Atomausstieg: Deutschland kann Vorreiter sein

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Fragen der Energieversorgung diskutierten (von links) Dietmar Horn, Ministerialdirigent im Bundesverkehrsministerium, Landrat Hermann Steinmaßl, Birgit Seeholzer vom Landratsamt Traunstein und Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Schirmherr des Sonnenkreises Traunstein.

Traunstein - Deutschland könne weltweit Vorreiter beim Atomausstieg werden. Das sagte Alois Glück zum Auftakt der "Klimawoche des Landkreises Traunstein".

Nach Ansicht von Alois Glück, dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), steht das Abschalten der Atomkraftwerke unter keinem zeitlichen Druck. Ob der Ausstieg drei Jahre früher oder später komme, sei "nicht entscheidend", sondern vielmehr, "dass er gelingt".

Erneut stellt der Landkreis heuer das Klima eine Woche lang in das Zentrum des öffentlichen Interesses. Mehrere Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Den Auftakt bildete ein Vortrags- und Diskussionsabend mit gut 100 Teilnehmern. Referenten waren Glück und Dietmar Horn, Ministerialdirigent im Bundesverkehrsministerium.

Landrat Hermann Steinmaßl machte deutlich, dass der Landkreis nach wie vor das Ziel verfolge, bis 2020 den gesamten Strombedarf für Haushalte, Kommunen und Gewerbetreibende zu 100 Prozent aus regenerativen Energien zu decken. Die öffentliche Hand wolle Vorbild sein, so der Landrat, der exemplarisch das Anette-Kolb-Gymnasium in Traunstein mit seinem ausgetüftelten Energiesystem nannte.

Für ihn sei der "richtige Mix" aus Wasserkraft, Biomasse, Fotovoltaik, Geothermie und Windkraft entscheidend. Für landschaftliche Veränderungen, die beispielsweise durch Windräder oder neue Stromtrassen entstehen könnten, forderte der Landrat gerade in "sensiblen Regionen einen gesellschaftlichen Konsens".

"Heute haben wir ein beachtliches, ausbaufähiges Potenzial an erneuerbaren Energien", betonte Glück. In der Ethik-Kommission habe er das Augenmerk auf die "Risikominimierung" gelegt. Bei einem Anteil von 15 Prozent an der Stromproduktion seien weltweit bis zum Jahr 2030 schätzungsweise 1000 Kernkraftwerke nötig. "Das ist in einer instabilen Welt nicht meine Traumvorstellung", so der ZdK-Präsident.

Neben der Frage nach der Menge der verfügbaren Energie und der ökologischen Verträglichkeit ist für ihn auch die soziale Verträglichkeit von enormer Bedeutung. Beispielsweise hätten steigende Maispreise infolge des wachsenden Bedarfs in den Biogas-Anlagen weltweit verheerende Folgen für die Verbraucher, die dann für Nahrungsmittel mehr bezahlen müssten.

Künftige Energiekonzepte müssen laut Glück so ausgestaltet sein, dass sie wechselnde politische Mehrheiten aushalten können. Die dezentrale Energiegewinnung habe eine positive Rückwirkung auf gesellschaftliche Strukturen.

Auch Energiesparen ist angesagt

Nach dem Verlesen des Grußwortes von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der klar machte, dass der Umstieg nicht zu Lasten der Verbraucher und des Klimaschutzes gehen dürfe, betonte Horn, Ministerialdirigent in Ramsauers Ministerium, dass man neben dem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung auch das Energiesparen als Schwerpunkt sehen müsse.

Im Bereich der Geothermie sieht Horn ein "riesiges Potenzial". Und weiter: Das Erreichen eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis spätestens 2050 sei ein "ehrgeiziges, aber machbares Ziel". In der "Modernisierungsoffensive" gelte aber der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit für Vermieter und Mieter. Die beschlossene Novelle des Baurechts sehe unter anderem eine Erleichterung im Aufstellen von Fotovoltaikanlagen vor. Bund, Länder und Gemeinden müssten ebenso miteinander im Gespräch bleiben, wie auch die Wirtschaft und die Bürger mit einzubeziehen seien.

Nach den Ausführungen der beiden Referenten nutzten die Veranstaltungsteilnehmer die Möglichkeit zur Diskussion. Auf die Frage eines Teilnehmers, ob man sich nicht auch mit Themen wie beispielsweise der elektromagnetischen Energie beschäftigen sollte, winkte Glück ab. Man müsse wissen, wo man begrenzte finanzielle Mittel einsetze.

Ein Teilnehmer warf die Frage auf, ob die Netzbetreiber vor dem Hintergrund hoher Gewinne nicht zum Verlegen von Stromleitungen im Boden gezwungen werden könnten - was dann aber beide Referenten verneinten. Glück sagte, man müsse dazu kommen, dass die Bevölkerung den Bau neuer Leitungsnetze auch dann noch mittrage, "wenn die Bilder aus Japan verblassen und der Ärger vor Ort da ist". Horn meinte, die Stromkosten würden "explodieren, wenn die Leitungsnetze unterirdisch verlegt werden". Er plädierte für eine dezentrale Stromversorgung.

wz/Chiemgau-Zeitung

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