Wird der Biber zum Problem?

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Haben noch keine Probleme mit dem Biber - Roland Richter (l.) und Ludwig Nutz.

Saaldorf-Surheim - Der Biber - seit seiner Wiedereinbürgerung sorgt er für den Interessenkonflikt 'Landnutzung oder Artenschutz'. In Saaldorf-Surheim hat sich jetzt eine Expertenrunde getroffen.

Rund 100 Jahre lang war der Biber in Bayern ausgestorben. Nach seiner Wiedereinbürgerung, die vor etwa 35 Jahren begann, hat er sich zwischenzeitlich stark vermehrt. Heute leben über 1500 Tiere in und an verschiedenen bayerischen Gewässern.

Ob Bach oder Stausee, Auwald oder Gehölzsaum - der Biber hat sich in den vergangenen 30 Jahren als anpassungsfähiges Tier erwiesen, das nicht nur vorhandene Lebensräume wiederbesiedelt, sondern sie als "Wasserbauingenieur" und "Holzfäller" auch zu seinen Gunsten umgestaltet. Hierdurch können vielfältige Feuchtgebiete und Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstehen, aber auch wirtschaftliche Schäden in unserer dichtbesiedelten, kleinteiligen und intensiv genutzten Landschaft.

Die Wiedereinbürgerungsgeschichte des Bibers ist deshalb ein Beispiel für den Interessenkonflikt von Landnutzung und Artenschutz. Keiner in Bayern heimischen Tierart wird so viel Sympathie und bei ihrem konkreten Auftreten soviel Abneigung entgegengebracht.

Im Rathaus der Gemeinde Saaldorf-Surheim traf sich zu diesem Thema eine Expertenrunde mit dem heimischen CSU-Landtagsabgeordneten Roland Richter und Bürgermeister Ludwig Nutz. Im Mittelpunkt des Informationsaustausches stand die konkrete Biber-Situation im Landkreis Berchtesgadener Land und dem angrenzenden südöstlichen Landkreis Traunstein. Richter wies darauf hin, dass das Thema Biber auch rechtliche Fragen aufwirft, etwa nach der Haftung oder Entschädigung bei auftretenden Schäden. Für Kommunen oder Privatpersonen gelte es, in enger Abstimmung mit den Behörden die Frage nach der Verantwortung für Folgeschäden zu klären.

Sein Büro habe diesbezüglich verschiedene Anfragen an die zuständigen Ministerien gestellt, die zum Teil noch nicht alle beantwortet wurden. Generell wünsche er sich von der Runde aus Vertretern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, des Wasserwirtschaftsamtes und den Landratsämtern einen Leitplan, wie zukünftig mit dem Thema umgegangen werden sollte. Dazu werden auch Gespräche mit Betroffenen gehören.

In den Kreisen Berchtesgadener Land und Traunstein ist die Situation nicht so dramatisch wie im Kreis Rosenheim, wo bereits eine Vielzahl von Abschussgenehmigungen notwendig waren, so die aktuelle Analyse. Manfred Mertl vom Landratsamt Traunstein wies darauf hin, dass die Biberthematik von der Regierung an die Landratsämter übertragen worden sei. Im Rahmen des "Bibermanagements" lege man Wert auf Aufklärung durch "Biberberater", um "schnell bei den Leuten zu sein". Manfred Mertl betonte auch, dass der Abschuss keine dauerhafte Lösung sei, weil freiwerdende Reviere durch zuwandernde Biber nachbesetzt würden.

Dabei muss man wissen, dass der Biber ein Revierverteidiger ist und es somit in einem Revier zu keiner Überpopulation kommen kann. Für den Landkreis Traunstein gehe man von etwa 40 bis 50 Biberrevieren aus, die Tendenz sei steigend. Für den Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, Günter Hopf, ist der Biber derzeit "kein großes Thema". Allerdings müsse man die Entwicklung sorgfältig beobachten, um rechtzeitig auf mögliche Gefahren für Schutzbauwerke wie etwa Hochwasserschutzdeiche reagieren zu können.

Georg Hermanndorfer vom Wasserwirtschaftsamt wies auf die positive Wirkung des Bibers für andere Tiere oder die Pflanzenwelt hin. Der Biber sei ein "Schlüsseltier", der seit 20 Millionen Jahren "Biotope für andere aufsperre". Ein Zehn-Meter-Streifen vom Gewässer würde dem Biber in den meisten Fällen als Lebensraum ausreichen, weshalb unter Naturentwicklungspunkten entsprechende Retentionsräume, also Rückzugsgebiete, positiv zu bewerten seien.

Auf die Frage, wer aber für etwa landwirtschaftliche Schäden aufkomme, äußert Mertl vom Landratsamt Traunstein, dass hierfür in Bayern ein Biberausgleichsfonds zur Verfügung stehe. Dieser betrage für das Jahr 2011 ca. 270.000,- € und ab dem Jahr 2012 voraussichtlich 350.000,- €. Die Verteilung der Ausgleichszahlungen liege in der Verantwortung des Bayerischen Umweltministeriums. 2010 konnten circa 70 Prozent der größeren Schäden ausgeglichen werden.

Dr. Maria Kau, Leiterin des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein verwies auf die Möglichkeit, ökologische Ausgleichsflächen verstärkt an den Rand von Gewässern zu legen, da dort ohnehin Bewirtschaftungseinschränkungen gelten. Nachfragen oder Beschwerden über den Biber seien am Landwirtschaftsamt Traunstein noch keine eingegangen. Zum Verständnis der Thematik und möglichen Reaktionsmöglichkeiten gibt es einen Biber-Leitfaden mit konkreten Empfehlungen, etwa zum Schutz von Obstbäumen. Nach Auffassung der Experten könnte ein Programm mit entsprechenden Förderungen zur Schaffung von naturbelassenen Gewässerstreifen Konflikte mit dem Biber entschärfen. Sie betonten die positive präventive Zusammenarbeit von Behörden, Kommunen und Landespolitik.

Pressemitteilung Roland Richter

Quelle: BGland24.de

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