Zweifel an der Geschichte 

Hat es den Waginger Lebensretter wirklich gegeben? 

  • schließen

Waging/München - Am Montag und Dienstag berichteten wir über einen Facebook-Aufruf, der in der ganzen Region geteilt wurde. Nun wachsen Zweifel an der Geschichte. 

UPDATE 14.40 Uhr: Auch Radiosender Bayernwelle zweifelt die Geschichte an

Auch der Radiosender "Bayernwelle", der ebenso wie unsere Portale über den Facebook-Eintrag auf der Spotted-Seite berichtete, zweifelt die Geschichte mittlerweile an

So wisse auch im Krankenhaus Traunstein niemand von einem solchen Fall mit einer Vierjährigen, der sich am 3. Juli in Waging abgespielt haben soll. 

Bei dem angeblichen Lebensretter, der sich nun über die "Spotted: Facebook und Umgebung"-Seite gemeldet haben soll, handele es sich um einen Johannes aus Grabenstätt. Doch mehr Informationen seien bislang nicht herauszubekommen. Auch unsere Redaktion versuchte den Administrator der Facebook-Seite dazu zu bewegen, einen Kontakt herzustellen - vergeblich. 

"Die Redaktion versucht seit gestern Abend die Mutter zu erreichen, aber sie reagiert weder auf Anrufe, noch auf Nachrichten", meldet die Bayernwelle. 

Wir selbst hatten am Dienstagabend noch über Facebook Kontakt mit der Frau, doch anders als zugesagt, konnte sie uns keine Belege für ihre Geschichte liefern. Ihre Aussagen zur Behandlung und zum Klinikaufenthalt ihrer Tochter waren sehr dürftig. 

Update am Mittwoch: Notrufzentrale kennt den Fall nicht

Leider bestehen mittlerweile Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Geschichte über den Lebensretter von Waging. Für uns als Redaktion ist Glaubwürdigkeit entscheidend. Daher möchten wir Sie, unsere Leser, bei denen die Artikel eine große Aufmerksamkeit fanden, über diese Entwicklungen informieren.

Wir haben am Dienstagnachmittag durch einen Anruf bei der Integrierten Leitstelle Traunstein, die für Notrufe in der Region zuständig ist, erfahren, dass ein solcher Fall mit einem 4-jährigen Mädchen niemandem dort bekannt sei.

Daraufhin haben wir die Mutter des Kindes kontaktiert, die uns versicherte, am Abend Dokumente zu schicken, die ihre Version der Geschichte belegen. Später erhielten wir lediglich einen Ausschnitt aus einem Befundbericht über eine MRT-Untersuchung, die jedoch keinerlei personenbezogene Daten beinhaltete, ebenso kein Datum. Damit lässt sich der Wahrheitsgehalt der Geschichte hiermit nicht verifizieren.

Letztlich behauptete die Mutter noch, dass der mutmaßliche Lebensretter sich mittlerweile bei der Facebook-Gruppe "Spotted: Traunstein und Umgebung" gemeldet habe. Dort nachgefragt erhielten wir vom Administrator am Dienstagabend die Auskunft, dass sich eine "Freundin des Mannes" gemeldet habe. Man war jedoch nicht bereit uns einen Kontakt herzustellen, um auf diesem Weg der Wahrheit näher zu kommen. 

Artikel am Dienstag:

Am 3. Juli brach die vierjährige Maja auf offener Straße in Waging am See zusammen. Leblos blieb das Mädchen liegen, bis ein unbekannter Mann sie reanimierte. Alles ging so wahnsinnig schnell, dass sich die Mutter bei ihm nicht mal bedanken konnte. Auch die Rettungssanitäter haben seine Personalien nicht. 

Deshalb sucht die Mutter nach dem Lebensretter. Der Aufruf auf der Facebook-Seite "Spotted: Traunstein und Umgebung" erreichte Tausende, unser Portal und der Radiosender Bayernwelle berichteten darüber. 

Jetzt hat unsere Redaktion mit Jessica R. (25), der alleinerziehenden Mutter von Maja, gesprochen. Damit sie nicht auf der Straße erkannt wird, bat sie uns auf ein Foto und ihren Nachnamen in diesem Artikel zu verzichten. 

Krampfanfall, Zunge verschluckt, Herzstillstand

Jessica lebt mit ihrer Tochter in München, besuchte an dem Tag eine Freundin in Waging. Maja sei fröhlich über die Straße gerannt und auf einen Schlag umgefallen. Erst dachte Jessica, ihre Tochter sei gestolpert, doch sie stand einfach nicht mehr auf. 

Die Kleine erlitt einen Fieberkrampf, durch den Anfall wurde sie bewusstlos, verschluckte dabei ihre Zunge - Herzstillstand! 

In Panik schüttelte die Mutter den kleinen Körper, daran erinnert sie sich noch. Um sie herum viele Passanten, die ratlos schauten, keiner sei wirklich zur Hilfe gekommen. 

"Plötzlich, wie aus dem Nichts, kam dann der junge Mann. Vielleicht 20 Jahre alt", schätzt sie. Er habe sie vom ihrem Kind weggeschoben, die Zunge befreit und dann mit der Herzmassage begonnen. 

"Vom Dialekt her muss er aus der Region kommen", ist sich die 25-Jährige sicher. Der Oberarzt in der Klinik meinte später, dass der junge Mann gewisse medizinische Kenntnisse haben müsse, auch weil er dem Kindergartenkind bei der Reanimation keine einzige Rippe brach und an die Zunge gedacht habe.

Botschaft an den Lebensretter: "Es tut mir verdammt leid" 

Was sie dem unbekannten Retter sagen möchte? "Es tut mir verdammt leid, dass ich ihn so schroff von der Seite angemacht habe, als er mich von meinem Kind wegdrängte. Jetzt weiß ich, dass er nur helfen wollte und alles richtig gemacht hat", so Jessica. Als Außenstehender habe er in der Situation einfach einen klareren Kopf gehabt. 

Für die Münchnerin steht fest: "Diesem Mann habe ich das Leben meiner Tochter zu verdanken!" 

Sie hofft, dass sie sich bei ihm auch noch mal persönlich bedanken kann. Der Unbekannte solle sich bitte bei unserer Redaktion (redaktion@ovb24.de) oder über die Spotted-Seite auf Facebook melden. 

"Die Angst kommt immer wieder hoch"

Mittlerweile geht es der kleinen Maja gesundheitlich wieder gut. Drei Wochen blieb sie zur Behandlung in der Klinik. 

Doch der Schock sitzt immer noch tief bei Jessica. "Immer wenn die Kleine mal still ist, kommt die Angst wieder hoch. Ich bin vorsichtiger geworden", erzählt die Münchnerin.

Selbst als Ersthelferin ein Leben gerettet

Als ihre Tochter zusammenbrach, war Jessica wie gelähmt. "Es gingen 1000 Gedanken durch meinem Kopf!" Ganz anders lief es ab, als sie selbst einmal Ersthelferin war. Da konnte sie klar denkend reagieren.

Zusammen mit anderen holte sie vor einigen Jahren einen verunglückten Autofahrer aus einem Wrack, rettete ihm sogar mit einen Luftröhrenschnitt das Leben. Als Altenpflegerin erkannte sie, dass er keine Luft mehr bekam und handelte mit einem auseinandergebauten Kugelschreiber. 

Der Gerettete kam später an die Personalien seiner Lebensretter und stand eines Tages vor Jessicas Haustür. Noch heute sind beide über Facebook befreundet. 

"Man kann nie genug Hilfe bekommen in solchen Momenten", ermahnt sie. Jeder, der in eine solche Situation gerät, solle seine Hilfe anbieten und fragen, ob er gebraucht werde, so ihr Appell an alle nach diesen Erlebnissen. 

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Waging am See

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser