Unglaublich: Kinder wegen ihrer Füße missbraucht?

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Traunstein - Wegen seines "Ticks" für Knabenfüße, hat ein 44-Jähriger aus dem BGL mehrmals zehn- bis zwölfjährige Buben angerufen und sie sexuell missbraucht. Jetzt steht er dafür vor Gericht.

Der Fall des 44-jährigen Mannes aus dem Berchtesgadener Land, der mehrfach Buben aus dem heimischen Fußballverein sexuell belästigt und missbraucht hat, ist gleichermaßen erschreckend wie skurril. Zwischen Oktober 2012 und März 2013 hatte der gelernte Koch insgesamt dreißig Mal bei verschiedenen Jungs, immer im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren, angerufen, um sie zu sexuellen Handlungen zu überreden. Dabei ging der 44-Jährige immer nach dem gleichen Muster vor: Zuerst erklärte er den Jungen, dass er einen Spielkameraden aus ihrem Fußballverein in seiner Gewalt habe, und ihm etwas antun werde, sollten sie seinen Anweisungen nicht Folge leisten. Anschließend verlangte er von den Buben, dass sie sich ausziehen und an ihrem Glied anfassen sollen. Bei insgesamt 31 Buben aus dem Fußballverein versuchte er so seine, nach eigener Auffassung "scheiß Neigung" zu befriedigen.

Gerade bei einem der Jungen hinterließ dieser Anruf tiefe Spuren. Er könne seitdem nicht mehr alleine Schlafen, leide unter Alpträumen und habe Angst, alleine zu Hause zu bleiben, beschrieb seine Nebenklagevertreterin die Ängste des Zwölfjährigen.

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Der Angeklagte, der bis zu seiner Verhaftung im März 2013 selbst als Fußballtrainer im Jugendbereich tätig war, schämte sich sichtlich für seine Taten. "Ich wollte nie jemanden persönlich verletzen. Was ich gemacht habe, kann ich nie wieder gut machen." Nach eigenen Angaben fühle er sich sexuell nicht zu Kindern hingezogen, sondern habe nur einen "Tick" für Knabenfüße. Dieser Trieb sei irgendwann so stark geworden, dass er sich in seiner Tätigkeit als Fußballtrainer auf nichts anderes mehr konzentrieren konnte, als die Füße der Kinder. Durch ein Forum im Internet sei er dann auf die Idee mit den Anrufen gekommen. Mit den Aufforderungen an die Kinder, sich auszuziehen und sich am Glied zu manipulieren, habe er nur sein eigentliches Verlangen, nämlich das Verlangen nach den Füßen der Knaben, kaschieren wollen. Der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Schwarz konnte die Erläuterungen des Angeklagten bei dessen Aussage nicht gänzlich nachvollziehen. Seiner Meinung nach sei ein Fußfetisch eine "visuelle Angelegenheit". Daher könne er auch nicht verstehen, warum der 44-Jährige die Knaben am Telefon belästigt habe. 

Abgesehen vom strittigen Motiv des Angeklagten, räumte dieser aber weitgehend ein, die Taten begangen zu haben. Neben den 31 Anrufen bei den Buben hatte er sich zudem im Oktober 2012 vor zwei Kindern auf einem Spielplatz in Österreich entblößt und an seinem Glied manipuliert. Er muss sich daher in 20 Fällen für den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und in zwölf Fällen für die versuchte Nötigung von Minderjährigen verantworten. (Anm. d. Red.: Nicht alle Fälle sind als sexueller Missbrauch zu werten, weil einige der Kinder frühzeitig aufgelegt hatten)

Für den 44-Jährigen, der vorher auch im Jugendbereich des TSV 1860 München als Trainer tätig war, ist es allerdings nicht das erste Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Bereits 2003 wurde der gelernte Koch rechtskräftig verurteilt, weil er sich vor drei jungen Mädchen in einem Schwimmbad entblößt und onaniert hatte.

UPDATE 18.30 Uhr

Der Prozess gegen den 44-Jährigen wird am 13. November fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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