Erste Hilfe für die Seele

Traunstein - Der plötzliche Tod ist für die Angehörigen ein schwerer Schock. Um mit dem tiefen Schmerz besser umgehen zu können, gibt es seit über zehn Jahren die Krisenintervention.

Die heitere Urlaubsstimmung auf dem Campingplatz im Chiemgau änderte sich schlagartig, als ein Mann plötzlich am frühen Abend in seinem Wohnwagen zusammenbrach und die herbeigerufenen Ärzte nur noch seinen Tod feststellen konnten. Für die Ehefrau ein schwerer Schock und mit Hilfe von zwei Mitgliedern der Rotkreuz-Krisenintervention schaffte es die Witwe, die ersten Stunden zu überstehen und zu versuchen, das Unfassbare langsam zu begreifen. Eine der beiden Betreuerinnen war Manuela Kastenhuber. „Wir verließen den Campingplatz erst nach vielen Stunden wieder, es dämmerte bereits.“ Viele Stunden mit Weinen, Trauern und vielen Gesprächen waren vergangen. „Wir halfen der Witwe, von ihrem Mann Abschied zu nehmen, mit dem sie wenige Stunden zuvor noch zu Abend gegessen hatte.“

Ein gutes Gefühl zu helfen

Stefanie Breitwieser hört dem Bericht der Kollegin aufmerksam zu. Sie ist eine der beiden „Neuen“ im Team und hat bereits ihre ersten Einsätze hinter sich. In Begleitung einer Kollegin kümmerte sie sich um eine Familie, die einen Angehörigen durch einen Verkehrsunfall verloren hatte. „Ich fühlte mich nicht überfordert – im Gegenteil – jetzt konnte ich all das anwenden, was ich in der Ausbildung gelernt hatte,“ berichtet die gelernte Erzieherin. Sie hatte während einer Sanitätsausbildung beim Roten Kreuz von der Krisenintervention gehört und sich spontan für diese Ausbildung entschieden.

„Es ist ein gutes Gefühl wenn es den Betreuten nach unserem Einsatz besser geht.“ Sie wird ihr Wissen gut anwenden können, denn Stefanie ist zudem aktives Mitglied der Traunreuter BRK-Bereitschaft. Der zweite „Neue“ im Team ist Ralf Tersteegen, von Beruf Physiotherapeut und Osteopath. Er hat durch den frühen Tod seiner Schwester schwierige Situationen in der eigenen Familie erfahren. Vernon Surand, Fachdienstleiter für die BRK-Krisenintervention, stand ihm damals bei und ihm gelang es, viele Jahre später, bei Ralf Tersteegen „den zündenden Funken“ zu setzen. Meist führt Vernon Surand mit den „Neuen“ zunächst intensive Gespräche, dringt auf das Einverständnis der Familie und lässt dann die KID-Gruppe entscheiden, ob der „Neue“ ins Team passt. „Dabei kann man auf jeder Stufe scheitern – oder auch nach dem ersten Einsatz, wenn man sich durch die Wirklichkeit überfordert fühlt.“ Der Kriseninterventionsdienst ist eine Kooperation zwischen Rotem Kreuz und Malteser Hilfsdienst und wird angefordert von Rettungsdienst, Notarzt, Polizei und Feuerwehr, wobei die Alarmierung ausschließlich über die Integrierte Leitstelle Traunstein erfolgt.

Hilfe für Helfer

Aber auch für die Rotkreuzler selbst, wie für alle Mitglieder von Hilfsorganisationen, gibt es immer wieder schwierige Momente, die nur schwer verarbeitet werden können, wie der Tod eines Kollegen, oder wenn junge Frauen, Mütter oder Kinder ums Leben kommen. Dann steht „CISM“ (Critical Incident Stress Management) zur Seite, übersetzt die „Hilfe für Helfer“. Viele der Rotkreuz-KIDler haben dafür eine erweiterte Ausbildung abgeschlossen und halten sich rund um die Uhr bereit, Kollegen zur Seite zu stehen.

In manchen Fällen sind Mitglieder der CISM-Gruppe bereits bei größeren Einsätzen dabei und bieten Gespräche an, bevor die Kollegen nach Hause fahren. Finanziert werden die Gruppen der Rotkreuz-Krisenintervention durch den BRK-Kreisverband Traunstein und durch Spenden, die allen Gruppen der Krisenintervention zugute kommen.

Die CISM-Nummer ist immer erreichbar über die Integrierte Leitstelle oder die Nummer 0173 / 876 476 2.

Presseinformation Bayrisches Rotes Kreuz KV Traunstein

Rubriklistenbild: © Rotes Kreuz

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