Impf-Pflicht: Heiße Diskussionen gehen weiter

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Traunstein - Die Impfpflicht zur Vorbeugung der Blauzungenkrankheit sorgt unter den Landwirten im Kreis Traunstein weiter für große Verärgerung und Diskussionen.

"Soweit ich mich erinnern kann, war die Stimmung in der Landwirtschaft noch nie so schlecht wie jetzt", sagte Dr. Walter Lenze, der Leiters des Veterinäramtes in Traunstein im Ausschuss für Gesundheitsfragen und soziale Angelegenheiten im Landratsamt. Um die aus Südafrika eingeschleppte Tierseuche in den Griff zu bekommen, sollen die Landwirte nach Ansicht des Amtstierarztes der Impfpflicht in vollem Umfang Rechnung tragen. Lenze geht davon aus, dass es bis zu fünf Jahre dauern könne, um den Virus im Landkreis Traunstein auszumerzen.

Immer wieder weigern sich Bauern, ihre Tiere impfen zu lassen, und nehmen lieber einen Bußgeldbescheid in Kauf. Die Kritiker meinen, dass der Impfstoff mehr schade als helfe. Sie befürchten eine Zunahme von Eutererkrankungen, vermehrte Verendungen und einen Anstieg der Verwerfensfälle.

Erwiesen sei, hielt Dr. Lenze dagegen, dass die Zahl der Geburten während der Impfzeit deutlich angestiegen sei. "Wir haben in Zusammenhang mit der Impfung 30 verendete Rinder sezieren lassen" - mit dem Ergebnis, dass die Todesursache "eindeutig auf andere Abortursachen" zurückzuführen gewesen sei. Viele Landwirte seien jedoch nicht bereit, diese Erkenntnisse und Fakten zu akzeptieren. "Bevor wir überhaupt zur Impfung schreiten können, müssen wir die Leute erst zwei Stunden beruhigen."

Auch im Büro des Veterinäramtes laufen die Telefone heiß. Einer seiner Mitarbeiter sei mittlerweile völlig überfordert und habe bereits gesundheitliche Schäden davongetragen, berichtete Dr. Lenze.

In diesem Jahr führten die Mitarbeiter des Veterinäramtes in Traunstein rund 250 Beratungsgespräche und versandten über 6600 Infobriefe an die Bauern. Verteilt auf rund 100.000 Rinder, Schafe und Ziegen wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Traunstein zirka 193.000 Blauzungenimpfungen vorgenommen. In 1180 Betrieben erhielten über 94.000 Rinder einen Schutz vor der Viruskrankheit. In 130 Betrieben wurden rund 6500 Rinder nicht vollständig geimpft. Die Zahl der Schafe und Ziegen, die einen Schutz bekamen, lag bei über 5200, etwa 259 Artgenossen wurden nicht vollständig geimpft.

"Ein Schlag ins Gesicht"

Markus Fröschl (CSU) bezeichnete es als unverantwortlich, der Impfpflicht nicht Folge zu leisten. "Es ist ein Schlag ins Gesicht, wenn ein kleiner Teil hergeht und sich dem widersetzt", sagte er. Dieser Meinung schloss sich auch sein Fraktionskollege, Landtagsabgeordneter Klaus Steiner, an. "Es gibt keine andere Möglichkeit, diese Tierseuche einzudämmen."

Wie Lenze weiter mitteilte, ist die Impfkampagne in diesem Jahr seit dem 19. Juni abgeschlossen. Sollten sich Landwirte weiterhin der Impfplicht entziehen und es lieber auf einen Bußgeldbescheid ankommen lassen, sei 2010 mit ganz massiven Schäden zu rechnen.

Die Blauzungenkrankheit ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit von Wiederkäuern wie Schafen, Rindern und Ziegen. Ihren Namen hat sie von der Blaufärbung der Zunge, einem Hauptsymptom bei Ausbruch der Krankheit. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich. Nachgewiesen sei, so Lenze, dass der Impfstoff nachweislich keine Rückstände in den Lebensmitteln erzeuge.

In Deutschland waren im Zeitraum von Mai bis Mitte November 2008 über 2400 Betriebe von der Blauzungenkrankheit betroffen. Im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor waren noch über 18.000 Betriebe aufgelistet gewesen.

Die von der Seuche befallenen Rinder erleiden einen schmerzhaften Tod: Die Extremitäten fangen zu lahmen an, das Maul entzündet sich, aus der Nase läuft eitriger Ausfluss. Durch die Impfung, die vom Veterinäramt überwacht werden muss, erzielt man laut Dr. Lenze einen Schutz vor klinischen Erkrankungen. Man verhindere das Einschleppen der Erreger in der Region beziehungsweise lösche den Erreger aus.

ga/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © pa

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