Rehe in Petting und Kiefersfelden gerissen

Wenn das Haustier zum "Killer" wird: Diskussion um Leinenpflicht kocht wieder hoch 

Spaziergang mit dem besten Freund des Menschen im Wald
+
Der Spaziergang mit dem besten Freund des Menschen im Wald ist eigentlich etwas Schönes für beide.

Petting/Rosenheim/Kiefersfelden - Nachdem am friedlichen Alpenrand ein Rehkitz und nun nach kürzester Zeit eine Rehmutter von freilaufenden Hunden gerissen wurden, kocht einmal mehr die Diskussion um freilaufende Hunde auf Wiesen und in Wäldern hoch.

Potential zur emotionalen Aufladung der Debatte entsteht durch das ungewisse Schicksal der nun verwaisten Rehkitze in Petting. Eine Suche mit Drohne und Wärmebildkamera wurde gestartet. Bisher leider erfolglos.


Hundetrainer: Leider gibt es schwarze Schafe unter Haltern

„Solche Vorfälle sind natürlich traurig, beschämend und werfen kein gutes Licht auf den besten Freund des Menschen“, teilte Hunde-Physiotherapeut Andreas Klarl gegenüber chiemgau24.de mit. Er ist neben seiner Tätigkeit als Physiotherapeut der erste Vorstand des Schäferhundverein Rosenheim und bietet neben allgemeinem Einzeltraining spezifisches Anti-Jagd-Training auf seiner Seite derbegleithund.de an. Er merkt an, dass man fairerweise feststellen muss, dass nicht jeder Hund reißerisches Jagdpotential hat.

Klarl sieht es als extrem wichtig an, sich als Hundehalter einzugestehen, dass man für seinen Vierbeiner und dessen Verhalten verantwortlich ist. Wenn etwas schief geht - sei es aus Unwissenheit oder auch Ignoranz - bleibt das Ergebnis dasselbe. Sich selbst zu reflektieren und ehrlich zu sich selbst zu sein, ist unerlässlich beim Spazierengehen mit dem Hund.


Der Hundetrainer erklärt, dass sich der Hundehalter vorab im Klaren darüber sein muss, ob der Hund einen Jagdtrieb hat und ob man die Situation im Fall der Fälle zu 100% unter Kontrolle hat. Als Leitfaden stellt Klarl zwei Fragen: „Sucht der Hund meinen Blickkontakt, ist aufmerksam und lässt sich auch in für ihn spannenden Situationen abrufen, dann hört mein Hund gut, aber weiss ich ob nicht doch am Wegrand ein Kitz liegt? Und sehe ich tatsächlich alles schnell und früh genug?“

Zum Thema einer Leinenpflicht, wie sie schon in manchen Bereichen und Jagdgebieten gilt, meint der Hundeprofi, dass man gerade bei Fällen wie dem gerissenen Kitz in Kiefersfelden sieht, dass eine Leinenpflicht keine hundertprozentige Sicherheit bietet. „Menschen, welche keine Voraussicht und Verantwortung zeigen, werden sich vielleicht trotzdem nicht dran halten“, sind dafür der Grund. Klarl räumt dann noch ein, dass eine Leinenpflicht dank verschiedener Möglichkeiten wie Schlepp- und Flexleinen niemandem wehtun würde und vielleicht durchaus der ein oder andere unglückliche Vorfall vermieden werden könnte.

Abschließend erzählt Klarl noch von dem Potential des großen Repertoires an Aktivitäten, das für die Auslastung und Zufriedenheit der Fellnasen sorgen kann — ganz abseits vom leinenlosen Sprint durch den Wald. Auslastungsmodelle, Bindungsaufbau, Training, soziales Miteinander, die Liste der Möglichkeiten ist lang. Und ist man als Hundehalter unsicher, kann man sich immer vertrauensvoll an das große Angebot an Ansprechpartnern und Profis für ein erfolgreiches "Hund-Mensch-Team" wenden.

Jäger heben hervor: Halter von wildernden Hunden machen sich strafbar

Andreas Mayer ist der Jäger aus Schönram, der die Rehmutter fand, als er durch einen Anruf auf das tote Tier aufmerksam gemacht wurde. Seiner Aussage nach habe die Region „leider öfter Probleme mit freilaufenden Hunden und Spaziergängern mit Hunden“ und geht stark davon aus, dass es sich hier um einen Riss handelt. Es gäbe keine Schusswunde und die Bisspuren seien klar zu erkennen, betonte er gegenüber chiemgau24.de.

Alle Hundehalter seien verpflichtet, ihre Hunde unter Kontrolle und gegebenenfalls auch an der Leine zu halten, sagt Mayer. Verstöße sind auch nach Artikel 56 Absatz 2 Nummer 9 des Bayerischen Jagdgesetz strafbar. Die rechtliche Lage bietet auch die Grundlage für drastisches Eingreifen des Jägers. Mayer mahnt an: „Der Jäger ist dazu berechtigt unter gewissen Umständen wildernde Hunde zu erlegen.“ Bei dieser Maßnahme ist der Gesetzestext genau zu lesen. Dieser bezieht sich nämlich explizit auf unbeaufsichtigte freilaufende Hunde.

Immer wieder wird über Leinenpflicht diskutiert, wenn Ereignisse dieser Art geschehen. Beispielsweise in Kiefersfelden, wo ein Rehkitz gerissen wurde, gilt eine solche Leinenpflicht. Im Zusammenhang mit Wilderei kann die Missachtung sogar ziemlich teuer werden. Von einer empfindlichen Geldstrafe bis zu 5000 Euro ist hier auszugehen, wenn die Ordnungswidrigkeit zur Anzeige kommt.

Wie eine Jägerin aus Kiefersfelden im Gespräch mit rosenheim24.de anmerkte, interessieren sich wenige Hundebesitzer für Leinenpflichten, wenn sie in bestimmten Gebieten angesetzt sind. Bei dem Fall in ihrer Heimat, bei dem ein Rehkitz von einem Dalmatiner getötet wurde, sprach sie von der Motivation der Hunde. Die Verantwortung liegt ganz klar bei den Haltern, denn: „Die Hunde handeln einfach nach ihrem Instinkt, da kommt der Jagdtrieb durch, auch bei einem Familienhund.“

mda

Kommentare