Die Bahnstrecke Trostberg-Garching wird 100

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Trostberg - Im Eisenbahnjubiläumsjahr 2010 wurde die Eisenbahn in Deutschland 175 Jahre alt, und auch im Chiemgau wurde groß gefeiert.

Denn vor 150 Jahren fuhr zum ersten Mal ein Zug von Rosenheim nach Salzburg. Jetzt am Sonntag, wieder ganz in unserer Nähe, im nördlichsten Zipfel unseres schönen Chiemgau, gibt es ein weiteres Bahnjubiläum: Die Bahnstrecke Trostberg-Garching wird 100! Im Jahr 1910 wurden von der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn in Bayern insgesamt sieben Bahnstrecken eröffnet. Die Strecke Trostberg-Garching ist die einzige davon , die auch heute noch von Zügen befahren wird.

Bahnjubiläum Trostberg-Garching 

Mit einem Foto des Trostberger Fotografen Josef Käser berichtete vor 100 Jahren die Trostberger Lokalzeitung, daß sich am 14. November kurz nach 9 Uhr der festlich geschmückte Eröffnungszug am Bahnhof Trostberg in Bewegung setzte. Böllerschüsse begleiteten die Abfahrt des Zuges, der mit vielen Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft besetzt war. Die Stadtkapelle Traunstein, die ebenfalls im Zug mitfuhr, spielte laut Bericht an jeder Bahnstation ein Ständchen. Überall wurde die Bahn mit Jubel und Begeisterung empfangen, und in Garching schwenkten Schulkinder kleine Fähnchen. In Wiesmühl an der Alz hatte der Zug eine längeren Halt, wo Ökonomierat und Brauereibesitzer Josef Wieser, ein großer Förderer der Bahnverbindung zwischen Traunstein und Garching, zum Frühschoppen geladen hatte. Mit einem Festakt in Trostberg klang dieser wichtige Tag aus. Seit dem 15.November 1910 rollen auf der Strecke fahrplanmäßige Züge.

Vor hundert Jahren war die Bahn das wichtigste Verkehrsmittel. Autos gab es nur wenige, und für weitere Reisen oder den Gütertransport gab es kaum Alternativen zur Eisenbahn. Die Strecke Traunstein-Garching warf schon in den ersten Betriebsjahren Gewinne ab. Seit jener Zeit aber, vor allem in den letzten vierzig Jahren, hat sich vieles geändert. Fast jede Familie besitzt mindestens ein Auto, ein dichtes Straßennetz ermöglicht schnellen Transport von Personen und Gütern über beliebige Routen auch zu Zielen weitab der Bahnstrecken. Der Individualverkehr steht im Vordergrund, der öffentliche Personenverkehr tritt in den Hintergrund und wird nicht selten zum Zuschußbetrieb. Es gibt viele Gründe, warum viele lieber das eigene Auto nehmen. Als Autofahrer fühlt man sich frei, in seiner Zeiteinteilung nicht durch Fahrpläne eingeengt. Und wenn man auch im Stau steht, nimmt man es hin. Die Bahn ist für viele keine Alternative. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum heute kaum einer weiß oder es kaum einen interessiert, daß die Bahnstrecke Trostberg-Garching am 14. November ihren 100. Geburtstag feiern kann. Die meisten Bahnstrecken, die in diesem Jahr ihren hundertsten Geburtstag feierten, begingen dieses Jubiläum gebührend mit Sonderzugfahrten und anderen Veranstaltungen.

Für die Garchinger Strecke wird es wohl eher ein stiller Geburtstag. Nicht zuletzt deshalb, weil am 14.November 2010 "Totensonntag" ist. Laut bayerischem Feiertagsgesetz ist dies ein "stiller Tag", und "an stillen Tagen sind öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen, die nicht dem ernsten Charakter dieses Tages entsprechen, verboten". Aber gratulieren dürfen wir, auch an diesem stillen -Tag, und sie nicht vergessen, schon unserem Umweltbewußtsein zuliebe. Unsere Schüler nutzen die Bahn nach wie vor intensiv, der Alpenverein ermuntert uns "umweltschonend in die Berge" zu fahren, und die Firmen im Alztal nutzen die Bahn für ihren Gütertransport, allen voran die AlzChem-Gruppe, deren Standorte Hart, Schalchen und Trostberg durch die Bahnstrecke wie mit einer "Nabelschnur" verbunden sind.

Mit Erlaubnis der Südostbayernbahn hat Arthur Pauli die Jubiläumsbahnstrecke gefilmt. In dem 21-Minuten-Film können Eisenbahnfreunde die Strecke, wie sie heute von den Nahverkehrszügen der Südostbayernbahn befahren wird, aus dem Führerstand mit erleben. Mit alten Fotos wird im Film an den Eröffnungstag vor 100 Jahren erinnert. Der Film ist auf DVD beim Bildarchiv A+E Pauli in Stein a.d. Traun erhältlich.

ap/A+E

Rubriklistenbild: © ap/A+E

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