Angerer plant bis Olympia 2014

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Vachendorf - Nach der Wintersaison hält sich Langläufer Tobias Angerer mit Tennis fit. Nur kurz war die Pause für die heimischen Wintersportler nach einer langen Saison.

 Nun heißt es bereits seit Anfang Mai wieder schuften für die neue Wettkampfsaison. Auch die heimischen Langläufer vom Stützpunkt Ruhpolding sind bereits mitten in der Vorbereitung, so auch Traunsteins Langläufer Tobias Angerer.  

Tobi, warum steht derzeit Tennis bei dir auf dem Programm?

Ich sehe es als eine Art Saisonvorbereitung, es ist ein Ausgleich zum normalen Training. Jeder, der schon einmal Tennis gespielt hat, weiß, das ist Schnelligkeit und Koordination sowie Ausdauer. Wenn man in der Mannschaft spielt, hat man die Möglichkeit, sich richtig reinzubeißen. Es ist ein gutes Training, wenn ich viel laufen muss, ich spiele ja auch gerne von der Grundlinie.

Wie macht sich Tennis beim Langlaufen bemerkbar?

Ich habe zum Beispiel im vergangenen Jahr bemerkt, als nicht Tennis gespielt habe, dass mir ein wenig die Grundschnelligkeit gefehlt hat. Ich habe heuer richtig konsequentes Tennistraining gemacht und dadurch bewege ich mich besser. Es ist ein guter Ausgleich zu den langen Ausdauerkrafteinheiten.

Kommen wir zu den neuen Trainerstrukturen am Stützpunkt, Bernd Raupach ist wieder zurückgekehrt. Welche Auswirkungen hat das auf dich?

Wir sind nach der Saison mit Thomas Pfüller (DSV-Generalsekretär) und Bundestrainer Jochen Behle und allen Trainern zusammen gesessen. Da haben wir entschieden, dass wir Älteren wie Teichmann, Filbrich und ich einen etwas individuelleren Weg gehen dürfen. Wir haben alle Familie und sind viele Jahre dabei. Da ist es wichtig, dass man auch mal einen Tapetenwechsel hat. Wir Drei haben uns eine Lehrgangsplanung zusammengestellt. Das ist alles abgesichert durch unseren Physio-Therapeuten, der sich um alles wie zum Beispiel die Laktatwerte kümmert. Wir werden gemeinsame Lehrgänge an neuen Orten bestreiten, dort wo wir vor zehn Jahren mal waren. In letzter Zeit waren wir auffällig oft immer an denselben Orten. Das war auf Dauer immer das Gleiche, wir wollen dadurch neue Reize und Motivationen setzen. Am Stützpunkt macht Karl Zellner die komplette Trainingsplanung.

Welche Bedeutung oder welche Rolle hat Karl Zellner in Zukunft?

Ich kenne den Karl seit über 20 Jahren, er war mein Jugendtrainer, ich habe großes Vertrauen zu ihm. Bereits im Januar habe ich mit ihm die Planung in Richtung WM in Oslo gemacht und das hat dann auch gut funktioniert mit der Form. Seine Philosophie vom Training ist auch irgendwie meine. Er wird mich drei bis vier Mal die Woche betreuen. Den Rest werde ich in der Gruppe vom Stützpunkt mit trainieren, dass ich einen Vergleich habe und die restlichen Einheiten bestreite ich alleine. Ich denke, dass ist die richtige Lösung für alle.

Nach der Tour de Ski hat es im Januar eine Auszeit gegeben. Du hast dich auf der Winklmoos total für eine Woche abgeschottet, warum?

Ich musste schon im Dezember einen Urlaub nehmen, weil ich total ausgelaugt, ausgebrannt und geistig leer war. Ich war total übertrainiert. Ich habe mich dann im Januar von Cuno Schreyl als verantwortlichen Trainer getrennt. Mit dem Karl Zellner habe ich dann gleich einen Plan in Richtung WM aufgestellt. Ich habe gewusst, Oslo ist das Wichtigste in diesem Jahr und ich wollte Schritt für Schritt mich meiner Form nähern. Dazu sind wir auf die Traunsteiner Hütte und haben uns dort einquartiert um hart zu trainieren, mit einer hohen Qualität und dann aber auch die notwendigen Pausen gemacht. Wenn du älter wirst, es ist wichtig, dass du die Pausen bekommst.

Wie bist du mit Cuno Schreyl auseinandergegangen?

Wir hatten ein gutes Gespräch, ich habe den Cuno auch viel zu verdanken und große Erfolge gehabt. Wir haben sechs Jahre zusammengearbeitet und jetzt war der Punkt da, um aufzuhören. Man hört nicht mehr so gut zu und ich hatte das Gefühl, was anderes zu machen. Wir haben aber keine Probleme miteinander.

Wo liegen die Schwerpunkte in der neuen Saison in der es weder eine WM noch Olympische Spiele gibt?

Wichtig ist ein guter Einstieg in die Saison, das hatte ich die letzten drei Jahre nicht. Ich muss daher das richtige Maß an Training finden, also Belastung und Erholung auf die Reihe bringen. Ich muss ausgeruht und frisch an den Start gehen. Wenn ich ein gutes Ergebnis habe, läuft es von alleine, als Kopfläufer brauche ich Selbstvertrauen. Dazu ist diesmal auch eine gewisse Planung auf die Tour de Ski wichtig, ich will sie mal wieder beenden, nachdem ich drei Jahre hintereinander ausgestiegen bin. Das war für mich nicht so toll, weil ich sie schon einmal gewonnen habe. Da habe ich einen gewissen Anspruch. Außerdem halte ich es mir offen, beim WASA-Lauf an den Start zu gehen, den möchte ich als aktiver Läufer noch bestreiten. Heuer würde es gut passen, weil wir weder WM noch Olympische Spiele haben.

Im Langlauf gibt es ja zwei Gruppen, die jungen Wilden mit Petter Northug und die Älteren zu denen auch du gehörst. Wie kann man sich gegen die jungen Spunde behaupten?

Das ist eine große Herausforderung, aber für uns spricht die Erfahrung. Man weiß aber auch, wenn man jung ist, braucht man weniger Regeneration und du kannst jeden Tag deine Leistung abrufen. In meinem Alter spezialisiert man sich mehr auf gewisse Rennen, weil man halt keine 25 mehr ist. Das habe ich meistens hinbekommen, aber man muss sich davon verabschieden, dass ich noch einmal den Gesamtweltcup gewinnen kann. Das ist aber auch nicht mein primäres Ziel, den habe ich schon zwei Mal gewonnen. Ziele sind, bei Großereignissen fit zu sein und um Medaillen zu laufen. Das ist meine Motivation, da kann ich es mit den Jungen aufnehmen und sie auch schlagen.

Andere Nationen haben aufgeholt, andere sind gewohnt stark, gibt es eine Art Trainingsgeheimnis dass wir nicht kennen?

Was wir wissen, es hat in den vergangenen Jahren Veränderungen in Sachen Schnelligkeit und Kraft gegeben. Das hat aber auch mit einer neuen Generation von jungen Athleten zu tun, die das Niveau bestimmt haben. Im Endeffekt gibt es keine Geheimnisse, du musst trainieren und zwar hart, aber auch die richtige Dosierung finden. Es braucht den Mittelweg und man muss Klassisch und Skating technisch beherrschen.

Wie schaut deine längerfristige Planung aus?

Die geht bis 2014 zu Olympia in Sotschi. Dieses Ziel habe ich mir gesetzt, gesundheitlich bin ich Topfit, darum kann ich die Jahre auch angehen. Natürlich können in diesem Bereich auch Probleme kommen, aber im Normalfall mache ich weiter bis 2014.

SJH

 

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