Semmelpreise werden wohl steigen

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Für viele Bundesbürger unverzichtbar: Frisches Brot, Semmeln und Brezen zum Frühstück. Steigende Rohstoffpreise, eine schlechte Ernte in diesem Jahr und ein zunehmend härterer Wettbewerb machen dem Handwerk das wirtschaftliche Überleben zunehmend schwerer.

Traunstein - Das "Land des Brotes" wird Deutschland weltweit gern genannt. Mehr als 300 Sorten Brot und über 1200 Sorten Kleingebäck, die von rund 16000 Bäckereien in Deutschland angeboten werden, untermauern diese These.

Für das Getreidewirtschaftsjahr 2009/ 2010 ergibt sich in Deutschland ein Pro-Kopf-Verbrauch an Backwaren von 82,4 Kilogramm (Vorjahr: 84,2 Kilogramm) und liegt damit unter dem langjährigen Mittel des "gesamtdeutschen" Backwarenverbrauchs. Der Verbrauch bleibt aber weiter auf einem hohen Niveau.

Doch die Bäcker haben Sorgen: Steigende Rohstoffpreise und eine regional bis zu 25 Prozent geringere Weizenernte - abgesehen von dem Exportstopp aus Russland - macht dem deutschen Bäckerhandwerk das Leben schwer. "Wir haben in den vergangenen Jahren deutliche Kostensteigerungen verdauen müssen. Das Bäckerhandwerk ist ein lohnintensives Gewerbe, da bei uns noch richtig per Hand gebacken wird", macht der Obermeister der Bäcker-Innung Traunstein, Klaus Schneider, deutlich und verweist nicht ohne Stolz auf die Arbeits- und Ausbildungsplätze, die in der Region zur Verfügung gestellt würden und das Handwerk zu einem wichtigen Faktor auf dem heimischen Arbeitsmarkt machten. Steigende Löhne und Ausbildungsvergütungen in Verbindung mit gestiegen Energiekosten würden aber zu einer zunehmend problematischen Ertragssituation für das Bäckerhandwerk führen, was sich auch an verstärkten Betriebsschließungen ablesen lasse.

Der stellvertretende Handwerksmeister für den Landkreis Traunstein, Gerhard Kotter, ergänzt: "Wir erhalten keine Subventionen und müssen trotzdem mit dem schwierigen Umfeld fertig werden. Da kann es durchaus sein, dass einzelne Betriebe moderate Preisanpassungen vornehmen müssen. Aber wo es definitiv keine Abstriche gibt ist die Qualität für die unser Handwerk steht", macht er klar und weist darauf hin, dass sich der Brotpreis in den vergangenen zehn Jahren nur geringfügig erhöht habe.

Zunehmend macht dem Handwerk auch die Konkurrenz durch die Discounter Sorgen. Der Zentralverband des Bäckerhandwerks hat Aldi Süd, der seine 1780 Filialen in Süd- und Westdeutschland mit Backautomaten ausrüstet, im Juli vor dem Landgericht Duisburg wegen "irreführender Werbung" verklagt. Während der Discounter damit wirbt, "den ganzen Tag Brot und Brötchen zu backen", wirft der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks dem Konzern vor, die Backwaren würden in den Backautomaten "nur erhitzt und/oder gebräunt".

Daneben führt der Verband in seiner Argumentation aus, dass das Brot nicht die vorgeschriebenen Mindestmengen an Getreide und Mehl beinhalte. Konkret geht es in der Klage um Dinkelvollkorn- und Roggenmischbrot. Das Deutsche Lebensmittelhandbuch, das eine Sammlung von Leitsätzen zur Erzeugung und der Beschaffenheit von Lebensmittel enthält, die aus Kreisen der Wissenschaft, der Lebensmittelüberwachung und der Verbraucherschaft erarbeitet werden ohne dass diese rechtlich verbindlich sind, schreibt in seinen "Leitsätzen für Brot und Kleingebäck" für Roggenmischbrot einen Roggenmehlanteil zwischen 50 bis 90 Prozent, für ein Dinkelvollkornbrot von mindestens 90 Prozent vor. Die Brote von Aldi unterschreiten diese Werte nach Überzeugung und Argumentation des Zentralverbandes deutlich, weshalb er gegen die "irreführende Werbung" klagte. Backautomaten werden auch von anderen Supermarktketten eingesetzt.

"Eine gute und gesunde Ernährung ist Vertrauenssache. Und gemäß unserem Leitbild als Handwerksbäckereien setzen wir weiterhin auf Qualität", sieht Obermeister Schneider die Zukunft des Bäckerhandwerks nicht darin, sich auf einen ruinösen Preiskampf mit einzulassen.

wz/Chiemgau-Zeitung

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