Das „Wohnzimmer“ der Stadt aufwerten

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Mit herzlichem Dank für vier Jahre fleißiger und zuverlässiger Tätigkeit im Ortsvereins verabschiedete Vorsitzender Dirk Reichenau Gaby Terörde (li.), die in den Nachbarlandkreis zieht. An ihrer Stelle wählten die SPD-Mitglieder Alexandra Jilg aus Kay (re.) neu in den Vorstand.

Tittmoning - Eine attraktivere und fußgängerfreundliche Gestaltung des Stadtplatzes standen im Zentrum der Diskussion bei der SPD-Ortsvereinsversammlung.

Perspektiven für eine attraktivere, fußgängerfreundliche Gestaltung des Stadtplatzes standen im Zentrum einer angeregten und ideenreichen Diskussion bei der SPD-Ortsvereinsversammlung am vergangenen Mittwoch im Alten Bäckerhaus. Vorher musste noch das Amt der Schatzmeisterin nachbesetzt werden. Alexandra Jilg wurde einstimmig gewählt, die bisherige Inhaberin dieses Amtes, Gaby Terörde, mit Dank verabschiedet.

Seit Jahren schon beschäftigt die unbefriedigende Verkehrssituation an einigen neuralgischen Punkten in Tittmoning immer wieder die Mitglieder des SPD-Ortsvereins. Nach zahlreichen Aktivitäten und Anträgen etwa zur Schulwegsicherheit und zuletzt zur Barrierefreiheit am Stadtplatz befasste man sich am vergangenen Mittwoch mit Perspektiven einer Stadtplatzsanierung.

Auf Antrag des SPD-Fraktionschefs und Altstadtreferenten Dirk Reichenau hatte nämlich der Bürgermeister die Stadtratsfraktionen aufgefordert, ihre Vorstellungen für die Verbesserung der Situation auf dem Stadtplatz noch im Herbst vorzulegen. Die Ideen, aufbereitet durch das Planungsbüro „Plankreis“, sollen Grundlage für eine Stadtratsklausur zu diesem Thema sein.

Dirk Reichenau fasste einführend zusammen, wie und warum es zu dieser Initiative gekommen sei. Seine Fraktion habe in der Vergangenheit bereits mehrere Vorstöße zur Weiterentwicklung der nun schon über 20 Jahre zurückliegenden Stadtplatzsanierung gemacht, da man der Ansicht sei, der Platz müsse den geänderten Realitäten angepasst werden. „Wir haben heute doppelt so viele Autos wie damals, und auch das Konsumverhalten hat sich deutlich geändert.“ Gegen die teilweise vorherrschende Meinung, alles sei „schön und gut so, wie es ist“, habe man es aber schwer gehabt.

Anstoß für eine grundlegende Infragestellung des Ist-Zustandes sei die geplante Erweiterung des Penny-Marktes am Stadtplatz gewesen. In diesem Zusammenhang seien die Forderungen nach einer Verbesserung des Umfelds, besonders nach einer benutzerfreundlicheren Pflasterung und Einführung einer Kurzparkzone laut geworden.

Eine öffentliche Anhörung habe ergeben, dass die Forderung nach einer Veränderung der derzeitigen Parksituation grundsätzlich breite Unterstützung habe, weshalb auch ein Stadtratsbeschluss über die Einrichtung einer Kurzparkzone im Altstadtgebiet gefasst worden sei. Leider fühle sich Bürgermeister Schupfner an diesen Beschluss nicht mehr gebunden, seit die Penny-Erweiterung vom Tisch sei. Er, Reichenau, sei aber der Meinung, der alte Gedanke der Stadtplatzentwicklung müsse unabhängig von möglichen Erweiterungsvorhaben der anliegenden Geschäfte weitergetrieben werden - „im Interesse der Menschen, die ihn nutzen.“

„Vor allem ein riesiger Gratisparkplatz“

Nach wie vor sei der Stadtplatz vor allem autogerecht: ein riesiger, weitgehend ungeordneter Gratisparkplatz. Die erst jüngst für viel Geld geschaffenen Parkplätze in der Au hätten diese Situation nicht nennenswert verändern können, obwohl da „viel Geld verbuddelt“ worden sei. Die Fußgänger, insbesondere Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderung, kämen zwischen den fahrenden und parkenden Autos nach wie vor zu kurz.

Beim Ortstermin zum Thema „Barrierefreiheit“ im Juli seine zwar zahlreiche Einzelmaßnahmen protokolliert worden. Leider habe die Stadt aber für den Großteil der notwendigen Verbesserungen wie Rampen, Gehsteigabsenkungen, Übergangshilfen u.ä ein langwieriges Antragsverfahren im Rahmen der Städtebauförderung gewählt – „dabei könnte unser Bauhof das innerhalb von ein paar Wochen alles selbst erledigen“, versicherte Reichenau.

Die Attraktivität des architektonischen Ensembles Stadtplatz (einzelne Denkmäler ebenso wie die planerische Gesamtanlage unter Einbeziehung der Achse zur Burg) komme bei dieser Nutzung als Parkplatz auch kaum zur Geltung. Seinen Marktplatzcharakter entfalte der Stadtplatz leider nach wie vor nur in Ausnahmefällen wie etwa beim Stadtfest, wenn die durchführende B 20 gesperrt sei und größere Flächen auch vom ruhenden Verkehr freigehalten würden.

Reichenau fasste daher noch einmal die Forderungen der SPD zusammen, die zu diesem Thema bislang in den Stadtrat eingebracht wurden: Austausch des Pflasters in noch festzulegenden Teilbereichen des Platzes durch einen besser begehbaren (und mit Rollator, Rollstuhl u.ä. befahrbaren) Belag; bessere Anbindung der Wasservorstadt und der dort befindlichen Parkplätze; Verbreiterung der Fußwege am Gerberberg; Freistellung von Teilbereichen des Stadtplatzes von parkenden Fahrzeugen, vorrangig rund um die vorhandenen Denkmäler, Brunnen und Baumgruppen; schließlich die Ersetzung der für Auswärtige ohnehin unverständlichen Hinweisschilder am Ortseingang („Parken am Bahnhof, in der Lutzengasse“) durch klare blaue Hinweisschilder auf vorhandene Parkplätze.

„Das fordere ich jetzt, seit ich Fraktionsvorsitzender bin“, merkte Reichenau an. Nicht zuletzt gehöre die Forderung nach einer echten Umgehungsstraße für den reinen Durchgangsverkehr, die auch innerhalb der SPD-Fraktion lange diskutiert worden sei, unbedingt mit in die Überlegungen für eine Verbesserung der Situation am Stadtplatz. Wenn diejenigen PKWs, welche durch die Stadt nur hindurchfahren – „und das sind 90%!“ - anders geleitet würden, könne man aus dem Stadtplatz wirklich etwas machen.

Die Initiative liege dabei ganz klar bei der Stadt Tittmoning: „Wenn wir eine Umgehung wollen, dann müssen wir sie nur fordern“, sagte Reichenau.

Am Rande bemerkte der SPD-Vorsitzende im Zusammenhang mit der Stadtplatzgestaltung, auch den Austausch der stark verrosteten Originalskulptur vom Storchenbrunnen gegen eine Kopie habe er als Altstadtrefernt bereits früh gefordert. Die Stadtratskollegen, die seinen Antrag damals abgelehnt hätten, seien erst umgeschwenkt, als der beauftragte Restaurator zum selben Schluss gekommen sei.

Dass der Bürgermeister die frühe Initiative des Altstadtreferenten dann bei der Einweihung nicht einmal erwähnt habe, sondern sich selbst als Retter des Storchs dargestellt, habe ihn persönlich enttäuscht – ebenso wie die Tatsache, dass der Originalstorch jetzt nicht im Heimatmuseum aufgestellt werde, sondern im Rathaus. „Aber solche Entscheidungen unterliegen eben einzig der Allmacht des bayrischen Bürgermeisters“, seufzte Reichenau.

„Mängelliste“ und Verbesserungsvorschläge

Lang war die „Mängelliste“, lang aber auch die Liste der Verbesserungsvorschläge und Ideen in der anschließenden offenen Diskussion, an der neben den Ortsvereinsmitgliedern auch zahlreiche interessierte Gäste teilnahmen. Beklagt wurde vor allem die völlig ungeordnete Parksituation, wobei auch die mit Kopfsteinpflaster markierten Zufahrten zu den Gassen immer seltener frei blieben.

Wer verärgert hartes Durchgreifen fordere, stelle schnell fest, es gebe gar keine verbindlichen Regeln. Auch die Geschwindigkeit, mit welcher die Autofahrer die Stadt durchquerten, gab Anlass zur Klage, ebenso die immer häufigere Missachtung des Durchfahrtsverbots für Schwerlaster an den Stadttoren und das Fehlen sicherer Überquerungsmöglichkeiten für Fußgänger innerhalb der Stadttore.

Dabei stellte Sonja Braun gleich eingangs fest, mit dem Herzstück Stadtplatz verfüge Tittmoning eigentlich über ein einladendes „Wohnzimmer“. Den bestehenden Beschluss zur Einführung einer Kurzparkzone endlich durchzusetzen, wäre ein längst überfälliger erster Schritt, um diesen Charakter des Platzes herauszuarbeiten, meinte sie. An den „Penny“-Ausbau sei dieser Beschluss jedenfalls nicht gebunden.

Auch Möglichkeiten der dann natürlich nötigen Überwachung einer solchen Parkzeitbeschränkung wurden gleich erörtert, und die Anwesenden mahnten an, die städtischen Angestellten sollten schon jetzt mit gutem Beispiel vorausgehen und als Dauerparker die Parkplätze in der Wasservorstadt nutzen, anstatt ihre Autos direkt vors Rathaus zu stellen. Zur Aufwertung des Stadtplatzes gab es vielerlei bedenkenswerte Vorschläge. So sprach sich Gerda Poschmann-Reichenau für eine deutliche Verbreiterung der Gehwege und für die Aufstellung von Bänken rund um den Stadtplatz aus.

Rosa-Maria Multerer fragte, warum der Brunnen hinter einen Zaun verbannt sein müsse, und Alexander Spirkl zeigte auf dem Grundriss des Platzes, wie er sich die Zukunft dort vorstellte: Der Mittelstreifen östlich der B20 mit seinen vielzähligen Denkmälern, Baumreihen und Brunnen solle zur autofreien Zone werden, entweder durch Anlegung einer echten Parkanlage mit Rasen oder Sand oder durch Hindernisse wie Poller, besser noch Blumentröge und Sitzbänke.

Gaby Terörde unterstützte diesen Vorschlag lebhaft und nannte Neuötting als Vorbild. Josef Wittmann, der sich schon in den achtziger Jahren bei der damaligen Neugestaltung des Stadtplatzes engagiert hatte, erklärte, ein Grund für die Pflasterung mit großen Flußkieseln, sog. „Bummerln“, sei damals die Absicht gewesen, den Autoverkehr abseits der Spuren, welche die Altstadtgassen an die B20 anbinden, einzuschränken.

Als „Durchgangsstraßen“ seien die Strecken zwischen den Parkplatzreihen nie gedacht gewesen. Auch die Ausweitung des gepflasterten, gut begehbaren Fußgängerbereichs, auch für die Nutzung vor Gastwirtschaften, habe man damals schon gefordert – „aber der Plankreis hat einfach nicht zugehört.“ Die jetzt vielerorts installierten Holzterrassen seien „Notmaßnahmen, weil die Planung falsch war“.

Je länger die Runde sich Gedanken über Lösungsmöglichkeiten machte, umso klarer wurde, dass die meisten Probleme sich nur durch Verlagerung des Durchgangsverkehrs aus der Stadt beseitigen lassen. Um möglichst schnell wenigstens den Schwerverkehr ganz aus der Stadt zu verbannen, entwickelten Alexander Spirkl und Josef Wittmann u.a. die Idee einer Höhenkontrolle auf Höhe des „Seewirts“. Doch solange die B20 durch die Stadt verlaufe, könne man den PKW-Verkehr innerhalb der Stadtmauern nicht weiter beruhigen, erklärte Reichenau.

„Das Ganze ist sinnvoll nur lösbar durch eine Verschwenkung der B20 raus aus der Altstadt“, fasste Reichenau zusammen. Die schönste Parkanlage im Kernbereich bringe nichts, wenn sich direkt nebenan Blechlawinen durch das „Wohnzimmer Tittmonings“ wälzten, wie so häufig an schönen Samstagvormittagen. Die Anregung aus der Runde, unbedingt die anliegenden Gewerbetreibenden in die Planung mit einzubeziehen, nahm der Vorsitzende gerne an, wenn er auch konstatieren musste, der Gewerbeverband finde zu kaum einem Thema eine klare Position.

Auch die Idee, die Stadträte der anderen Fraktionen durch eine Exkursion mit gelungeneren Stadtplatzensembles zu konfrontieren, griff er auf. Um die Tittmoninger Bürgerinnen und Bürger für die Position und die Vorstellungen der SPD zu sensibilisieren, beschloss man zuletzt, im Frühjahr mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion vor Ort auf die unbefriedigende Verkehrssituation und Möglichkeiten ihrer Entzerrung aufmerksam zu machen.

Pressemitteilung SPD Tittmoning

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