Absturz eines Profifußballers

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Wie Luca Toni, Andrea Pirlo und Roberto Baggio (von links) stürmte der italienische Fußballer, der jetzt in Rosenheim auf der Anklagebank saß, für Brescia Calcio in der 1. Liga. Damit ist es jetzt vorbei. Wegen Falschgeldbesitzes wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Rosenheim/Traunstein - Das Leben eines Profifußballers muss nicht nur Glanz und Gloria sein. Traurigstes Beispiel: Robert Enke! Es gibt aber auch Profifußballer, die auf die schiefe Bahn geraten!

Tipps: Vorsicht, Falschgeld: So blüht Ihnen nichts

Lesen Sie hier den Originalartikel des Oberbayerischen Volksblatts

Absturz eines Profifußballers

Dummheit und Pech setzten jetzt in Rosenheim den Schlusspunkt hinter die Karriere eines italienischen Profistürmers. Vor vier Jahren noch stürmte er in der Seria A, der italienischen 1. Liga, für Brescia Calcio und trat damit in die Fußstapfen des späteren Weltmeisters Luca Toni. Nun saß er zusammen mit einem Spezl zerknirscht auf der Anklagebank im Amtsgericht. Wegen Falschgeldbesitzes muss er für zwei Jahre ins Gefängnis.

Rosenheim/Traunstein - Brescia Calcio ist eine namhafte Fußballadresse in Italien. Im Sommer ist der Klub zwar in die zweite Liga abgestiegen, zuvor feierten die Lombarden aber so manches rauschende Fußballfest in der Serie A. Stars wie Roberto Baggio, der jetzige Barcelona-Trainer Guardiola sowie spätere Weltmeister wie Branco (Brasilien), Luca Toni und Andrea Pirlo (Italien) streiften sich das Brescia-Trikot mit dem V-Muster über.

Vielleicht sehnte sich der 29-jährige Profi-Fußballer – zuletzt kickte er in der dritten Liga – in diese Zeit zurück, als er jetzt zerknirscht auf der Anklagebank im Rosenheimer Amtsgericht saß. Sein erstes Erstliga-Tor vor Jahren gegen den AC Florenz war der Höhepunkt seiner Profikarriere – den Tiefpunkt und das Ende erlebte er im Juni 2009 in Oberbayern.

Geldfälschung in Mittäterschaft warf ihm der Staatsanwalt im Prozess vor dem Schöffengericht vor. Er hatte, so gab er zu, zuhause in seinem Heimatort an der Adria von einem flüchtigen Bekannten die falschen Euroscheine erworben. Für 800 echte Euro „kaufte“ er sich 4000 falsche Euro. Die 800 gefälschten 20-Euro-Scheine wollte er mit einem Freund (28) in der Slowakei bei einer Vergnügungstour ausgeben. Dabei war er durchaus „flüssig“: Weitere 4000 Euro hatte der Fußballer in echten Scheinen dabei. Dem Spezl, ein Gemüsehändler aus dem gemeinsamen Heimatort, drückte er ein Packerl mit falschen Scheinen in die Hand. Der sollte auch damit um sich werfen können.

Pechsträhne begann bei Traunstein

Die Pechsträhne der beiden begann bei Traunstein. Übermüdet nickte der Fußballer während der Fahrt ein. Es kam zu einem schweren Unfall. Die Italiener hatten Glück, dass sie mit dem Leben davon kamen.

Ohne größere Blessuren aus dem Krankenhaus entlassen, traten sie am 16. Juni 2009 mit der Bahn die Heimreise an. Auf der Zwischenstation in Rosenheim ließ es der Profi-Fußballer darauf ankommen. Er bezahlte etliche Kleinigkeiten mit den gefälschten Geldscheinen, obwohl er mehr als genug echtes Geld dabei hatte.

In einem Imbissladen wurde das Falschgeld jedoch erkannt. Der Kassier nahm es nicht an. Mit einem entschuldigenden „Ooh, Italia“ steckte der 29-Jährige die Fälschung wieder ein und bezahlte mit einem echten Schein. Der Geschäftsführer verständigte jedoch umgehend die Polizei, die Italiener wurden fesgenommen. Die Ermittler fanden 200 Falsifikate in ihren Bauchtaschen. Das Duo wanderte sofort in Untersuchungshaft.

Ganze drei falsche Scheine hatten die Männer ausgeben können. Ihr Pech: Nach deutschem Gesetz wird Falschgeldbesitz hart bestraft (siehe Kasten). Entsprechend beantragte der Staatsanwalt im Plädoyer für den Fußballprofi zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis, für den Gemüsehändler zwei Jahre und sechs Monate.

Rechtsanwalt Jens Mader erklärte für seinen Mandanten, den Gemüsehändler, dass der Mann keinen einzigen falschen Schein ausgegeben habe. Er sei geständig und in keiner Weise vorbestraft, plädierte er auf Bewährung.

Der Verteidiger des Fußballers, Salvatore Barba, verwies darauf, dass auch der 29-Jährige voll geständig sei und lediglich drei Scheine abgesetzt habe. Das zeige, dass es sich bei ihm nicht um einen gewieften Kriminellen handle. Nicht Gewinnerzielung, sondern Abenteurertum, oder besser Dummheit, sei die Ursache dieses Fehlverhaltens gewesen.

Auch Barba erbat eine Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Der Fußballer erklärte über die Dolmetscherin, dass er die Sache zutiefst bedauere und nichts weiter wolle als Fußball spielen. Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler erklärte in der Urteilsbegründung, dass das Vertrauen in die Geldwährung ein hohes Gut sei und der Staat es nicht zulassen könne, dass damit Schindluder getrieben werde. Dem Mittäter, der die Fälschungen weder erworben noch ausgegeben hatte, setzte sie mit einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zehn Monaten mit Bewährung einen Schuss vor den Bug. Die Fußballkarriere des 29-Jährigen dagegen dürfte beendet sein. Zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung werden es ihm schwer machen, ins Profigeschäft zurück zu finden.

Theo Auer und Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Falschgeld: Harte Strafen in Deutschland

Mit rund fünf Fälschungen auf 10.000 Einwohner pro Jahr liegt Deutschland im Euroraum bei Falschgelddelikten weit unter dem Schnitt. 41.000 gefälschte Euro-Scheine wurden 2008 aus dem Verkehr gezogen, 2007 waren es 40.000. Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank, führt das geringe Falschgeldaufkommen auf gezielte Fahndungsmaßnahmen der Polizei sowie die harten Strafen bei Verurteilungen zurück. Das halte Banden davon ab, in Deutschland ihr Unwesen zu treiben. Große Fälscherwerkstätten gebe es deshalb in Süd- und Osteuropa oder auch Kolumbien, wo erst kürzlich eine Bande ausgehoben wurde. Die Herstellung und Verbreitung von Falschgeld wird mit hohen Strafen belegt. Die Mindeststrafe beträgt ein Jahr Gefängnis.

Die Zentralbanken raten Verbrauchern, ihre Banknoten aufmerksam zu prüfen, denn für Falschgeld gibt es keinen Ersatz.

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