Ausstellung "Zweimal Deutschland" in Traunstein

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Mit Texttafeln, Zeitungsausschnitten, Plakaten und Fotos erinnert die Ausstellung "Zweimal Deutschland" an die zwei deutschen Staaten auf deutschem Boden.

Traunstein - Zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit zeigt das Stadt- und Spielzeugmuseum bis Ende Oktober die Ausstellung „Zweimal Deutschland“.

Gestaltet hat die Präsentation der Isinger Gymnasiallehrer und Max-Fürst-Preisträger Gerd Evers in Zusammenarbeit mit Stadtarchivar Franz Haselbeck und Museumsleiter Dr. Jürgen Eminger.

Bei der Eröffnung hob Oberbürgerbürgermeister Manfred Kösterke die Bedeutung der Ausstellung besonders für Jugend hervor. "In Deutschland lebt inzwischen eine Generation, die das geteilte Deutschland nicht mehr selbst erlebt hat und nicht mehr weiß, wie das Leben in der DDR ausgesehen hat: die Zwangsherrschaft des SED-Regimes, der Überwachungsapparat der Stasi, die sozialistische Mangelwirtschaft und die Einschränkung der Reisefreiheit."

Vor diesem Hintergrund sei es völlig unverständlich, dass die DDR in der öffentlichen Wahrnehmung oft verharmlost werde. Nachdenklich mache eine Studie von 2008, für die Jugendliche aus West und Ost über ihr Bild von der DDR befragt worden seien. Nur etwa die Hälfte habe die Meinung vertreten, die DDR sei überhaupt eine Diktatur gewesen. "Ich kann nur davor warnen, wenn die SED-Diktatur verharmlost wird und Teile der Linken an der Sichtweise festhalten, die DDR sei der 'bessere' deutsche Staat gewesen." Das Jubiläumsjahr könne daher einen Beitrag leisten, um einer solchen Sicht der DDR entgegen zu wirken.

Evers wies auf die unterschiedlichen Exponate hin. Da sind zunächst die Ansichten des DDR-Alltags, die ihm von der "Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" zur Verfügung gestellt wurden. Sie sind nach Themenbereichen strukturiert und enthalten sowohl bildliche Veranschaulichungen als auch Worterläuterungen. Zu sehen sind eine Vielzahl politischer Plakate aus West und Ost. Schließlich folgen Schautafeln, die er mit Isinger Schülern 1999/2000 bei Studientagen zur Geschichte erarbeitet hat.

"Die Ausstellung kann in dreifacher Hinsicht einen Beitrag leisten: zur Erinnerung, zur Information und zur Anregung", meinte Evers. Erinnern würden sich alle Älteren, wenn sie zum Beispiel Bilder vom Aufstand von 1953 in der DDR, die Heimkehr der letzten Kriegsgefangenen oder die deutsch-französische Aussöhnung durch die Umarmung von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle sehen. Die Information reiche weiter von der Vorstellung der handelnden Personen bis zu markanten Ereignissen und Erfahrungen in der Bundesrepublik und der DDR.

Anregungen ergäben sich für den Besucher, wenn er die Exponate aus Ost und West miteinander vergleiche und so die Systemunterschiede entdecke, sagte Evers weiter. So kennzeichne der Wechsel an der Spitze der Bundesregierung nach Wahlen im Westen einen Politikwechsel, während der Übergang im Osten von Walter Ulbricht zu Erich Honecker lediglich einen innerparteilichen Machtkampf widerspiegele.

Geöffnet ist die Ausstellung "Zweimal Deutschland" bis 31. Oktober werktags von 10 bis 15 Uhr und sonntags von 10 bis 16 Uhr.

bjr/Chiemgau-Zeitung

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