Nachwuchs 24 Stunden bei Berufsfeuerwehr

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Eine ganze Reihe an Einsätzen, darunter auch die Rettung einer Person aus einem Schacht, waren von den Buben und Mädchen zu bewältigen, die am ersten Berufsfeuerwehrtag der Jugendgruppe der Feuerwehr Traunreut teilnahmen.

Traunreut - 24 Stunden wie bei der Berufsfeuerwehr: Das wollten die Buben und Mädchen der Jugendfeuerwehr Traunreut erleben. Kommandant Ingo Klepke machte es möglich.

Am Spätnachmittag war Dienstantritt für den Dienstmarathon. Die zehn Nachwuchsfeuerwehrler aus dem Stadtgebiet und drei junge Anwärter der Feuerwehren Obing und Umratshausen, sowie aus Ludwigshafen (Rheinland Pfalz), deren Väter freundschaftliche Kontakte zur Traunreuter Wehr haben, waren gespannt, was in den nächsten 24 Stunden auf sie zukommt.

Zu Beginn wurde die junge Mannschaft auf die Einsatzfahrzeuge aufgeteilt und der Schlafplatz für die Nacht vorbereitet. Und ebenso wie bei der Berufsfeuerwehr stand die Überprüfung von Ausrüstung und Material auf dem Plan. Nach dem gemeinsamen Abendessen, das zusammen vorbereitet wurde, war freie Zeit zum Kartenspielen, Kickern oder Billardspielen, oder auch zum Fußballspielen im Übungshof. Dann, um 21.48 Uhr gab es den ersten Alarm und aus den Lautsprechern im Gerätehaus war die Durchsage „Starke Rauchentwicklung in Tiefgarage in der Trostberger Straße“ zu hören. Daraufhin rückte der Löschzug aus. Am fingierten Einsatzort angekommen war eine lange Schlauchleitung von der nächstgelegenen Wasserentnahmestelle bis zur Tiefgarage zu verlegen. Die erst kürzlich in den aktiven Dienst übernommenen Jugendlichen, schulterten die Atemschutzgeräte und suchten mit einer Wärmebildkamera nach einer vermissten Person, die nach kurzer Zeit entdeckt und gerettet wurde.

Wieder zurück im Gerätehaus musste die Einsatzbereitschaft hergestellt werden, das heißt, die Fahrzeuge mussten mit trockenen Schläuchen bestückt und die Atemschutzgeräte einsatzklar gemacht werden. Danach gab es eine Einsatznachbesprechung, um Fehler die gemacht wurden, in Zukunft auszuräumen. Danach war Zeit für Gespräche und zum kameradschaftlichen Miteinander, was im Dienst bei ehrenamtlich geprägten und freiwilligen Feuerwehren unverzichtbar ist. „Im Ernstfall muss ich mich auf den Anderen hundertprozentig verlassen können“, betonte Jugendwarthelfer Thomas Danzer.

Einsatzalarm um 4 Uhr

Ab 23 Uhr war Bettruhe angesagt, doch Durchschlafen bis zum Morgen war den Jugendlichen nicht gegönnt. Gegen 4 Uhr riss ein weiterer Alarm die Buben und Mädchen aus dem Schlaf. Die automatische Brandmeldeanlage im Klärwerk Traunreut schlug Alarm. Mit noch kleinen Augen wurden die Fahrzeuge bestiegen und die Löschtrupps machten sich auf den Weg zur Kläranlage. Dort stellte sich schnell heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Doch das ist Tagesgeschäft bei Freiwilligen, ebenso wie bei Berufsfeuerwehren. Deshalb packten die Organisatoren des Jugendtages auch einen „Fehlalarm“ ins Programm.

Technische Hilfeleistungen, ein Fehlalarm, Menschenrettung und Löschen von Bränden – beim erstmals veranstalteten Berufsfeuerwehrtag der Jugendgruppe der Feuerwehr Traunreut erlebten die Buben und Mädchen den Alltag bei der Feuerwehr.

Das Einschlafen fiel nach Rückkehr aus dem Einsatz schwer, weil den Jugendlichen viel durch den Kopf ging. Schon um 6.30 Uhr wurden die Jugendfeuerwehrler geweckt. Nach dem Frühstück war Fahrzeugkunde angesagt. Gegen 8.30 Uhr wieder ein Alarm. Eine Person war in einen Schacht gestürzt und musste von der Feuerwehr gerettet werden. Um das Szenario möglichst realistisch darzustellen, rückte das Rote Kreuz mit einem Rettungswagen an. So schonend wie möglich wurde die Person mit dem Rollgliss – einem Rettungs- und Abseilgerät - über eine Bockleiter gerettet.

Nach der Mittagspause der nächste Einsatz, eine Tierrettung: Eine Katze war am Rathausplatz aus dem Wipfel eines Baumes zu retten. Weil dies allein mit der Drehleiter nicht möglich war, mussten die Jugendlichen eine vierteilige Steckleiter zusammenbauen. Gekonnt wurde die Mieze gerettet und in den bereitgestellten Transportkäfig gesteckt. Dass es sich bei dem Tier um eine kuschelige Stoffkatze handelt, änderte nichts am Eifer der Jugendlichen.

Mehr Brände in ganz Traunstein

Auch der letzte Einsatz des 24-Stunden-Dienstes war ein Brand. In den Traunauen war ein Holzhaufen aufgeschlichtet und angezündet worden, damit die Jugendlichen erleben konnten, welche enorme Strahlungshitze auch vermeintlich kleine Feuer entwickeln. Um ein Übergreifen auf Bäume und Sträucher zu verhindern, musste eine Saugleitung gekuppelt werden, mit der Wasser aus der Traun Wasser gefördert wurde. Mit mehreren C-Rohren wurde ein breiter Sperrgürtel, gleich einer Wasserwand aufgebaut. Damit war die Gefahr gebannt und eine Brandausbreitung verhindert. Die sommerlichen Temperaturen verführten zu einer großen Wasserschlacht, was allen richtig viel Spaß machte, besonders deshalb, weil die Jugendwarte und Ausbilder kräftig eingeweicht wurden.

Begeistert vom Eifer und Idealismus der jungen Feuerwehrler zeigte sich auch Bürgermeister Franz Parzinger, der der Jugendgruppe einen Besuch abstattete. Das Engagement der Buben und Mädchen mit einem Berufsfeuerwehrtag einen neuen Weg der Ausbildung zu gehen, der zudem Kameradschaft und Gemeinschaft stärkt, freute Parzinger besonders. Und er gratulierte zum Erfolg beim diesjährigen Kreisjugendfeuerwehrtag, bei dem die Traunreuter Jugendgruppe 2. Sieger beim Spielewettbewerb wurde.

Mit einem gemeinsamen Grillabend aller Beteiligten klang der 1. Berufsfeuerwehrtag der Jugendgruppe aus. Dabei würdigte Kommandant Ingo Klepke die Organisation und Vorbereitung durch Thomas Danzer und Jugendwart Konrad Unterstein sowie aller Helfer, die die „tollen 24 Stunden bei der Feuerwehr“ möglich machten. Und alle waren sich einig, dass der Berufsfeuerwehrtag für die Jugend im nächsten Jahr wiederholt werden soll.

Pressemitteilung Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Kaum war dieser Einsatz beendet, gab es Feueralarm für das Jugendteam. Aus einem Papiercontainer im Traunsteiner Wald quoll starker Rauch. Manche Anwohner hielten es für ein echtes Feuer, denn Fritz Habenicht und Rainer Wieden inszenierten mit einer Nebelmaschine eine täuschend echte Einsatzsituation. Wieder mussten die angehenden Feuerwehrler Atemschutzgeräte anlegen, allerdings ohne Masken, denn die Ausbildung dafür erfolgt erst mit 18 Jahren. Doch schon mal spüren, wie es sich anfühlt, das sollten die Jugendlichen erfahren. „Das geht auf die Dauer ganz schön ins Kreuz“ sagte einer Buben. Nach rund 30 Minuten war der Brand gelöscht und der Löschzug rückte wieder in die „Hauptfeuerwache“ ein. Eigentlich heißt es schlicht und einfach „Gerätehaus“, doch die Jugendlichen waren ja „Berufsfeuerwehrler“ und gaben ihrem Standort deshalb auch den passenden „ehrwürdigen“ Namen.

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