Die ältesten Glocken läuten wieder

+
Diese beiden Glocken haben im Unterschied zu vielen tausend anderen beide Weltkriege überlebt und erklingen wieder am kommenden Sonntag.

Traunstein - Traunsteins älteste Kirchenglocken, die 500 Jahre alte "Evangelistenglocke" sowie die 450 Jahre alte "Maria-Hilf-Glocke" in der Kirche St. Georg und Katharina am Stadtpark, werden am Sonntag, 20.September, wieder läuten.

Zum letzten Mal sei dies "irgendwann zwischen den beiden Weltkriegen erfolgt", wie der ehrenamtliche Kirchenpfleger Hans Kösterke gestern auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung berichtete.

Der Verein "Freunde der Benediktglocke Traunstein" hatte, wie "Finanzverwalter" Kösterke weiter sagte, auf Anfrage der Kirchenverwaltung St. Oswald signalisiert, dass er die Sanierung des Geläutes in der "Kriegergedächtniskirche" finanziell unterstützen wird und mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktivitäten das notwendige Geld "erarbeiten" wolle. Dazu seien "einige tausend Euro" erforderlich. Auch die Stadt Traunstein hatte ihre Unterstützung und Mithilfe zugesagt.

Wann zum letzten Mal aus der Glockenstube im Turm der "Kriegergedächtniskirche", so hieß sie ja im Sprachgebrauch der Traunsteiner Bevölkerung, geläutet worden war, weiß offensichtlich niemand mehr. Wesentlich ist, dass sie die Ära, "als Kriegszeiten auch für Glocken schlechte Zeiten waren", überlebt haben. Denn "Glocken und Kanonen" gehörten viele Jahrzehnte am Anfang des 20. Jahrunderts ganz eng zusammen. Auf das Bronze der Glocken hatten es die Militärs aller Couleurs abgesehen. "Nationales Militärinteresse ging noch immer über Gotteslob", so Kösterke. Im Ersten Weltkrieg wurden deutschlandweit etwa 65000 Glocken eingeschmolzen, im Zweiten weitere 45000, in den besetzten Gebieten etwa 35000. Dabei gab es zwar eine Klassifizierung der Glocken nach ihrer historischen Bedeutung - einen wirklich wirksamen Schutz für wertvolle alte Glocken bedeutete das allerdings nicht.

Allein auf dem berüchtigten Glockenfriedhof in Hamburg-Veddel warteten bei Kriegsende 1945 noch weit über 10000 Glocken auf den Schmelzofen.

Warum und welchem Umstand es zuzuschreiben war, dass den ältesten Glocken Traunsteins dieses Schicksal erspart geblieben ist, liegt "im Dunkeln".

Zunächst war das "Erstläuten" der restaurierten Glocken für Sonntag, 13. September, vorgesehen, musste aber aus organisatorischen Gründen um eine Woche verschoben werden. Nun ist es am nächsten Sonntag um 10.30 Uhr mit einem festlichen Pfarrgottesdienst so weit. Es wird übrigens namhafte Glöckner geben. Oberbürgermeister Manfred Kösterke und Stadtpfarrer Sebastian Heindl wollen mit den Hanfseilen das Geläut erklingen lassen.

Das anschließende Glockenfest soll als festlicher Rahmen bei Speis und Trank dazu dienen und "so ganz nebenbei die Spendenkasse zur Finanzierung der Glockenrestaurierung zu bereichern".

Weitere Informationen sind im Internet unter www.st-oswald-traunstein.de zu finden.

re/mt/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser