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Landesamt für Umwelt bestätigt

Wolf hat Schafe in Bergen gerissen - auch im Berchtesgadener Land ist er nachgewiesen

Mit einem Banner, Aufschriften auf den Siloballen und den in Plastiksäcken verpackten Kadavern protestiert Landwirt Stefan Rappl gegen die Haltung der Politik zum Wolf.
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Mit einem Banner, Aufschriften auf den Siloballen und den in Plastiksäcken verpackten Kadavern protestiert Landwirt Stefan Rappl gegen die Haltung der Politik zum Wolf.

Der Verdacht eines Landwirts aus Bergen hat sich bestätigt. Die Schafe von Stefan Rappl wurden Ende Oktober von einem Wolf gerissen. Nur drei Tage später wurde auch im Berchtesgadener Land ein Schaf gerissen.

Bergen/Anger - Was für Stefan Kappl aus Bergen bereits beim Auffinden seiner sechs toten Schafe klar war, hat die DNA-Analyse des Landesamtes für Umwelt jetzt bestätigt: „Ende Oktober und Anfang November wurden an drei Orten in Bayern tote Nutztiere aufgefunden. Erste Ergebnisse der genetischen Untersuchungen bestätigen in allen drei Fällen einen Wolf als Verursacher. Für Traunstein und das Berchtesgadener Land ist der Wolf der alpinen Population zuzurechnen. Im Landkreis Rhön-Grabfeld handelt es sich um ein Tier aus der zentraleuropäischen Population“, heißt es in einer Presseaussendung des Amtes.

Wolfsriss in Bergen bestätigt - weitergehende Genanalyse läuft

„So schlimm es ist – es ist eine leichte Genugtuung für uns, dass es jetzt endlich raus ist, dass es ein Wolf ist“, sagt Monika Rappl gegenüber dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt. Doch ändert es erstmal nur bedingt etwas an der Situation. „Behörden, Interessenverbände und Vertreter von Nutztierhaltern wurden informiert“, schreibt das Landesamt für Umwelt weiter. „Eine weitergehende Analyse des gewonnenen Genmaterials soll Aufschluss über Geschlecht und mögliche Herkunft der Tiere bringen. Zur Vermeidung erneuter Übergriffe auf Weidetiere werden die Förderkulissen zum Herdenschutz in Bayern umgehend auf die Gemeindegebiete im Umfeld der Ereignisse ausgeweitet.“

Das bedeutet, Nutztierhalter, deren Weiden innerhalb der Kulisse (also jetzt auch im Landkreis Traunstein und dem Berchtesgadener Land) liegen, können sich Herdenschutzmaßnahmen fördern lassen. Anträge können ab sofort bei den zuständigen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) gestellt werden.

  • Gefördert werden folgende Investitionen:
  • Mobile Elektrozäune und elektrifizierte Festzäune
  • Mobile Ställe (nur für Schafe und Ziegen)
  • Herdenschutzhunde (Anmerkung: Die Beantragung einer Förderung für Herdenschutzhunde ist derzeit noch nicht möglich.)

Doch für die Landwirte ist das oft nicht die Lösung. Gegenüber chiemgau24.de erklärte Stefan Rappl nach dem Riss, dass er überlege, ob er überhaupt mit der Viehwirtschaft weiter machen solle, wenn das so weitergehe. Er bewirtschaftet neben seinem Hof im Bergener Ortsteil Geißing eine Alm im Hochfellnmassiv. „Ich kann nicht gewährleisten, dass der Wolf da nicht hinkommt“, sagt der Landwirt. Über drei Hektar hat er dort aber eben nicht wolfsgeschützt: „Die Alm ist so eingestuft, dass sie nicht zäunbar ist.“

Klare Haltung der Landwirte nach bestätigten Wolfsriss in Bergen

Für Rappl ist die Lösung klar. „So ein Tier gehört nicht hierher“, äußerte er gegenüber chiemgau24.de nach dem Riss. Mit der bestätigten DNA-Analyse erklärte er gegenüber dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt: „Ich werde als Privatperson eine Abschussgenehmigung beantragen.“ Dafür muss der Landwirt aber erhebliche wirtschaftliche Schäden (§ 45 (7) BNatSchG) nachweisen. Denn der Wolf ist im Bundesnaturschutzgesetz besonders und streng geschützt.

Unterstützung bekommen die Landwirte von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Bei der jährlichen Hauptalmbegehung äußerte sie: „Wir müssen den Mut finden, dass der Wolf entnommen werden kann.“ Doch damit er entnommen werden kann, muss auch erst belegt werden, dass es sich um einen standorttreuen Wolf handelt. „Ein Wolf gilt als standorttreu, wenn dieser über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten nachgewiesen wird oder eine Reproduktion belegt ist“, erklärt ein Sprecher des Landesamtes für Umwelt gegenüber chiemgau24.de. „Dies trifft gegenwärtig in den genannten Regionen nicht zu. Auf der Suche nach einem geeigneten Territorium können gerade junge Rüden sehr weite Strecken wandern und so jederzeit überall in Bayern auftauchen.“

Zwei Nachweise von Wölfen im Chiemgau und dem Berchtesgadener Land

Im laufenden Monitoringjahr wurden in der Region Chiemgau, Rosenheim, Berchtesgadener Land bisher zwei Nachweise von Wölfen erbracht (30.10.2021 Landkreis Traunstein und 02.11.2021 Landkreis Berchtesgadener Land). Der Nachweis im Berchtesgadener Land ist auf einen Wolfsriss in Anger zurückzuführen. Auch hier hat sich der Anfangsverdacht bestätigt. Eine Individualisierung soll klären, ob es sich um eines oder um mehrere Tiere handelt.

Ein weiterer Verdacht aus Bad Reichenhall hat sich nicht bestätigt. „Der Fund eines weiteren toten Schafes im Landkreis Berchtesgadener Land am 10.11.2021 erwies sich als postmortaler Befraß ohne Hinweise auf Beteiligung eines großen Beutegreifers“, konkretisiert der LfU-Sprecher. Doch wann gilt ein Wolf überhaupt als nachgewiesen? Erst wenn Tiere gerissen werden?

  • Das Landesamt für Umwelt hat dabei eine klare Einstufung:
  • C1: Fakten, Nachweise („hard facts“): Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis, Bildmaterial, Telemetrieortung
  • C2: Bestätigte Hinweise („soft facts – confirmed“): durch eine erfahrene Person bestätigte Ereignisse wie Riss oder Spur
  • C3: Nicht bestätigte Hinweise („soft facts – unconfirmed“): Ereignisse, die nicht überprüft wurden bzw. in der Regel nicht überprüfbar sind (zum Beispiel Sichtungen ohne Bildmaterial, Rufe)

Vor allem nicht überprüfbare Ereignisse nehmen vermehrt zu. So wird seit kurzem auch ein Wolf im Nationalpark Berchtesgaden vermutet, doch ob das über WhatsApp verbreitete Video eines Wanderers den Tatsachen entspricht, lässt sich nicht nachweisen.

cz

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