Neuwahlen des Bürgermeisters in Bergen

Neuer Bürgermeister für Bergen gesucht

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Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger informierten sich am Mittwoch über die Themen in Bergen.
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Bergen - Nachdem Josef Schweiger sein Amt im Juli aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hat, stellten sich die drei Nachfolge-Kandidaten jetzt den Fragen aus der Bevölkerung.

Seit Bürgermeister Josef Schweiger sein Amt im Juli aufgegeben hatte, lenkt Stefan Schneider als zweiter und somit stellvertretender Bürgermeister die Geschäfte in Bergen. Vor der offiziellen Neuwahl am 9. November luden der kommissarische Bürgermeister und seine beiden Mitbewerber nun am Mittwoch zu einer offenen Podiumsdiskussion in der Bergener Festsaal ein. Vor der voll besetzten Halle wurden die zentralen Themen der Gemeinde von jedem Bewerber behandelt. Interessierte Bürger hatten zudem die Möglichkeit, den Kandidaten in einer Fragerunde auf den Zahn zu fühlen.

Hochwassergefahr und die Dorfgemeinschaft

In sechs großen Bereichen wurden die Meinungen der potentiellen Bürgermeister auf die Probe gestellt. Nicht erst seit den Unwettern der vergangenen Woche beschäftigt die Gemeinde Bergen der Schutz vor drohenden Wassermassen. Sonja Brunner, die Kandidatin der Überparteilichen Wähler (kurz: ÜW) bemängelte den aktuellen Stillstand beim Thema. Bei den Grundstücksverhandlungen sei kein Fortschritt zu verzeichnen, das Wasserwirtschaftsamt warte indes, dass die Gemeinde aktiv werde. Gravierende Veränderungen in der Situation würden eine Überprüfung absolut notwendig machen, so Brunner. Der Grünen-Politiker und momentan amtierende Bürgermeister, Stefan Schneider, gab zu bedenken, dass sich Berechnungen zum Thema Hochwasser ständig veränderten. Vertrauen in die Statistik könne man sich schließlich nicht leisten, könne man doch nicht ausschließen, dass selbst ein hundertjähriges Ereignis sich nicht im kommenden Jahr wieder zutragen könnte. Aus seiner Sicht seinen die Maßnahmen dringend, ein künftiger Bürgermeister könne die Entscheidung zwar vorantreiben, der Beschluss liege aber auch weiterhin beim Gemeinderat. Der Grundstückserwerb gestalte sich dabei teilweise schwierig, dem angeprangerten "Stillstand" müsse man mit dem gebührenden Maß an Zeit und Aufwand entgegentreten. Schneiders Mitbewerber Josef Gehmacher forderte bei der Diskussion um Grundstückspreise eine "Verhandlung auf Augenhöhe" mit den Eigentümern. Doch bevor hier Geld in die Hand genommen werden könne, müsse man zuerst die Planungen weiter vorantreiben. Aktuell gäbe es beispielsweise noch keine Angaben, wie viele Flächen für einen geeigneten Hochwasserschutz überhaupt benötigt würden, so der CSU-Kandidat.

Sehr gut aufgestellt sehe Gehmacher die Gemeinde hingegen im Bereich des dörflichen Lebens. Sowohl die Verkehrsanbindung, als auch die Vereine, der Sektor Bildung und andere infrastrukturelle Begebenheiten "bieten gute Voraussetzungen, dass sich die Bürger in Bergen wohlfühlen." Besonders die aktiven Vereine trügen einen Großteil zur Lebensqualität im Ort bei, eine Förderung seitens der Gemeinde habe hier einen großen Anteil, so Gehmacher. Auch im Bildungsbereich sei man durchwegs gut aufgestellt, betonte Sonja Brunner. Nach dem Erhalt der Grundschule liege der einzigen Kandidatin im Bewerberfeld aber eine bessere Verflechtung mit den Sportvereinen besonders am Herzen. Das Miteinander von Alt und Jung solle ihrer Meinung nach weiter ausgebaut werden. Hier regte die Kandidatin der ÜW zu einer Diskussion um zusätzliche Förderungen an. Stefan Schneider ging in seiner Antwort zum Thema "Leben im Dorf" hingegen auf die aktuelle Situation der Flüchtlinge und Asylsuchenden ein. Die Gemeinde sei nicht für eine Patentlösung in diesem Fall zuständig. Die Verwaltung beteilige sich zwar an der Privatinitiative "Netzwerk Asyl" habe aber noch nicht diskutiert, ob man sich selbst, beispielsweise mit dem Kauf einer Wirtschaft, aktiv an der Unterbringung von Asyl-Suchenden beteiligen könnte.

Wohnen/Arbeiten in Bergen und die Finanzlage der Gemeinde

Stefan Schneider leitet seit dem Rücktritt von Bürgermeister Josef Schweiger die Amtsgeschäfte in Bergen.

Für Buchhaltung und Bilanzen interessiere sich der Grünen-Kandidat Schneider schon seit seiner Schulzeit. Auch in Zukunft wolle er den eingeschlagenen Sparkurs der Gemeinde Bergen weiter verfolgen. Es gelte vielmehr die Prioritäten bei den Ausgaben neu zu überdenken und zu sortieren, neue Schulden wolle Schneider nur bei Investitionen in Kauf nehmen. Eine Vorgehensweise die in Bergen schwierig sei, aber möglich, so Schneider. Josef Gehmacher hält die Sparpolitik seines Kollegen und Vorredners jedoch nicht für praktikabel. Er wolle lieber von den momentan niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt profitieren und mehr Investitionen tätigen. "Wir müssen Geld in die Hand nehmen", erklärte Gehmacher am Abend. Besonders in Bezug auf die Kläranlage und das sanierungsbedürftige Kanalnetz kämen hohe Kosten auf die Gemeinde zu. Schulden seien dann legitim, solange sie auch für Projekten mit  der richtigen Priorität verwendet würden, schloss sich Sonja Brunner der Meinung von Josef Gehmacher an. Vor einem "Leben über die Verhältnisse" warte sie jedoch ausdrücklich. "Investitionen ja; aber nur dann wenn sie etwas zurückbringen," so Brunner. Eine Erhöhung der Gewerbesteuer zur Sicherung neuer Einnahmen komme für sie nicht in Frage, man wolle neue Betreibe ja gewinnen und nicht vertreiben.

Als Beweggrund für ihre Kandidatur gab Sonja Brunner das Thema "Leben und Arbeiten in Bergen" an. Ihr primäres Ziel sei es, Jugendliche auch in der Gemeinde zu halten, um wieder frischen Wind für Bergen zu sichern. Stefan Schneider lobte die Unternehmungen der Gemeinde. Beruf und Familie seien in Bergen ohne Einschränkung miteinander vereinbar. Die hohe Auslastung der Mittagsbetreuung an der Grundschule und die voll besetzte Kindergrippe sprächen eine deutliche Sprache, so Schneider. "Kinder sind unsere Zukunft, da lohnt es sich Geld in die Hand zu nehmen." Deswegen sei es auch wichtig, seitens der Gemeinde weiter zu denken. Besonders bei der Ferienbetreuung müsse die Gemeinde ihren Anteil leisten. Zusätzlich Arbeitsplätze in Form von Gewerbeansiedlung wolle Schneider "mit Augenmaß" betreiben. In Konkurrenz mit den umliegenden Gemeinden zu treten, sei nicht zielführend. Auch Josef Gehmacher betonte den Gedanken, dass in der Region bereits genug Arbeitsplätze zur Verfügung stehen würden. Aktuell habe die Gemeinde rund 11.000 Quadratmeter für eine künftige Gewerbeansiedelung zur Verfügung. Diesen Raum gelte es so effizient wie möglich auszunutzen so der Vertreter der CSU. Man dürfe sich jedoch nicht der Illusion hingeben, dass alle Bewohner Bergens auch dort arbeiten könnten. Einstimmigkeit herrschte bei dem Punkt, dass Bergen aber in Zukunft keinesfalls Betriebe verlieren dürfe, wie es in der Vergangenheit bereits geschehen sei.

Das Klärwerk und Tourismus in Bergen

Josef Gehmacher trat bereits bei der Kommunalwahl gegen Stefan Schneider und den ehemaligen Bürgermeister Josef Schweiger an.

Tourismus spiele sich größtenteils in Privatzimmern ab, erklärte Josef Gehmacher. Insgesamt sei in diesem Bereich ein Rückgang der Übernachtungszahlen deutlich zu erkennen. Er unterstrich die Bedeutung der Feriengäste und stufte sie zeitgleich als wichtige Wirtschaftskraft für den Ort ein. Mit demBeitritt zum Tourismus-Verband sei ein erster Schritt in die richtige Richtung getan, so Gehmacher. Eine feinere Differenzierung und eine Orientierung in Richtung Familien mit Kindern wünschte sich hingegen Sonja Brunner. In Zeiten moderner Transportmittel könne Bergen mit anderen Erholungsgebieten schlicht nicht mithalten, man müsse sich daher eine Nische im Gefüge suchen, so die Kandidatin. Stefan Schneider sieht die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Tourismusverbänden eher als Chance für die Gemeinde. Es gäbe andere Möglichkeiten gezielt für Bergen zu werben, nun müsse man nur noch die Alleinstellungsmerkmale und Besonderheiten der Gemeinde in den Mittelpunkt rücken. Auf die altgediente Seilbahn möchte Schneider dabei keinesfalls verzichten. Sie stelle einen Mittelpunkt im Bereich des Tourismus dar, um die sich auch die Existenzen vieler Bürger drehten. Positiv stimme ihn die Tatsache, dass das Defizit dort in den vergangenen Jahren sukzessive minimiert werden konnte. Zudem bilde die Hochfelln-Bahn einen perfekten Ausgangspunkt, um die Natur in der Gegend erleben zu können.

Bereits seit zehn Jahren mache sich die Stadtverwaltung nun schon Gedanken über die Zukunft der örtlichen Kläranlage. Leider sei es in der Vergangenheit zu einer gravierenden Diskrepanz zwischen den Planungen und den zugehörigen Kostenvoranschlägen gekommen, so Schneider. Mittlerweile habe man jedoch ein neues Planungsbüro eingesetzt, das die Gegebenheiten in Bergen besser einschätzen könne und statt einer Kostenschätzung nun auch eine Kostenberechnung vorlegen werde. Beim Thema Kläranlage bestünden trotzdem noch offene Fragen, mit denen sich der Gemeinderat noch beschäftigen werde. Erst nach diesem Prozess könnten gegenüber den Bürgern zuverlässige Aussagen getroffen werden. Als Beispiel für noch zu klärende Fragen führte Josef Gehmacher den hohen Wert von Fremdwassereinträgen ins System an. Die Stickstoffwerte im Bergener Abwasser kämen ihm zufolge teilweise den Werten einer 30.000-Einwohner-Stadt gleich. Auf diesen Aspekt habe er das Priener Planungsbüro aber bereits aufmerksam gemacht. Eine Schmerzgrenze bei den Kosten kenne Sonja Brunner nicht. "Die Kläranlage ist eine Sache, die erledigt werden muss", forderte die Bewerberin.

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