Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kurioser Energiespar-Trick

Pfiffiger Zahntechniker aus Bergen will seine PV-Anlage mit den Akkus der E-Autos vernetzen

E-Autos genießen in fast allen Städten viele Vorteile. Bernhard Tripp aus Bergen (rechts, mit seinem Hund) stellt jetzt um. Der Zahntechniker hat noch mehrere Ideen.
+
E-Autos genießen in fast allen Städten viele Vorteile. Bernhard Tripp aus Bergen (rechts, mit seinem Hund) stellt jetzt komplett auf erneuerbare Energie um.

Bernhard Tripp stellt von Verbrenner auf E-Autos um. Dabei will er mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens sollen die Auto-Akkus größtenteils mit Sonnenenergie geladen werden. Zwischen den Batterien will er hin und her schalten. Ob das alles so funktioniert, erklärt ein Experte.

Bergen Bernhard Tripp ist ein Technik-Freak. Und er ist auch handwerklich sehr begabt. In seiner Firma in Bergen stellt er qualitativ hochwertigen Zahnersatz her. In seiner Freizeit plant er den Umstieg auf die Nutzung erneuerbarer Energien - und diese möchte er auch maximal nutzen. Die Photovoltaik (PV) Anlage ist bereits auf seinem Hausdach installiert. Zwei Elektro (E-) Autos hat er bei BMW bestellt. Diese sollen bis Oktober/November 2022 geliefert werden. „Die Lieferzeiten für die Fahrzeuge sind lang. Daher plane ich alles frühzeitig. Die Autos möchte ich sooft wie möglich über meine PV-Anlage laden, um Kosten zu sparen und Synergie-Effekte zu nutzen“, so Tripp zu innsalzach24.de.

Und er möchte Strom aus allen Quellen flexibel nutzen. Entweder für den Hausbedarf oder Mobilität. Beim Hersteller hat er deswegen gleich den Einbau eines Chips angefragt, mit Hilfe dessen er zwischen den Batterie-Speicher-Einheiten von PV-Anlage und E-Autos hin her switchen kann. „Bei Hyundai soll das bereits ab Werk möglich sein. Bei anderen Herstellern muss man separat nachfragen“, hat sich Tripp erkundigt.

Windkraftanlagen stehen hinter Photovoltaikanlagen. Ein Problem an erneuerbaren Energien ist die Abhängigkeit von der Wetterlage.

„Autobatterie als Stromspeicher nutzen“ - Wehren sich dagegen die Energieanbieter?

Der findige Bergener geht sogar noch einen Schritt weiter. Seine Idee zum Energiesparen bzw. zur effizienten Nutzung von Energie passt perfekt zur aktuellen Debatte um horrende Strom- und Gaspreise: „Durch eine bidirektionale Wallbox wäre es möglich, die Autos als Speicher zu nutzen. Dies würde bedeuten, dass, wenn man das Auto nicht benötigt und kein Solarstrom erzeugt werden kann, dass man die Batterie des Autos als Speicher nutzt und den Strom zurück ins Haus leitet. Somit könnte man den Stromverbrauch deutlich senken. Laut Berechnungen wäre hier in Deutschland die Kapazität von 100 Atomkraftwerken vorhanden. Im Moment liegt es, glaube ich, nur an der fehlenden Erlaubnis des Gesetzgebers. Dagegen wehren sich aber wahrscheinlich die großen Energielieferanten.“

Funktioniert das denn alles genau so? innsalzach24.de hat nachgefragt bei Stephan Hansjakob von der Fachschule für Umwelttechnik und Erneuerbare Energien in Altötting. Hansjakob ist Ingenieur für Elektrotechnik und Experte für Photovoltaiksysteme bzw. PV-Inselanlagen. „Das Laden der E-Autos an der eigenen PV-Anlage ist Stand der Technik und daher kein Problem und tatsächlich eine praktikable Lösung für den Alltag“, so der Experte. Anders sieht er allerdings das Strom-Einsparpotenzial durch diese Switch-Lösung der Akkus: „Energie sparen kann man dadurch grundsätzlich nicht. Der schwankende Strombedarf wird lediglich durch V2G besser geregelt und Spitzen in den Stromnetzen könnten abgefedert werden. Privathaushalte können mit V2H Energiekosten verringern, wie bei der Nutzung von Heimspeichern.“

Bidirektionales Laden - Sichtweise des Verbands der Elektrotechnik DKE/VDE (im Wortlaut)

Das bidirektionale Laden ermöglicht den Energiefluss von E-Fahrzeugen in zwei Richtungen: Der Strom kann sowohl aus dem Stromnetz über die Ladesäule ins Elektrofahrzeug fließen als auch aus einer Fahrzeugbatterie wieder zurück ins Stromnetz oder ins eigene Haus. Die beiden Konzepte nennen sich dabei Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G).

In vielen asiatischen Ländern ist der Standard für E-Fahrzeuge ein Ladekabel mit CHAdeMO-Stecker, der das bidirektionale Laden von Anfang an unterstützte. Im Katastrophenfall kann das Auto den Haushalt weiter versorgen. Die in Deutschland, Europa und Nordamerika üblichen CCS-Stecker müssen das noch lernen. Aber bereits für 2022 sind die ersten E-Auto-Modelle angekündigt, die auch mit der CCS-Steckertechnik bidirektional laden können. Dazu müssen aber auch Ladestationen, Wallboxen und Stromnetze neu konfiguriert werden, um die Kommunikation zwischen den beteiligten Komponenten zu gewährleisten.

Die aktuelle Herausforderung besteht darin, gemeinsame Schnittstellen zu definieren und die dazu notwendige Hard- und Software zu entwickeln. Wann genau das bidirektionale Laden in Deutschland nutzbar sein wird, steht allerdings noch nicht fest.

Stephan Hansjakob: „Bidirektionales Laden ist ein Baustein der Energiewende“

Hansjakob gibt jedoch auch zu bedenken: „Die E-Autos werden mit Gleichspannung geladen. Bei der Umwandlung von Strom von Gleich- zu Wechselspannung entstehen Verluste. Wenn der Akku des Autos in das Heim-Stromnetz eingebunden wird, ist zudem noch nicht geklärt, inwieweit es die Lebensdauer der Batterie verringern könnte.“ Dafür sei das E-Auto schlicht nicht prinzipiell konzipiert worden. Die Hersteller-Garantie des Elektro-Autos könnte erlöschen.

OStR Stephan Hansjakob erklärt Gästen aus Afrika elektrische Schaltanlagen an der Altöttinger Berufsschule.

Der Berufsschullehrer weiß, dass es „eine Arbeitsgruppe der Bundesregierung für V2G und V2H gibt“. Wenn man die Technologie zulasse und „in der Breite richtig anwendet, könnte eine gewaltige Regelenergie für die Stromnetze zum Einsatz kommen“. Grundsätzlich problematisch seien die schwankende Nachfrage für Strom auf dem Markt und die je nach Wetterlage schwankenden Strom-Einspeisungen durch PV-Anlagen. Hansjakob: „Vor allem im Sommer gibt es immer wieder Zeiten, in denen viel mehr Energie im Netz vorhanden ist, als genutzt oder gespeichert werden kann. Dieser Zustand destabilisiert unser Stromnetz und könnte sogar zum Blackout (Zusammenbruch des Stromnetzes) führen könnte. In diesen Situationen wird überschüssige Energie unter anderem an Energieversorger in Österreich „verschenkt“, um damit das Wasser in Pumpspeicherkraftwerken nach oben zu pumpen.“

Gewohnheiten umstellen und Smart Home als Standard

Bidirektionales Laden sei „ein Baustein der Energiewende“, für dessen Einsatz „aber noch technische Forschungsarbeit notwendig ist“. Eine intelligente Steuerung über eine KI (künstliche Intelligenz) Hard- und Software müsse „die Kommunikation zwischen den Smart-Home-Installationen der Bürger und den Strom-Netzbetreibern automatisch sicherstellen.“ Gleichzeitig könne man aber auch von den Heimspeicher-Herstellern lernen. Beispielsweise nutzt die Firma „Sonnen“ im Allgäu die verbauten Batterien/Heimspeicher als virtuelles Kraftwerk. Die Batterien der teilnehmenden Heimspeicherbesitzer speisen bei Bedarf Regelenergie ins Netz ein. Gleichzeitig sind die Steuerungssysteme so intelligent, dass - an den Bedarf des einzelnen Kunden angepasst - immer ausreichend Energie in den Batterien verbleibt.

Für den Experten aus Altötting müssten wir „mit der Umstellung auf Erneuerbare Energien langfristig unsere Gewohnheiten umstellen und Smart Home müsste Standard werden“. Er gibt ein Beispiel: „Ein schlauer PV-Nutzer könnte die Waschmaschine vorprogrammiert einschalten lassen, wenn gerade die Sonne scheint.“ In einem Haushalt mit mehreren kleinen Kindern, „in dem die Waschmaschine mehrmals täglich läuft“, sei das aber schon wieder schwierig. Und man müsse im Falle von V2H/V2G aufpassen, „dass man bei Bedarf nicht zu viel Strom aus der Autobatterie abzweigt, die dann unerwartet leer sein könnte, wenn man gerade zum Einkaufen fahren will“.

Gesetzliche Regelungen fehlen noch, um Technik den Rahmenbedingungen anzupassen

Stephan Hansjakob bringt auch „stationäre Großbatterieanlagen“ ins Spiel - vergleichbar mit Erdgas-Speichern - „um eine Stromlieferung flexibel angepasst an die Netzlast zu gewährleisten“. Insgesamt „fehlen für V2H bzw. V2G noch die gesetzlichen Regelungen, um die Technik an die Rahmenbedingungen anzupassen“. Dazu kämen „teilweise große Lieferschwierigkeiten bei der Hardware - wie der bidirektionalen Wallbox - die perspektivisch in enormen Stückzahlen“ benötigt werden würde. Dafür sei eine Subventionierung notwendig, „um bidirektionales Laden in der Breite zu etablieren, wenn der politische Wille dafür vorhanden“ sei.

-rok-

Kommentare