Aufatmen nach der Flut

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Bedrohlich: Die Mangfall quetscht sich förmlich unter der Brücke am Rosenheimer Eisstadion hindurch.

Rosenheim/Traunstein - Mangfall und Inn schwollen bedrohlich an, kleine Dorfbäche verwandelten sich in reißende Flüsse, viele Straßen und Keller standen unter Wasser - jetzt darf man Aufatmen!

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Der Dauerregen sorgte gestern in der Region für Verhältnisse, die Erinnerungen an die Hochwasser-Katastrophen von 2002 und 2005 weckten. Zwar entspannte sich die Lage gegen Mittag wieder, trotzdem rückten die Retter und Helfer in Stadt und Landkreis Rosenheim sowie im Kreis Traunstein zu über 600 Einsätzen aus.

"Drei-Flüsse-Stadt": Rosenheim machte gestern Passau Konkurrenz. Links ist am Mangfallufer das Gelände der Landesgartenschau zu erkennen.

Im Landkreis Rosenheim wurde gestern Vormittag insbesondere in Kolbermoor gezittert. Der Pegel der Mangfall war über Nacht gewaltig gestiegen, 20 Kilometer weiter flussaufwärts bei Feldolling die höchste Warnstufe IV ausgerufen worden. Das bedeutet, dass bebaute Gebiete in größerem Umfang überschwemmt wurden oder der Bau von Dämmen erforderlich ist. So wurden rasch Sandsäcke herbeigeschafft und an den Ufern zum Schutz vor einer möglichen Überflutung aufgetürmt.

In Kolbermoor wurde gestern besonders gezittert, im Hintergrund der alte Friedhof.

Glücklicherweise ließ der Regen aber nach, die Mangfall beruhigte sich wieder, am Nachmittag konnten die Kolbermoorer aufatmen. Die Sandsäcke - unter anderem waren 2300 Stück aus Prien nach Kolbermoor transportiert worden - wurden nicht gebraucht. Die Barrieren werden heute wieder abgebaut.

Überflutet: die Kreuzung vor dem ehemaligen US-Gelände im Bad Aiblinger Stadtteil Mietraching.

Überflutungen wurden aus allen Ecken der Landkreise Rosenheim und Traunstein gemeldet - kaum eine Stadt oder Gemeinde, die nicht betroffen war. Überall drängten sich Menschen an Uferwegen und Brücken, um die Flüsse und Bäche zu bestaunen, die sich innerhalb von wenigen Stunden zu braunen Ungetümen verwandelt hatten.

Ständig im Einsatz: die Helfer THW und Feuerwehren.

In Rosenheim (wegen Inn und Mangfall) und Traunstein mussten die Landratsämter sogar Krisenstäbe bilden, ehe absehbar war, dass sinkende Pegelstände zu einer Entspannung führen würden. Unfälle mit Personenschäden wurden bis in die Abendstunden glücklicherweise nicht gemeldet.

Schon in der Nacht rückten die Feuerwehren vor allem in Prien, Kolbermoor, Wasserburg und Bad Aibling aus. Beim Höchststand um 4 Uhr früh stand der Pegel der Prien nur Zentimeter unter der Brücke am neuen Kreisel. Das Gelände der Landesgartenschau in Rosenheim sei vor einer Überflutung nicht bedroht gewesen, hieß es - obwohl im Uferbereich so mancher Zaun unter Wasser stand.

Immerhin holte sich die "lachende alte Frau von der Mangfall" keine kalten Füße. Die Plastik, die jedem Gartenschau-Besucher ein Begriff ist und zu einem der beliebtesten Fotomotive auf dem Gelände gehört, wurde schon am Mittwochabend von der Bank auf den Uferweg gelegt. Vielleicht hat es jemand gut gemeint mit ihr und wollte sie außer Wasserreichweite schaffen. Prompt fiel die Figur in der Dunkelheit einem Autofahrer beim Überqueren der Mangfallbrücke auf. Er bat eine Polizeistreife, die ein paar Meter weiter am Eisstadion stand, der Frau zu helfen - die Beamten konnten aber rasch Entwarnung geben.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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