Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen

Grüne fordern Neuausrichtung der Agrarpolitik

Wonneberg - Mit dem brisanten Thema Milch befassten sich das Bündnis 90/Die Grünen in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in Wonneberg. Kompetenter Referent des Abends war der bayerische Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Milchviehhalter, Manfred Gilch.

In seiner Einleitung verwies Moderator Albert Aschauer, stellvertretender Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter im Berchtesgadener Land darauf, dass seiner Meinung nach einzig der Bund Deutscher Milchviehhalter ein schlüssiges Konzept für eine dauerhafte Lösung der Probleme im Milchsektor habe. Die Zentrale Herausforderung in diesem Bereich sei es, das Angebot an Milch ständig mit der Nachfrage in Einklang zu bringen. Manfred Gilch, Milchbauer aus Hilpoltstein mit 70 Milchkühen, leitete seinen Vortrag mit der Bemerkung ein, dass notwendige Veränderungen in der Gesellschaft immer bei einem selbst begännen. Auch gebe es kein Veränderung ohne das Engagement möglichst vieler Menschen.

Gilch, der auf seien rund 100 Hektar Fläche mit rund 50 Prozent Grünland und 50 Prozent Ackerfläche nahezu das gesamte Futter für seine Milchkühe selber herstellt, bezweifelte die Aussage des Bauernverbandes, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher den Milchpreis bestimmte. So sei in den Jahren zwischen 2011 und 2016 der Verbrauch in Deutschland nahezu konstant geblieben. Der Rohmilchdurchschnittspreis habe in dieser Zeit aber zwischen 42,32 Cent und 28,39 Cent geschwankt. Aus seiner Sicht ist die Ursache für diese starken Preisschwankungen in Deutschland in der Entwicklung der Weltmarktpreise zu sehen. Und die veränderten sich abhängig von nur minimalen Veränderungen der weltweiten Milchproduktion enorm.

Da die EU nach wie vor der größte Milchproduzent der Welt sei, außerdem auch die größten Mengen an den Weltmarkt liefere, habe die EU auch den größten Einfluss auf den Weltmarktpreis. Schon minimale Mengenveränderungen in der EU hätte große Auswirkungen auf die Weltmarktpreise. Dass eine Reduzierung der Milchmenge tatsächlich eine Steigerung des Preises bewirke, könne man an der Preisentwicklung im Krisenjahr 2016 gut belegen. Tatsächlich hätten die in diesem Jahr durchgeführten Mengenreduzierungsprogramme zu einer Reduzierung der produzierten Milchmenge und in Folge dessen zu einer deutlichen Erholung des Milchpreises geführt. Aus seiner Sicht müssten diese Programme als dauerhafter Kriseninterventionsmechanismus etabliert werden. Das sei aus seiner Sicht der beste Weg, um die Milchwirtschaft als wichtigen Strukturfaktor im ländlichen Raum dauerhaft zu sichern.

Anders als beim sogenannten "Agrargipfel" vor kurzem in Teisendorf war bei der Grünen-Veranstaltung in Weibhausen/Wonneberg eine Diskussion möglich, ja ausdrücklich erwünscht.

Bernhard Zimmer, der Grünen-Kreisvorsitzende im Landkreis Berchtesgadener Land, vertrat die Auffassung, dass die Landwirtschaft ganzheitlich betrachtet werden müsse. Hierzu zählten neben der Produktion gesunder Nahrungsmittel auch, wie er sich ausdrückte, "infrastruturelle Leistungen" wie Bodenschutz, Trinkwasserschutz und Artenschutz. Die Gesellschaft wolle diese Leistungen, also müssten die Bäuerinnen und Bauern auch für diese Leistungen honoriert werden. Um dieses sicherzustellen, sei aber ein kompletter Richtungswechsel in der Agrarpolitik nötig. Dem pflichtete der Referent uneingeschränkt bei. Die gemeinsame Agrarpolitik auf europäischer Ebene sei komplett gescheitert . Ziel dieser sei es einmal gewesen, die Durchschnittseinkommen der Bäuerinnen und Bauern an das Niveau eines durchschnittlichen Arbeitnehmers in jedem Mitgliedsland der EU anzugleichen. In Deutschland liege das landwirtschaftliche Durchschnittseinkommen trotz staatlicher Ausgleichszahlungen aber gerade einmal bei rund 50 Prozent eines durchschnittlichen Arbeitnehmers.

Pressemitteilung von Edwin Hertlein, Pressesprecher des Grünen-Kreisverbands Berchtesgadener Land

Rubriklistenbild: © Edwin Hertlein

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