Gut besuchte Bürgerversammlung in Vachendorf

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Pater Augustin sprach das aus, was viele Besucher der Vachendorfer Bürgerversammlung dachten: „Ein Dorf ohne Wirt ist wie ein Dorf ohne Kirche.“ Bei der Bürgerversammlung waren sich alle einig, dass man sich hier eine Veränderung wünsche und hoffe, dass es in absehbarer Zeit wieder einen Wirt in Vachendorf gäbe.

Vachendorf - So manche Bürgerversammlung krankt an der Beteiligung der Bürger. Anders in Vachendorf, in der knapp 100 Vachendorfer am Freitagabend in den Pfarrsaal gekommen waren.

„Mit der Beteiligung bin ich hoch zufrieden“ zeigte sich Vachendorfs 1. Bürgermeister Rainer Schroll über den guten Besuch erfreut. Neben den Alt-Bürgermeister Nik Diener und Alois Hartl waren auch viele Vertreter und Verantwortliche des Kindergartens, der Schule, die Vertreter der Ortsvereine und der Freiwilligen Feuerwehr anwesend.

Schroll ging in seinen Ausführungen, in denen er vom Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft, Andreas Schultes unterstützt wurde, auf die Arbeit des Gemeinderats ein. 18 Sitzungen hätten seit der letzten Bürgerversammlung stattgefunden, in denen 145 Beschlüsse gefasst wurden. 142 davon seien einstimmig gefasst worden.

Freute sich über eine rege Beteiligung bei der Bürgerversammlung im Saal des Vachendorfer Pfarramts: Vachendorfs 1. Bürgermeister Rainer Schroll.

Finanztechnisch sei das vergangene Jahr ein sehr schwieriges, mit gestiegenen Ausgaben und gesunkenen Einnahmen gewesen wie er ausführte. „Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist nun auch in unserer Gemeinde angekommen. Trotzdem sind unsere Finanzen in Ordnung.“ Man hoffe, „mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.“

Weitere Themen waren der Lärmschutz an der Autobahn, die Aktivitäten der Schule sowie die energetische Sanierung des Schulgebäudes und der Turnhalle. 97 Kinder würden derzeit die Grundschule besuchen. Sämtliche Kosten im Zusammenhang mit dem Schulbetrieb zusammengefasst, würden zu einer Unterdeckung von 127.000 Euro führen. Erfreulich sei auch die gute Akzeptanz der Mittagsbetreuung an der Schule, die von 25 Kindern in zwei Gruppen genutzt werden. Es werde eine Hausaufgabenbetreuung und ein kleines Mittagessen angeboten. „Das läuft zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten“ führte das Gemeindeoberhaupt aus.

50 Kinder würden den Kindergarten besuchen, der seit Kurzem eine „Integrationseinrichtung“ ist und von drei Kindern mit einer Behinderung genutzt wird. Der Gemeinderat hat hier beschlossen, die hierfür anfallenden Kosten zu übernehmen. Anregungen zum Kindergartenbesuch, die auf der letztjährigen Bürgerversammlung von Teilnehmern ausgesprochen wurden, konnten teilweise umgesetzt werden.

Einen kurzen Überblick gab er auch über die Aktivitäten der Freiwilligen Feuerwehr in der zur Zeit 54 Aktive engagiert sind. Diese seien gut ausgerüstet und ausgebildet. „Das wurde zuletzt bei dem Einsatz an Fronleichnam unter Beweis gestellt als durch ihr schnelles Eingreifen schlimmeres verhindert werden konnte“ dankte er der Feuerwehr für ihren Einsatz am Türlberg. Bei der kürzlich durch die Brandinspektion durchgeführten Abnahme der Leistungsabzeichen sei der hohe Ausbildungsstand deutlich geworden.

Vakant ist auch weiterhin der Platz des Vorstands im Fremdenverkehrsverein, nachdem die langjährige Leiterin nach Berlin verzogen ist. Schroll bat die Gemeindebürger sich hier zu engagieren, da der Verein sonst aufgelöst werden müsse. Man beteilige sich auch in diesem Jahr wieder mit den Nachbargemeinden Bergen, Siegsdorf, Traunstein, Staudach, Unterwössen und Schleching am Katalog „Urlaubswelt Chiemgau“.

Weitere Themen waren der Winterdienst, der Wertstoffhof der mit rund 12.000 Euro kostendeckend betrieben werden könne. Der Bürgermeister wies nochmals darauf hin, dass die Mitarbeiter des Wertstoffhofs bei Anlieferungen von Grüngut von mehr als 0,5 m³ den Auftrag hätten anfallende Gebühren zu kassieren. Derzeit stünden noch zwei Grundstücke für Einheimische zur Wohnbebauung zur Verfügung.

Daneben berichtete er über die verschiedenen Straßenbauprojekte wie die Gemeindeverbindungsstraße Mühlbach-Hiensdorf, in der Reichhausener Straße, dem Weg am Georgiberg und der Autobahn A8 in der er zusammen mit dem 2. Bürgermeister Herbert Bischof und einem Anlieger in die Dialoggruppe um den Autobahnausbau berufen worden sei. Im Zusammenhang mit dem Brückenbau an der A8 hätten durch das Engagement der Gemeinde und einzelner Anwohner deutliche Verbesserungen durchgesetzt werden können.

Förderung der Jugendarbeit

Es sei das Ziel des Gemeinderats, die Jugendarbeit in den Vereinen aktiv zu fördern führte er aus. „Die wird von uns nicht nur ideell sondern auch finanziell unterstützt.“ Er bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern und Betreuern. „Sie verdienen unseren Dank und unsere Anerkennung.“

Das 90-jährige Gründungsfest des GTEV Vachendorf sei ein weiterer Höhepunkt des Jahres gewesen. Auch das Maibaumaufstellen sei ein schönes Fest gewesen. Er beklagte dabei aber die vielen bürokratischen Hemmnisse. So hätten die „Diebe“ aus Neukirchen auch für das Überqueren des Bahngleises in Siegsdorf eine Genehmigung gebraucht. „Und immer werden Gebühren fällig.“

Er stellte auch nochmals klar, dass die von den Freien Wählern in Grabenstätt ins Spiel gebrachten „Kompetenzschwierigkeiten“ haltlos seien. Das Verhältnis zwischen den Gemeinden Grabenstätt und Vachendorf sei gut, mit seinem Bürgermeister-Kollegen Georg Schützinger verstehe er sich „ausgezeichnet“. „Ich lasse es nicht zu, wenn hier versucht wird, einen Keil zwischen uns zu treiben“ so der Bürgermeister. Vor kurzem wurde gemeinsam der Meteoritenrundweg am Tüttensee eröffnet. Am Tüttensee haben man das Fragment eines Steinbeils gefunden, der vermutlich der älteste Nachweis menschlicher Tätigkeit im Gemeindegebiet sei.

Er begrüßte die Übernahme des Edeka-Ladens durch die Familie Pfeilstätter. „Das Geschäft ist ein wichtiger Bestandteil für die Nahversorgung unseres Ortes.“ Er bat die Bürger dies durch Einkäufe zu unterstützen.

Bürger diskutieren mit

Nach den umfassenden Ausführungen des 1. Bürgermeisters kamen auch die Bürger zu Wort. Rosa Thielen mahnte an, den Winterdienst beim Bushaus nicht zu vergessen, da Dieses in den vergangenen Wintern nicht immer gut genug von Schnee und Eis geräumt sei. Ortsheimatpfleger Sepp Fischer, dem bereits zu einem früheren Zeitpunkt die Bürgermedaille für sein Wirken um den Erhalt und die Wahrung von Brauchtum und Tradition erhalten hatte, wies im Zusammenhang mit dem „Impakt Tüttensee“ darauf hin, dass die „Fachleute sich zusammen setzten sollten um sich auseinander zu setzen.“ Resi Niklas mahnte an, für eine gute Beleuchtung in den Abendstunden um das Schul- und Turnhallengebäude zu sorgen. Der ehemalige Gemeinderat Thomas Hoffmann nutzte die Bürgerversammlung um „Werbung“ für die Sport-Jugendgala in der Schulturnhalle am kommenden Samstag zu machen. Dort werde unter Anderem Willi Weindl für 40 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit geehrt führte er unter lang anhaltendem Applaus für den anwesenden BLSV-Kreisvorsitzenden weiter aus: „Das sind wir ihm schuldig.“ In einer weiteren Wortmeldung wurde angeregt, über den „tollen Ort Vachendorf“ eine Broschüre zu machen. Es gäbe viele gute Angebote „aber das weis keiner“ so die Feststellung. Georg Kalsperger aus Wimpasing schimpfte, dass im Zusammenhang mit der Verkehrsregelung in dem Ort (wir berichteten) eine private Umfrage gemacht wurde die auch dem Gemeinderat zugänglich gemacht wurde, bei der aber nicht alle Anlieger gefragt worden seien. „Werden da nur bestimmte Leute gefragt?“ ärgerte er sich. Der 2. Bürgermeister Herbert Bischof nutzte die Gelegenheit, um sich im Namen des Gemeinderats bei dem 1. Bürgermeister zu bedanken, der sich „mittlerweile sehr gut eingearbeitet habe.“

Pater Augustin wies als Hausherr in dem Pfarrsaal darauf hin, dass seiner Meinung nach der Saal eine gute „Zwischenlösung“ für das Dorf sei. „Aber ein Dorf ohne Wirt ist wie ein Dorf ohne Kirche“ sagte er unter lang anhaltendem Applaus in Anlehnung an den seit längerem geschlossenen Gasthof zur Post. „Dass so eine Aussage von einem Pfarrer kommt hätte ich nicht gedacht“ schmunzelte der 1. Bürgermeister und schloss die Bürgerversammlung, in der sich die Anwesenden noch lange über ihr Dorfgeschehen unterhielten.

Statistische Zahlen

2009 2010
Geburten 16 13
Sterbefälle 12 12
Eheschließungen 8 2
Einwohner 1.835 1853

Summe der Einnahmen

Summe der Ausgaben

1,542 Mio. Euro

1, 046 Mio. Euro

1.404 Mio. Euro

1,113 Mio. Euro

Zuführung zum Vermögenshaushalt

Schulden der Gemeinde (seit 1.1.08)

354.000 TEURO

0

132.000 TEURO

0

Stand der Rücklagen

650.000 Euro 620.000 Euro

awi

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