Qualvoll erstickt: 1200 Euro für 19 tote Forellen

Traunstein/Wasserburg (ovb) - 1200 Euro Geldstrafe brachten einem 49-jährigen russischen Staatsangehörigen, der in Wasserburg lebt, der Tod von 19 Forellen ein. Die Tiere starben grausam.

Der Inhaber eines Fischereischeins hatte die Tiere des nachts im Eschenauer See bei Pittenhart geangelt und dort mit seinem Begleiter im Wohnmobil übernachtet. Am Morgen des 21. Juni 2009 tauchten zwei Fischereiaufseher des Landratsamts Rosenheim auf. Sie entdeckten die Fische am Ufer, teils schon erstickt, teils im Todeskampf nach Luft schnappend. Das Amtsgericht Traunstein erließ im August 2009 auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl - wegen "Tiermisshandlung" in 19 Fällen.

Gestern vor dem Amtsgericht Traunstein nahm der ohne Verteidiger aufgekreuzte Angeklagte auf dringliches Anraten von Richter Maximilian Lermer seinen Einspruch zurück und akzeptierte damit endgültig die Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 20 Euro.

Der gelernte Traktorführer - hierzulande als Reinigungskraft tätig, aber seit März 2009 ohne Job - erschien mit seinem damaligen Begleiter. Dessen Soufflierversuche in russischer Sprache zum Hergang der Tat unterband der Richter. Nach zweimaliger Ermahnung und dem dritten Zwischenruf verwies Lermer den Russen des Saals. Der Mann gab beim Verlassen des Raums von sich: "Unverschämt."

Auf Fragen des Gerichts schilderte der wegen Körperverletzung vorgeahndete 49-Jährige, er habe bis 24 Uhr gefischt und die Forellen im Kescher im Wasser gelassen. Er sei mit seinem Freund am Morgen zum Harter See gefahren, um Würmer zu suchen. Dann seien die Kontrolleure gekommen. Dazu der Richter: "Die Fische lagen halbtot am Ufer. Warum haben Sie sie nicht getötet?" Die Antwort lautete: "Wir dachten, wir kommen bald zurück."

Staatsanwältin Stefanie Helmreich hatte beim Verlesen der Anklageschrift die richtige Methode genannt: "Erst betäubt, dann einen Augenreflextest gemacht und dann mittels eines Kiemenschnittes getötet." Durch das qualvolle Ersticken an der Luft seien den Wirbeltieren langanhaltende Schmerzen und Leiden zugefügt worden.

Ob er die Fische überhaupt hätte angeln dürfen, wollte der Amtsrichter wissen. Der 49-Jährige bejahte. Auf seinem Schein waren allerdings nur zwei Forellen neben wenigen Exemplaren anderer Fischarten wie Karpfen und Brachsen erlaubt. Dass einer der Fische unter dem Mindestmaß groß war, räumte der Angeklagte ein, meinte jedoch: "Aber nur um einen Zentimeter."

Der Richter eröffnete dem 49-Jährigen, die Tagessatzhöhe aus dem Strafbefehl sei angesichts des jetzigen Arbeitslosengeldes zu niedrig: "Wenn Sie es auf ein Urteil ankommen lassen, kann die Geldstrafe höher werden. Außerdem kommt eine Urteilsgebühr von 90 Euro dazu. Das heißt, die Sache wird für Sie voraussichtlich teurer." Lermer riet dem nachdenklich gewordenen Russen, einen Ratenzahlungsantrag zu stellen und schloss: "Soll ich über ihren Einspruch entscheiden?"

"Ich ziehe meine Beschwerde zurück", erwiderte der Angeklagte und fragte, welche Raten möglich seien. Der Richter gab Auskunft und meinte zum Schluss: "Es gibt die Möglichkeit, die Strafe abzuarbeiten. Sie müssten für jeden der 60 Tagessätze einen Tag arbeiten." Dazu äußerte sich der 49-Jährige nicht mehr. kd

Tiergesundheit und Tierschutz in Bayern

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