Tenor von Meinungsführern: Förderung ist vonnöten

Almbauern brauchen Unterstützung des Staates

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Die Meinungen ausgetauscht haben (von links), der Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, Professor Dr. Hubert Weiger, Landrat Hermann Steinmaßl, der Obmann der Forstberechtigten, Bernhard Haberlander, Bezirksalmbauer Ludwig Böddecker und Maria Stöberl, Geschäftsführerin des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau.

Ruhpolding - Die Arbeit der Almbauern sei eine dringend notwendige Maßnahme zum Erhalt der offenen Kulturlandschaft. Dafür fordert der Bund Naturschutz eine verstärkte Förderung.

Zu einem Meinungsaustausch über anstehende Themen der Almwirtschaft trafen sich der Vorsitzende des Bund Naturschutz (BN) in Bayern, Professor Dr. Hubert Weiger, und Landrat Hermann Steinmaßl mit Verantwortlichen der Almwirtschaft und des Forstes.

Zunächst kamen sie beim "Sulzner", dem Biobetrieb von Landwirt und Bezirksalmbauer Ludwig Böddecker, im Tal zusammen. Anschließend fuhren sie gemeinsam zum "Staller"-Kaser auf die Haaralm (1300 Meter) hinauf. Das Treffen organisierte Maria Stöberl, die Geschäftsführerin des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau.

Die Berglandschaft mit ihrer alpinen Vielfalt miteinander zu erhalten, nannte Landrat Hermann Steinmaßl, langjähriger Vorsitzender der Forstberechtigten, in dem Gespräch auf der Haaralm als Ziel. Dazu gehöre unter anderem der Wegebau und das Freihalten der Almflächen. Neben entsprechender Förderung seien klare Spielregeln erforderlich.

Die Haaralm, eine Berechtigungsalm mit 54 Hektar Lichtweide und 17 Hektar Waldweide betreiben nach Angaben von Böddecker sieben Almbauern. Aufgetrieben werden seinen Angaben zufolge 80 Stück Vieh und einige Rösser.

Vom Bund Naturschutz erhofft sich Stöberl, die Geschäftsführerin des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau, einen offenen Dialog über die anstehenden Probleme wie die zuwachsenden Almflächen, teilweise bedingt durch die Regelung "Wald vor Wild". Das Freihalten der Almen würden die Almbauern nicht mehr allein schaffen. Für eine entsprechende Förderpolitik solle der BN eine Lanze brechen.

Der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), Georg Mair, ging auf das Waldgesetz in Bayern ein. Die meisten Probleme entstehen seinen Angaben zufolge mit den lichtbestockten Flächen, die als Lichtweiden gefördert werden. Diese Flächen müssten zufolge sporadisch ausgelichtet werden.

"Es ist wichtig, Gespräche zu führen, wenn es eigentlich einen Konsens gibt," betonte Professor Weiger vom Bund Naturschutz die zentrale Bedeutung der Almwirtschaft im gesamten Alpenraum, um die alpine Vielfalt der Natur und Kultur zu erhalten. In dem offenen Prozess sei der gesamte landwirtschaftliche Bereich ein zentraler Schlüssel. Bestimmte Bereiche könnten allerdings nur durch Förderung erhalten werden.

Den Finanzrahmen auf keinen Fall zu reduzieren und Chancen für zusätzliche Fördermaßnahmen einzuräumen, sei eine Forderung des BN, so der Vorsitzende in Bayern weiter. Dazu gehöre ein Plädoyer für die stärkere Honorierung der Arbeit, die mit dem Naturschutz in Verbindung stehe. Das Schwenden der Almflächen sei eine dringend notwendige Maßnahme zum Erhalt der offenen Kulturlandschaft. Dafür sei eine verstärkte Förderung angebracht.

Ruhpolding hat 88 anerkannte landwirtschaftliche Betriebe, darunter 20 Milchviehbetriebe. 50 Almbauern sind unter den über 100 Forstberechtigten. Diese Zahlen nannte Bernhard Haberlander, Obmann der Forstberechtigten. Das größte Problem sei der Faktor Zeit. Für die nachfolgende Generation stelle sich die Frage, in welchem Maße sie bereit sei, Zeit in die Landwirtschaft zu stecken.

bre/Chiemgau-Zeitung

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