Seele' hat über fünf Millionen Aufrufe. Es gibt eine Vereinbarung zwischen Youtube und der Gema, aber die ist auf freiwilliger Basis und bringt uns lächerlich winzige Beträge." 


Fünf Millionen Klicks bei Youtube - ein kleiner Restaurantbesuch

Pro Klick aufs Video bekämen die Künstler - große wie kleine - weniger als einen tausendstel Cent. Von den fünf Millionen Klicks auf das Video "kann ich mir also gerade mal einen kleinen Restaurantbesuch leisten", so Diehl: "Das ist nicht mehr fair." Dabei mache Youtube jährlich einen Umsatz von 25 Milliarden Euro mit Musik. Durch die Urheberrechtsreform soll es fixe und pauschale Lizenzabgaben für die Musiker, Komponisten oder Autoren geben

"Wir wollen einfach, dass bei uns was hängenbleibt", so Diehl, der beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2016 mit seinem Song "Nur ein Lied" Zweiter wurde. Manche Politiker, wie der CDU-Abgeordnete Daniel Caspary, vermuten, dass die Proteste gegen die EU-Urheberrechtsreform von den Internetkonzernen selbst massiv unterstützt werden, weil sie durch die Pauschalen für Künstler und Musiker höhere Ausgaben hätten.

Wie Musiker wie Alex Diehl ihr Geld verdienen

"Die Musik im Netz ist nichts mehr wert", weiß Alex Diehl. Wovon leben Musiker dann? Vom klassischen Geschäft: den Konzerten. "Da bleibt was übrig. Früher wurden Konzerte gespielt, um den Albenverkauf voranzutreiben. Heute ist es umgekehrt, man stellt die Musik ins Netz um für die kommende Tour zu werben", so Diehl. Von Youtube, Spotify, Facebook und Co. kommt bisher dagegen so gut wie gar nichts. 

xe

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